Lokalsport

Die glorreichen Vier aus dem Teckrevier

Fußball-Szene Der TSV Weilheim klettert in der Landesliga auf Platz zwei – Neidlingen „schießt den Vogel ab.“

Flog in der 80. Minute mit Rot vom Platz: Weilheims Kapitän Mike Tausch.Foto: Markus Brändli
Flog in der 80. Minute mit Rot vom Platz: Weilheims Kapitän Mike Tausch.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Ein Sonntag ganz nach dem Geschmack der vier fußballerischen Branchenführer in der Teckregion: Der TSV Weilheim ist neuer Tabellenzweiter der Landesliga, weil der 1. FC Heiningen in Ebersbach über ein Unentschieden nicht hinauskam, und hat nur noch einen Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Waldstetten nach dessen Nullnummer gegen Bargau. In der Bezirksliga stieß das siegreiche Trio TV Neidlingen, SGEH und VfL Kirchheim den spielfreien SC Geislingen gemeinsam vom Thron.

Den Vogel schoss ausgerechnet Aufsteiger TV Neidlingen in Berkheim ab. 8:0 - was für ein Ergebnis für die Mannschaft aus dem kleinsten Ort in der Liga. Aber das Spiel hätte für den neuen Primus vielleicht auch ganz anders laufen können, wenn es in der 21. Minute die Rote Karte gegen Andreas Gienger gegeben hätte. Der Torwart beging ein Foul außerhalb des Strafraums. Spielertrainer Patrick Kölle musste zugeben: „Man hätte auch auf Notbremse entscheiden können.“ Der Schiri tat es nicht, und danach wirkte der TVN wie befreit. Alles lief wie am Schnürchen. Dreifacher Torschütze: der Ex-Eislinger Außenstürmer Fabian Latzke, den sein Kumpel Kölle zum Wechsel nach Neidlingen animiert hatte.

Ebenfalls als sensationell kann das bisherige Abschneiden der SG Erkenbrechtsweiler-Hochwang bezeichnet werden. Vier Siege in fünf Spielen, wer hätte das gedacht? Dabei fehlten diesmal gegen Neuhausen die Urlauber Marco Parrotta und Markus Kronewitter sowie Marcel Gutbrod, der in der Nacht zuvor Vater geworden war. „Es war ein nervenaufreibendes, bis zum Schluss spannendes Spiel. Wir waren am Ende viel zu hektisch“, meint Trainer Dieter Hiller. Zweimal geriet seine Mannschaft in Rückstand, bewies aber Moral und glich zweimal aus. Den Dreier sicherte Ingo Schäfer mit einem Zauberfreistoß aus 18 Metern in den Winkel.

Dritter im Bunde der glorreichen Teckvereine war der VfL Kirchheim, der nach turbulenten Jahren wieder Anlauf auf die Landesliga zu nehmen scheint. Da gehört ein Verein aus einer Stadt wie Kirchheim auch hin. Mindestens. Auf dem heißen Pflaster in Nellingen erkämpften sich die verjüngten Blauen drei wichtige Punkte. „Eine taktisch disziplinierte Leistung“, lobt Trainer Markus Schweizer. Fast unüberwindlich die Viererkette mit den beiden 18-jährigen Simon Wahler, Jannik Schuller, dem 19-jährigen Simon Herthneck und Andreas Elsäßer als Leitwolf. Insgesamt erst drei Gegentore, das ist der Spitzenwert in der Bezirksliga. Bei einem Heimsieg nächsten Sonntag gegen Berkheim kann der VfL den Platz an der Sonne übernehmen, denn in Neidlingen ist traditionell Zwetschgenfest. Da muss der Fußball ruhen.

15:2 stand es vor dem Anpfiff, 18:3 nach Ende des Landesliga-Derbys für Weilheim in Köngen - nach der Gesamtzahl der Tore beider Teams. Wie schon beim 4:0 gegen Frickenhausen kam die Elf von der Limburg erst in der zweiten Halbzeit auf Touren. Mike Tausch brach mit einem Foulelfmeter und einem Abstauber nach Pfostentreffer von Roberto Forzano den Bann. In der 70. Minute wurde der Doppeltorschütze vom Platz gestellt, und keiner wusste, warum. „Das war nichts“, äußerte sich selbst sein Gegenspieler Rafael Horeth, den er angeblich gefoult haben soll, gegenüber dem Schiedsrichter. Doch der beharrte auf seiner Entscheidung. „Wir werden Einspruch einlegen“, kündigte Trainer Chris Eisenhardt an. Gegen Bad Boll will er nicht auch noch auf seinen Kapitän verzichten. Lennart Zaglauer (Bänderriss) und Christoph Bauer, der nach 20 Minuten mit einem Faserriss ausschied, werden ohnehin fehlen.

Klaus Schlütter

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