Lokalsport

Die Maggs dieser Welt

Ein älterer Herr um die 80 parkt seinen Golf vor dem Eingangstor zum Kunstrasenplatz. Er zieht erst die Heckklappe hoch, dann die Kapuze seines Anoraks tief ins Gesicht. Es regnet. Im Kofferraum eine Kasse mit Wechselgeld. Und eine Banderole.

Karl Magg ist Vereinskassier und wartet auf Kundschaft. Er verkauft Eintrittskarten für ein Fußballspiel der achten Liga, VfL Kirchheim gegen RSK Esslingen. Eine Stunde steht er schon da und es ist ungemütlich. Der Regen geht in Schneetreiben über, aber die Besucher tröpfeln nur. 28 sind es letztendlich, die ihren Obolus entrichten. Von den Einnahmen gehen 86 Euro und ein paar Cent an den Schiri, der von weither aus Altensteig im Schwarzwald angereist ist. Dem VfL bleiben gerade mal 20 Euro für die Vereinskasse.

Die Szene mit dem älteren Herrn am Eingangstor zur Ärmlichkeit hat etwas Berührendes. Und Bedrückendes zugleich, wenn der Betrachter an die glorreichen Zeiten der 80er- und 90er-Jahre denkt, als der VfL in der höchsten Amateurklasse noch die Stadien füllte. Nach mehr als fünf Stunden ist Karls „Sonntagsvergnügen“ zu Ende. Als er durchgefroren und mit triefender Nase nach Hause kommt, muss er sich auch noch wenig schmeichelhafte Worte seiner besorgten Gattin („Du bist doch der größte Dackel“) gefallen lassen, bevor er sich trollt und in die Buchhaltung des Vereins vertieft. „Ich wollte nie ein Vereinsmeier sein. Aber als das Elend am größten war und die Abteilung kurz vorm Abmelden stand, habe ich mich bereit erklärt, die Kasse zu übernehmen. Wenn sie mich brauchen, mache ich weiter, solange ich kann“, versichert er. Mögen sie uns noch lange erhalten bleiben, alle Maggs dieser Welt. Ohne sie würde das Vereinsleben nicht funktionieren.

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