Lokalsport

Die Frühreifen

Mike Mai ist vom Erfolg seines Teams nicht überrascht, nur vom Zeitpunkt

Die Knights betreiben weiter Werbung in eigener Sache. Bissig, schnell, kompromisslos. Hamburg versuchte am Samstag, die Defensivkünstler aus Kirchheim mit deren eigenen Waffen zu schlagen. Und scheiterte dabei.

Sonderapplaus für seine Jungs: Kirchheims Michael Mai und die Knights gehen weiterhin als Tabellendritter ins Spiel am Samstag g
Sonderapplaus für seine Jungs: Kirchheims Michael Mai und die Knights gehen weiterhin als Tabellendritter ins Spiel am Samstag gegen punktgleiche Gothaer.Foto: Genio Silviani

Kirchheim. Sie waren beeindruckt, keine Frage. Sieben Punkte im gesamten ersten Viertel, mehr war am Samstag nicht drin für die Gäste aus Hamburg. Eine Mannschaft, die längst nicht mehr nur als Geheimfavorit gilt. Fünf Spiele hatten die Towers zuvor in Folge gewonnen, darunter gegen Mannschaften wie Nürnberg oder Vechta. In der Sporthalle Stadtmitte war Endstation. Vor allem deshalb, weil dem Gegner, wie schon so oft in dieser Saison, die 24 Sekunden auf der Shotclock nicht ausreichten, um einen Angriff erfolgreich abzuschließen.

Anzeige

Die Hanseaten kämpften, wie bisher keine Mannschaft unter der Teck. Bis an körperliche Grenzen und die des Erlaubten. Nicht ohne Folgen: Mit Schmidt, Ferguson und Kittmann mussten gleich drei Hamburger nach dem fünften Foul vorzeitig vom Parkett. Bei anderen fehlte nicht viel. 30:24 lautete am Ende einer hitzigen Partie die Foulbilanz zulasten des Gegners. Der Plan, die Kirchheimer mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, es blieb beim Versuch.

Nach dem Heimsieg gegen Heidelberg war es die zweite Lehrstunde in eigener Halle, die vorführte, wie man einen Gegner wirksam an die Kette legt. Neben Jena und Vechta zählen die Knights bisher zu den drei defensivstärksten Teams der Liga. Mit unglaublichem Tempo über vierzig Minuten und mit überraschend viel Cleverness. Keine dummen Fouls, das war angesichts der personell schwierigen Lage auf den deutschen Positionen vor allem für das Trio Joos, Koch und Bekteshi am Samstag oberstes Gebot. Wie sie diese Aufgabe nicht nur am Samstag erledigt haben, verlangt auch Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt einigen Respekt ab. „Was die Mannschaft in den schwierigen Wochen ohne Andi (Andreas Kronhardt) und Dennis (Dennis Nawrocki) geleistet hat, das ist schon super.“

Für Kronhardt wird es für einen Einsatz am Samstag gegen Gotha wohl noch immer zu früh sein. Auch danach soll der Ex-Crailsheimer nach seiner im Training erlittenen Schädelfraktur behutsam einsteigen. „Die Saison ist noch lang“, sagt Christoph Schmidt. „Andi wird alle Zeit bekommen, die er braucht, um wieder der Alte zu sein.“ Besser stehen dagegen die Chancen für Dennis Nawrocki, der nach seinem Bänderriss am Samstag zumindest im Trikot auf der Bank sitzen wird.

Der Sieg gegen Hamburg war wichtig, weil er zum ersten Mal für ein Zwei-Punkte-Polster auf Platz fünf gesorgt hat. Am Samstag kommt mit Gotha ein punktgleicher Gegner mit fast identischer Bilanz und sieben Siegen aus zehn Spielen auf dem Konto. Von Waffengleichheit kann dennoch nicht die Rede sein. Die Thüringer verfolgen nicht nur Aufstiegspläne, sie haben auch das nötige Kleingeld. „Teams zu schlagen, die größer sind, erfüllt einen immer mit besonderem Stolz“, sagt Knights-­Coach Michael Mai. Für den 40-Jährigen, der in seinem Premierenjahr in Kirchheim auch einige Kritik einstecken musste, ist es eine besondere Genugtuung, dass seine völlig neu formierte Mannschaft als funktionierendes Kollektiv auftritt. Völlig überraschend kommt der gegenwärtige Erfolg für ihn nicht. „Er kommt nur früher als erwartet“, sagt Mai.

Tag der Einheit

Die besten Knights, der beste Gegner, das beste Publikum. Es sind Spiele wie am Samstag, deren Ertrag sich nicht an Statistiken messen lässt. Nüchtern betrachtet haben die Kirchheimer Basketballer am zehnten Spieltag ihren dritten Tabellenplatz verteidigt. Entscheidender ist: Wieder hat sich ein hartnäckig kämpfender Gegner, der bis zum Schluss nie aufsteckte, die Zähne ausgebissen. An einer Mannschaft, deren größte Stärke ihre Einheit ist. Als Keith Rendleman mit einem krachenden Dunk im Schlussviertel am Samstag die Zuschauer von den Sitzen riss, war es nicht der Schütze selbst, der die spektakuläre Show nach Kräften feierte. Draußen auf der Bank flippte Dennis Tinnon, Rendlemans direkter Kontrahent auf dieser Position, regelrecht aus und war auch in der folgenden Auszeit noch kaum zu bändigen.

Es sind Szenen wie diese, die in dieser Saison den Unterschied ausmachen. Es gab Mannschaften, die in den zurückliegenden Jahren in Kirchheim besseren Basketballsport geboten haben, doch keine verkörperte Teamgeist und unbedingten Siegeswillen so überzeugend wie die jetzige. Man braucht kein Basketball-Experte zu sein, um daran Gefallen zu finden. Körpersprache wird verstanden. Wohl keiner der 1 200 Fans, die am Samstag in der Halle waren, hätte hinterher geleugnet, einen mitreißenden Abend erlebt zu haben. Auch ohne gewonnene Punkte.

Der Kirchheim-Faktor in der Pro A hat wieder Gewicht. Die Flamme brennt. Gotha kann kommen.BERND KÖBLE