Lokalsport

Die härteste Etappe

Radsport: Jannik Steimle hat seinen ersten Vertrag als Nachwuchsprofi unterschrieben

Diese Saison ging es für ihn schon steil nach oben. Jetzt hat der Weilheimer Jannik Steimle seinen ersten Vertrag als Radsportler bei einem Continental Team unterschrieben. Beim drittklassigen Rennstall Felbermayr-Simplon ist man überzeugt, sich mit dem 19-jährigen Schwaben ein Juwel geangelt zu haben.

Ich bin dann mal weg - So wie hier bei den Landesmeisterschaften in Deißlingen hat Jannik Steimle die Konkurrenz in der vergange
Ich bin dann mal weg - So wie hier bei den Landesmeisterschaften in Deißlingen hat Jannik Steimle die Konkurrenz in der vergangenen Saison mehrfach hinter sich gelassen. In der neuen Saison heißt es, Erfahrung sammeln und sich an eine härtere Gangart gewöhnen.Foto: Sadowsky

Weilheim. Es ist sein größter Schritt bisher und das in jeder Hinsicht. Im Februar wird Jannik Steimle nach Passau ziehen, zum ersten Mal weg vom Elternhaus in Weilheim. Bis zu seinem neuen Arbeitgeber im niederösterreichischen Wels sind es von dort knapp eineinhalb Stunden mit dem Auto. Es ist ein gewaltiges Tempo, das der 19-Jährige 2015 anschlägt. Vor gut einem Jahr als Junioren-Bahnfahrer noch als schlampiges Talent verschrien, hat er es in diesem Sommer allen gezeigt. Sprüche klopfen viele in einer Sportart, die wie kaum eine andere Kraft, Ausdauer und unbedingte Leidensfähigkeit vereint. Er hat gezeigt, dass er es ernst meint. Dass er behutsam umgeht, mit dem, was ihm als Talent gegeben ist. Dass er seine Chance nutzen und ganz nach oben will. Sechs Siege, 15 weitere Top-Ten-Platzierungen, das ist seine Bilanz im ersten Jahr als Straßenamateur im Trikot der Racing Students aus Freiburg.

Der nächste Schritt ist ein großer, und er klingt logisch. „Wer es bis 23  nicht geschafft hat, der schafft es nie“, sagt sein Manager Michael Bogner. Der Österreicher hat in den vergangenen Jahren viele getroffen, für die die Felbermayr-Equipe nur Durchgangsstation war. Zuletzt den 21-jährigen Gregor Mühlberger, der ab 2016 für das Team Bora-Argon 18 starten wird. Für viele Nachwuchsfahrer ist die dritte Liga des Radsports die große Chance, sich zum ersten Mal auf internationaler Bühne zu zeigen. Bogner traut seinem neuen Schützling zu, dass der sich in Europa schnell akklimatisieren wird. „Ich glaube, es wird nicht lange dauern, bis er seinen ersten Sieg einfährt“, sagt Michael Bogner. Das erste Jahr werde eine Lernphase. „Er ist momentan vielleicht noch zu ungestüm, zu ehrgeizig.“

Schonraum wird es kaum geben. Der 19-Jährige soll schon im ersten Jahr eine tragende Rolle im Team spielen. Rund 60 Renntage stehen im Kalender. Mit Rundfahrten in Europa, aber auch in China oder Aserbaidschan. Als sprintstarker Fahrer mit 1,88 Meter Körpergröße ist ihm die Rolle des Klassiker- und Zeitfahrspezialisten auf den Leib geschrieben. Sein Debüt im Trikot der Österreicher soll er im Februar in Kroatien deshalb auch bei einem Eintagesrennen geben. „An diesen Qualitäten wollen wir arbeiten“, sagt Michael Bogner, der weiß, wie schwer dieser nächste Schritt wird. „Jannik ist bisher überwiegend Kriterien gefahren. Ein Eintagesrennen über 260 Kilometer oder eine einwöchige Rundfahrt ist eine ganz andere Sache.“

Mit etwas Glück und entsprechenden Leistungen im Frühjahr könnte er Anfang Juli erstmals bei der Österreich-Rundfahrt am Start sein. Ein Rennen der ersten Kategorie, bei dem schon Stars wie Carlos Sastre, Fredrik Kessiakoff oder Cadel Evans auf dem Podium standen. Für das Felbermayr-Team ist die Schleife im eigenen Land der Saisonhöhepunkt. „Wir werden alles versuchen, eine Etappe zu gewinnen und einen Fahrer unter die Top Zehn zu bringen“, sagt Teammanager Andreas Grossek.

Jannik Steimle hat daheim in Weilheim schon den Grundstein gelegt. Sechs Kilo Gewicht hat er im Laufe der Saison verloren. Die Waage zeigt 72 Kilo. Ein wichtiger Punkt, um unbeschadet durch die Alpen zu kommen. Schließlich stehen bei der nächstjährigen Österreich-Tour Härtetests wie die Auffahrt zum Kitzbühler Horn oder die Großglocknerstraße auf dem Programm. Das Felbermayr-Team sucht dafür noch einen Rundfahrt-Spezialisten, einen Mann fürs Gesamtklassement. Lässt sich der nicht finden, wird man sich auf einzelne Etappen konzentrieren müssen. Die Chance für Spezialisten. Vielleicht für einen jungen Burschen aus Weilheim.

Die dritte Liga des Radsports

Die Continental Teams gelten innerhalb des Weltverbands UCI als dritthöchste Kategorie hinter den Pro-Continental-Mannschaften und den Spitzenteams der World Tour. Seit 2005 gibt es im Weltverband kontinentale Rennserien, die unterhalb der World Tour, zu der auch die großen Rundfahrten wie Tour de France, Giro d‘Italia oder Vuelta de España zählen, angesiedelt sind. Zum UCI Continental Circuit gehören Africa Tour, America Tour, Asia Tour, Europe Tour und Oceania Tour. In der vergangenen Saison waren in Europa 104 Continental Teams am Start, darunter auch das Team Stuttgart. Die Mannschaften gelten für Nachwuchsfahrer als Sprungbrett nach ganz oben.bk

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