Lokalsport

Die Saison der kurzen Wege

Turnen: Der VfL Kirchheim startet zum sechsten Mal in der zweiten Liga

Vom möglichen Abstieg redet diesmal niemand. Für die Zweitliga-Turnerinnen des VfL Kirchheim beginnt morgen in Hannover (12 Uhr) die neue Saison.

Das Stammquartett im neunköpfigen Zweitliga-Turnkader des VfL Kirchheim: Sarina Maier, Lea Voith, Joana Varro, Pia Pohl (von lin
Das Stammquartett im neunköpfigen Zweitliga-Turnkader des VfL Kirchheim: Sarina Maier, Lea Voith, Joana Varro, Pia Pohl (von links)Foto: Sascha Krauleidies

Kirchheim. Wer nicht das große Geld hat, spuckt auch keine großen Töne. Nach diesem Motto verfährt man in der Turnabteilung des VfL Kirchheim seit vielen Jahren. Die Folge: Der VfL ist als Meister des Understatements in der Deutschen Turnliga (DTL) immer mal wieder für eine Überraschung gut. Nicht nur 2006, als sich die Kirchheimer Turnerinnen nach dem unerwarteten Aufstieg in die erste Liga gleich für zwei Jahre im Oberhaus einnisteten. Vergangenen Herbst wäre nach einer Saison, die eigentlich mit Abstiegskampf überschrieben war, fast der erneute Aufstieg in die Beletage des deutschen Kunstturnens gelungen. Der VfL stand überraschend im Finale, auch wenn daraus am Ende nur Platz vier wurde.

Und diesmal? „Mit dieser Mannschaft müsste der Klassenerhalt eigentlich zu schaffen sein.“ Ein lapidarer Satz und doch einer, der aus dem Mund von VfL-Cheftrainerin Michaela Pohl etwa so klingt, als habe da gerade jemand die Goldmedaille in Rio für seine Mannschaft proklamiert. Der ungewöhnliche Optimismus im Kirchheimer Lager hat einen Grund: Die blutjunge Mannschaft ist weiter gereift, die routinierteren Kräfte wie die 22-jährige Pia Pohl sind momentan gut drauf und erstmals seit Längerem frei von Verletzungssorgen. Einzige Ausnahme: Dorothee Henzler (23), jahrelang Aushängeschild des VfL in der Bundesliga, wird beim morgigen Auftakt in Hannover verletzt fehlen (siehe Interview).

Dafür rückt mit Joana Varro eine universell verfügbare neue Kraft in die Mannschaft, die ihre größten Stärken am Sprung hat. Die 18-Jährige vom TV Herkenrath war zuletzt Mannschaftskollegin der Olympiasiegerin und mehrfachen Weltmeisterin Oksana Chusovitina. Nach dem Abstieg der Westfalen aus der zweiten Liga machte sich der VfL die guten Kontakte Varros zur Kirchheimer Mannschaft zunutze. Sie wird gemeinsam mir der gleichaltrigen Sarina Maier, mit Lea Voith und Pia Pohl das Rückgrat einer Mannschaft bilden, in der fast jede Turnerin für einen Vierkampf infrage kommt. Die Ausgeglichenheit ist eine der größten Stärken, die der VfL schon am Wochenende mit Platz zwei beim Spieth-Cup in Berkheim unterstrich.

Die Jüngsten aus der DTB-Talentschule des VfL rücken nach und übernehmen Verantwortung. Das ist die gute Nachricht, die am Beispiel der 15-jährigen Kim Ruoff deutlich wird. Die deutsche Jugendmeisterin am Sprung ist vor dem Auftaktwettkampf in Hannover besonders motiviert. Für sie geht es morgen um Qualipunkte für die Jugend-Europameisterschaften in knapp drei Wochen in Bern. Mit Nele Rüping (12) und Maike Brey (13) erhalten zudem zwei, denen die Zukunft gehören könnte, zumindest die Chance, in dieser Saison erstmals Bundesligaluft zu schnuppern.

Eine Saison, von der wie immer niemand weiß, was sie bringen wird. Der Vorjahres-Zweite Heidenheimer SB und das morgige Gastgeberteam der KTG Hannover gelten als die Favoriten für das Aufstiegsfinale. Dahinter kann vieles passieren. „Platz fünf wäre nicht schlecht“, meint VfL-Trainerin Michaela Pohl, die sich freuen darf. Mit Stuttgart und Heidenheim stehen diesmal zwei Wettkampfstätten im Kalender, die kurze Wege und wenig Reisestress versprechen. Auch die Relegationskämpfe Ende des Jahres finden in Singen und damit im Ländle statt.

Eine Saison der kurzen Wege, die ganz nebenbei den Pohlschen Haussegen gerade rückt. Weil der Schlusswettkampf erst im letzten Moment von Frankfurt nach Heidenheim verlegt wurde, gab‘s grünes Licht für ein großes Geburtstagsfest am Tag danach. Sage noch einer, Leistungssport sei nicht familienfreundlich.

Die Turnsaison 2016 in der 2. Bundesliga

Das Turnteam des VfL Kirchheim Sarina Maier, Pia Pohl, Dorothee Henzler, Lory Fröchtling, Lea Voith, Kim Ruoff, Joana Varro, Nele Rüping, Maike Brey Wettkampftermine 7. Mai (Hannover) 29. Oktober (Stuttgart) 12. November (Heidenheim) Die Mannschaften VfL Kirchheim (Vorjahr Platz vier) Heidenheimer SB (Vorjahr Platz zwei) Dresdner SC (Vorjahr Platz fünf) KTG Hannover (Vorjahr Platz drei) SSV Ulm 1846 (Absteiger 1. Bundesliga) KTV Ries (Aufsteiger) TG Breisgau (Aufsteiger) KTV Dortmund (Aufsteiger)

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