Lokalsport

Die SG zelebriert Handball

Drei Jubiläumstage, die nachwirken – TVB schlägt Berliner Füchse mit 31:27

Ein Abend für die Sinne in der Lenninger Sporthalle: Zwei Bundesliga-Teams erfreuten das Auge. Den Dank aufs Ohr brachten 600 lautstarke Handballfans.

Weltmeister Nummer eins: „Mimi“Kraus (links, beim Wurf) war auch in Lenningen der Liebling der Fans. Weltmeister Nummer zwei: Jo
Weltmeister Nummer eins: „Mimi“Kraus (links, beim Wurf) war auch in Lenningen der Liebling der Fans. Weltmeister Nummer zwei: Johannes Bitter zwischen den Pfosten beim TVB.Fotos: Markus Brändli

Lenningen. „Zwei Mannschaften, die alles gegeben haben, was zu diesem frühen Zeitpunkt der Vorbereitung möglich war. Super Stimmung auf den Rängen. Alles in allem ein gelungenes Event“, freute sich Jürgen Lehmann nach dem 31:27-Sieg des TVB Stuttgart gegen die Füchse Berlin. Mit seinen Kontakten hatte der weltweit vernetzte Ex-Handballer maßgeblich dazu beigetragen, dass der sportliche Höhepunkt des 25-jährigen Bestehens der SG Lenningen ein voller Erfolg wurde. Es ging beiderseits engagiert und mit vollem Einsatz zur Sache. Dass sich dabei technische Fehler einschlichen, war dem frühen Zeitpunkt der Saisonvorbereitung geschuldet.

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Bei einem von drei Auftaktspielen zum Esslinger Marktplatzturnier trat der amtierende EHF-Cupsieger mit einer besseren Juniorenauswahl an - notgedrungen. Acht seiner in- und ausländischen Profis, darunter vier Deutsche, bereiten sich zurzeit auf die olympischen Spiele vor. Dass der Nachwuchs in Trikots mit den Namen der Stars wie Drux, Fäth oder Wiede spielten, sorgte für reichlich Verwirrung bei den Zuschauern. Füchse-Sportchef Volker Zerbe entschuldigte sich dafür mit einem Augenzwinkern: „Wir haben halt nicht genug Trikots für alle unsere 40 Spieler.“

Einer der wenigen, bei denen tatsächlich auch drinsteckte, was draufstand, war Petr Stochl. Der polnische Nationaltorhüter erwies sich als der große Rückhalt seiner Mannschaft, brachte die TVB-Werfer oft zur Verzweiflung. Er stellte sogar einen Jogi Bitter auf der Gegenseite in den Schatten. Mit ihm verdienten sich einige seiner jungen Vorderleute ein Sonderlob des isländischen Trainers Erlingur Richardsson.

Bei den Stuttgartern waren alle Augen auf Michael „Mimi“ Kraus gerichtet, dem Neu-Stuttgarter von Frisch Auf Göppingen. Der Weltmeister von 2007 nahm als Spielmacher sofort das Heft in die Hand, glänzte auch als fünffacher Torschütze. Er wurde auch in die Abwehrarbeit eingebunden, was bei seinem Stammverein kaum der Fall war. „Ich weiß nicht, woher das Gerücht stammt, ich könne nicht decken“, wunderte sich Mimi nach seinem gelungenen Auftritt. „Ich fühle mich topfit. Die Mannschaft macht es einem auch leicht, sich zu integrieren.“ Neben Kraus überzeugten in der Schwüle der Halle Simon Baumgarten (5 Tore), Bobby Schagen (5) und Marian Orlowski (3).

Beim TVB fehlte Neu-Trainer Markus Baur – er betreut momentan die DHB-Juniorenauswahl bei der U20-Europameisterschaft in Dänemark. Bis zu seinem Amtsantritt hat die Mannschaft zwei Wochen Zeit, sich zu steigern. Sportchef Jürgen Schweikardt: „Es gibt noch deutliche Schwächen. So haben wir zum Beispiel noch kein spezielles Abwehrverhalten geübt. Aber dafür, dass wir aus dem vollen Training hier angetreten sind, haben wir gegen die Füchse eine gute Leistung gezeigt.“

EM-Schale auf Reise

Ideeller Wert Sie ist aus Silber, nicht mit Edelsteinen besetzt wie der Fußball-Weltpokal, und ihr materieller Wert hält sich in bescheidenen Grenzen – die Schale der European Handball Federation (EHF) für den Gewinn der Europameisterschaft, die HVW-Präsident Hans Artschwager den Fans am Freitagabend in Lenningen präsentierte, kommt vergleichsweise glanzlos daher. Dagegen ist ihr ideeller Wert für den deutschen Handball unbezahlbar. Ein Verlust wäre fatal. Deshalb hat der DHB die Meisterschale gegen Diebstahl versichert. In Lenningen war extra ein Ordner abgestellt, um das gute Stück zu beaufsichtigen. Die Reise geht weiter Eine Speditionsfirma aus Ostfildern hatte die Trophäe zuvor in der DHB-Zentrale in Dortmund abgeholt und bereits gestern zu einem Jugendturnier nach Bottwartal weiter verfrachtet. Eine Trophäe des europäischen Verbands auf der Reise durch die Vereinslandschaft in der Provinz – das gibt es wohl nur im Handball.ks Foto: Brändli