Lokalsport

Die Sache mit dem Gleichgewicht

Basketball Bei den Knights folgt auf jeden Rausch der nächste Kater. Eine Mannschaft auf der Suche nach sich selbst und der nötigen Balance. Von Bernd Köble

Auszeit mit Standpauke: Anton Mirolybov fand am Sonntag in Ulm deutliche Worte für das enttäuschende Auftreten seiner Mannschaft
Auszeit mit Standpauke: Anton Mirolybov fand am Sonntag in Ulm deutliche Worte für das enttäuschende Auftreten seiner Mannschaft gegen den Aufsteiger.Foto: Tanja Spindler

Die Tabelle lügt nicht. Acht Spiele, vier Siege, vier Niederlagen. Erfolg und Misserfolg, die sich exakt die Waage halten. Eine Bilanz, die die Gemütslage einer Mannschaft beschreibt, die kaum dass sie aufgestanden ist, schon wieder ins Stolpern gerät. Die Normalität im Liga-Alltag, die sich nicht nur Knights-Coach Anton Mirolybov so sehr wünscht, sie will bei Kirchheims Basketballern nicht so recht einkehren. Sei es nur, dass man Normalität als zielführende Arbeit mit festem Personal definierte.

Anzeige

Dass Kirchheims Kader klein ist, ist nicht neu. Umso wichtiger wäre Konstanz, die auch nach acht Spieltagen nach wie vor fehlt. Es sind Kleinigkeiten, die dem Erfolg zurzeit im Wege stehen. Das weiß man nicht erst seit Sonntag, als die Knights in Ulm gegen einen weitgehend unerfahrenen Aufsteiger am eigenen Unvermögen scheiterten. In einem Spiel, das von Anfang an völlig ausgeglichen, in dem der Sieg greifbar war. „Wir kämpfen uns erst zurück und machen dem Gegner dann wieder das Tor auf“, beschreibt Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt das momentane Dilemma. Er sagt: „Uns fehlt das Gallige in kritischen Phasen.“

Fast jeder in der Mannschaft scheint dabei sein eigenes Päckchen zu tragen: Neuzugang Toney McCray, der seit vergangener Woche den glücklosen Levi Giese ersetzt, tat noch am ehesten das, was man von ihm erwarten durfte: sich behutsam herantasten ans Kirchheimer Spiel. Andreas Kronhardt, bisher die Zuverlässigkeit in Person, quälte sich am Sonntag erkältungsgeschwächt über 20 Minuten und blieb im Schlussviertel entkräftet auf der Bank. Keith Rendleman, eigentlich ein Mann mit Lufthoheit unterm Korb, kämpft weiterhin mit den Folgen seiner Bänderverletzung und damit auch mit dem inneren Gleichgewicht, und den etatmäßigen Scharfschützen Corban Collins, Charles Barton und Tim Koch scheint die hartnäckige Seuche beim Abschluss inzwischen auch die Körpersprache zu verschlagen. In fünf von bisher acht Spielen lag die Dreier-Quote der Kirchheimer deutlich unter 30 Prozent. Nur Baunach und Paderborn treffen seltener. Koch, dem eigentlich die Rolle des gut in Szene gesetzten Vollstreckers angedacht war, fiel am Sonntag vor allem als bester Rebounder auf. Auch das sagt viel übers Kirchheimer Spiel. 30:39 gegen Chemnitz, 30:43 gegen den Ulmer Talentschuppen - zweite Bälle landen derzeit zumeist beim Gegner. Ohne einen gesunden Kronhardt unterm Korb, so scheint es, sind die Knights in dieser Disziplin momentan bedingt konkurrenzfähig.

Anton Mirolybov, dem beim hart erarbeiteten Sieg am Mittwoch gegen Chemnitz zumindest das „Energie-Level“ gefiel, auf dem seine Mannschaft agierte, spricht von fehlender Balance und bittet weiter um Geduld. „Dass wir derzeit nicht stabil sind, kann jeder sehen“, sagt der Trainer und versichert: „Wir werden unser Gleichgewicht finden.“

„Erschöpfende Woche“ hinterlässt Spuren

Phoenix Hagen, der kommende Gegner der Kirchheim Knights am Samstag in der Sporthalle Stadtmitte befindet sich nach dem Tod seines Cheftrainers Matthias Grothe im Ausnahmezustand. Grothe war am Dienstag vergangener Woche im Alter von 39 Jahren einer Krebserkrankung erlegen. Er gilt als langjähriger Spieler, Jugendkoordinator und Headcoach als die Identifikationsfigur im Hagener Basketball schlechthin. Die für Dienstag angesetzte Partie gegen Mitabsteiger und Pro-A-Tabellenführer Vechta war deshalb kurzfristig abgesetzt worden.

Auch am Sonntag zeigten sich die Feuervögel bei der überraschend deutlichen 84:111-Niederlage im Spitzenspiel gegen den Tabellenvierten Hamburg von den Ereignissen der Woche beeindruckt. „Wir wollten für Matthias einen Sieg nach Hause holen“, meinte Coach Dietmar Günter nach dem Spiel. „Aber die Woche war emotional extrem erschöpfend. Es wird noch dauern, bis sich alles normalisiert.“bk