Lokalsport

„Die Leute sind beschäftigter“

Das Beispiel der Weilheimer Fußballer zeigt, wie schwer sich Sportvereine bei der Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern tun. Die Sportwissenschaftlerin Pamela Wicker von der Deutschen Sporthochschule in Köln weiß, warum.

Knapp die Hälfte aller Sportvereine in Deutschland hat Probleme bei der Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern. Warum?

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Wicker: Hier gibt es mehrere Perspektiven. Zum einen verweisen manche Wissenschaftler darauf, dass die Vereine immer sagen würden, dass sie ein Problem in diesem Bereich hätten, auch wenn es gar nicht so schlimm sei. Zum anderen spricht eine Analyse der Entwicklung der Anzahl dafür, dass es im Laufe der Jahre weniger Ehrenamtliche geworden sind, die aber dann mehr arbeiten – die anfallende Arbeit im Verein wird ja nicht weniger. Dieser Trend ist aber nicht nur in Deutschland zu beobachten. Das hat oft damit zu tun, dass die Alternativen der Zeitverwendung im Laufe der Jahre gestiegen sind und die Leute einfach beschäftigter sind und keine Zeit mehr haben.

Mit 60 Prozent haben Fußballvereine dabei die größten Probleme. Woran liegt das?

Wicker: Das dürfte daran liegen, dass im Fußball die Kommerzialisierung auch im Amateurbereich schon recht fortgeschritten ist, also dass viele Beteiligte Geld bekommen. Zum Beispiel erhalten viele Spieler auch in unteren Ligen schon höhere Aufwandsentschädigungen und genauso sieht es bei Trainern aus. Wenn man dann natürlich als potenzieller Ehrenamtlicher sieht, dass andere für etwas Geld bekommen, werden viele für sich entscheiden, dass sie keine Lust haben, ihre eigene Zeit unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Bei der Abteilungsleitung ist nach der Gruppe der 41- bis 60-Jährigen vor allem die mittlere Altersklasse der 27- bis 40-Jährigen zu finden. Zufall?

Wicker: Ich würde auf Basis wissenschaftlicher Befunde davon ausgehen, dass das ehemalige Sportler sind, die ihre aktive Karriere beendet haben und ihr sportspezifisches Wissen jetzt ehrenamtlich als Trainer, Betreuer oder eben als Abteilungsleiter zur Verfügung stellen und so mit dem Sport und dem Verein verbunden bleiben. Man geht ja nie so ganz.

Zur Bewältigung der Probleme bei Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen versprechen direkte Ansprache und Überzeugungsarbeit den größten Erfolg. Was noch?

Wicker: In einer unserer Studien hat sich gezeigt, dass Vereine, bei denen ein hoher Anteil an Mitgliedern an geselligen Veranstaltungen teilnimmt, geringere Probleme bei der Bindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen haben. Folglich sind solche Veranstaltungen für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein essenziell und erleichtern die Rekrutierung Ehrenamtlicher. Außerdem wurde herausgefunden, dass das Angebot und die anteilige Kostenübernahme von Schulungen und Fortbildungen einen Anreiz darstellen und somit die Bindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen erleichtern.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor scheint die Motivation zu sein. Wie kann ein Verein seine Ehrenamtlichen bei Laune halten?

Wicker: Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Anerkennung eine wichtige Rolle spielt. Ein Verein kann seine Ehrenamtlichen bei Laune halten, indem die Arbeit jedes Einzelnen auf der Mitgliederversammlung oder Jahreshauptversammlung oder auf Vereinsfeiern entsprechend gewürdigt wird und es eine kleine Aufmerksamkeit für die Ehrenamtlichen gibt.