Lokalsport

Die Meisterjahre sind vorbei

Randsport Die Wernauer Minigolfer sind nur noch zu zwölft und hoffen auf neue Mitglieder.

In den 1990er-Jahren Weltstar im MInigolfen: Andreas Winkel aus Deizisau.Foto: Markus Brändli
In den 1990er-Jahren Weltstar im MInigolfen: Andreas Winkel aus Deizisau.Foto: Markus Brändli

Wernau. Sie spielen in der untersten Liga. Saisonziel: der Aufstieg. „Die Chancen stehen nicht schlecht in dieser Saison“, glaubt Franz Jachert, der Mannschaftsmitglied, 77 und Pächter des Wernauer Minigolfplatzes ist. Die Verbandsliga-Rückkehr des Minigolf-Sportclubs (MGSC) Wernau muss allerdings ohne den 48-jährigen Vereinsstar Andreas Winkel erfolgen. Der zweifache Ex-Weltmeister aus Deizisau hat sich vom Spielbetrieb zurückgezogen und wird in der laufenden Landesligasaison höchstens sporadisch den Schläger schwingen: möglicherweise beim Wernauer Heimspieltag am 30. April. Doch grundsätzlich geht die Familie vor für ihn.

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Vor über 20 Jahren, als Bundesligaspieler beim Stuttgarter SC, war noch alles anders: Da lebte Andreas Winkel seinen Sport. Unzählige Übungseinheiten absolvierte er auf den Bahnen, daheim wie auswärts, und Jogging und Autogenes Training gehörten fest zu einem Trainingsprogramm, dessen Abwicklung fast so wichtig war wie der eigene Bankjob. Die Minigolf-Affinität brachte ihm WM-Siege in Göteborg (1993), Hard am Bodensee (1995) und kurzzeitig sogar überregionale Berühmtheit ein, weil ein Fernsehteam erschien, die Zeitungen berichteten und neben dem Deizisauer Bürgermeister auch der damalige Kultusminister und VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder persönlich gratulierte. „Die baden-württembergischen Sportlerempfänge waren immer etwas Besonderes. Da stehst du als Minigolfer neben erfolgreichen Sportlern aus populäreren Sportarten und siehst, wie sich die Medien dann ausschließlich auf diese Stars stürzen“, sagt er. Doch es wundert ihn nicht.

In den 1990er-Jahren hatten auch die Wernauer ihre Hochzeit. 1984 waren sie in die Bundesliga Süd aufgestiegen, sechs Jahre später folgte der Gewinn der ersten von insgesamt drei deutschen Mannschaftsmeister-Titeln. Dazu gab es nationale Einzeltitel für die Clubmitglieder Diether Leitheiser, Anne Wild und Franz Jachert bei den Senioren. Die Wernauer Minigolferszene, am Neckarufer angesiedelt direkt neben der Eishalle, boomte und stieß mit 40 bis 50 Vereinsmitgliedern temporär in ungeahnte Bereiche vor. „Mit unseren Erfolgen bei deutschen Meisterschaften kamen die Mitglieder“, erinnert sich Jachert.

Heutzutage sind es gerade mal zwölf Beitragszahler, die der MGSC auf seiner Liste hat, und fast alle sind schon über 60. „Wir Minigolfer sterben aus“, sagt Jachert mit Blick auf die Altersstruktur. Er weiß, warum es den jungen Nachwuchssportler oder erwachsenen Quereinsteiger kaum mehr ins Vereinsleben zieht: „Fußball, Handball oder auf dem Computer spielen sind für junge Leute heutzutage attraktiver als der Minigolfclub“. Wobei das nicht-olympische Minigolfen den Vorteil hat, dass knapp 250 Euro für die Grundausstattung (Schläger, Bälle, Vereinstrikot, Sportschuhe) ausreichend sind, weil ein kompletter Sportlerdress wie bei den meisten anderen Sportarten überflüssig ist. „Minigolf kann man auch mit Straßenhose spielen“, sagt Jachert, „selbst bei Wettbewerbsspielen ist das nicht verboten“.

Die großen Club-Zeiten sind inzwischen passe. Doch in Wernau hoffen sie auf eine Wiedergeburt in Form von Neuzugängen.Thomas Pfeiffer