Lokalsport

Die Krise bereitet Kopfzerbrechen an zwei Fronten

Turnen Den VfL plagt im Wettkampfbereich und in der Breitensportsparte die Corona-Ungewissheit.

Momentan unmöglich: Turnen in der Kirchheimer Raunersporthalle
Momentan unmöglich: Turnen in der Kirchheimer Raunersporthalle

Kirchheim. Balkonien statt Backnang - anstatt am morgigen Samstag in der Remsgemeinde nördlich von Stuttgart in die Drittligasaison zu starten, müssen die Turnerinnen des VfL Kirchheim mehr oder weniger in den eigenen vier Wänden der Dinge harren, die da infolge der Coronakrise kommen.

Seit der Deutsche Turnerbund (DTB) und die Deutsche Turnliga (DTL) vor rund vier Wochen alle Termine bis zu den Sommerferien gecancelt haben, sind die ersten beiden von insgesamt vier Wettkämpfen just in Backnang und in Meßstetten (10. Mai) auf Eis gelegt. Ob am 17. Oktober in Balingen und am 17. November in Ludwigsburg um Bundesligapunkte geturnt werden kann, weiß niemand. Zumal der DTB alle zu verlegenden Wettkämpfe nicht vor Mitte Oktober neu ansetzen will. Wann die beiden ausgefallenen Termine nachgeholt werden, ist damit ebenfalls unklar.

Für die beim VfL für das Wettkampftraining verantwortliche Trainerin Michaela Pohl steht zumindest fest, dass eine komplette Ligasaison nicht innerhalb eines Vierteljahres ausgetragen werden kann. „Das gibt der Wettkampfkalender gar nicht her, der ist ohnehin schon voll genug“, verweist sie auf drohende Terminkollisionen zwischen Herbst und Weihnachten. Von einer vernünftigen Saisonvorbereitung ganz zu schweigen. Die sollte auf Bundesliganiveau laut Pohl mindestens zweieinhalb Monate in Anspruch nehmen.

Dass man sich in einer bewegungstechnisch komplexen Sportart wie dem Turnen nur bedingt im häuslichen Umfeld fit halten kann, liegt auf der Hand. Zwar sind die VfL-Turnerinnen in Sachen „Home-Training“ so kreativ wie andere Sportler auch. Doch ersetzen Salti im Garten, Spagat auf den Terrassenmöbeln oder Handstand im Gras nicht das gezielte Üben in der Halle. „Ich habe große Sorge, dass wir nach der Zwangspause bei manchen Sachen wieder bei Null anfangen müssen“, unkt Michaela Pohl, die immerhin Trost in dem Gedanken finden kann, dass es der Konkurrenz ähnlich geht.

Vergünstigte Mitgliedsbeiträge?

Kopfzerbrechen bereitet den VfL-Verantwortlichen aber nicht nur der Wettkampfbereich. Von den rund 800 Mitgliedern zählen rund 700 zum Breitensportsektor, der im Zuge der Krise komplett zum Erliegen gekommen ist - Kurse brechen weg, Angebote fallen aus, die rund 30 ehrenamtlich tätigen Übungsleiter sitzen auf dem Trockenen und die Mitglieder gucken in die Röhre. Vereinzelte Austritte aus der Abteilung zu Beginn der Pandemie fallen laut Michaela Pohl zwar noch nicht ins Gewicht. Doch appelliert das Kirchheimer Turnurgestein in der Krise an die Solidarität der Turnfamilie: „Wir überleben nur, wenn die Mitglieder bleiben“, so Pohl. Nicht nur vor diesem Hintergrund denkt die größte Abteilung innerhalb des VfL bereits über vergünstigte Beiträge für die Zeit nach der Krise nach. Peter Eidemüller

Im Internet wirbt die Turnabteilung des VfL unter sportdeutschland.tv gezielt für den Wettkampfbereich um Spenden.

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