Lokalsport

Die Vereine werden zur Kasse gebeten

Neujahrsempfang Oberbürgermeisterin informiert bei der TG Kirchheim über die Betriebskostenbeteiligung.

Kirchheim. In den Kalendern vieler politischer Mandatsträger sowie Vertretern aus Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Sport ist der Vormittag des Dreikönigstages für den traditionellen Neujahrsempfang der Turngemeinde Kirchheim seit Langem geblockt. Auch in diesem Jahr waren zahlreiche Gäste der TG-Einladung gefolgt – und einigermaßen überrascht über die Grußworte der Vereinsvorsitzenden Silvia Kretzschmar.

Anders als ihr Amtsvorgänger Karl-Heinz Beck in den 1980er- und 1990er-Jahren begab sie sich nicht auf die zu diesen Anlässen gerne genommene „Tour d‘Horizon“, sondern konzentrierte sich auf das in der Turngemeinde seit einiger Zeit allgegenwärtige Thema Flüchtlinge. Sie beschrieb die fortschreitende Integration der in der TG beheimateten Neubürger, die über den Fußballsport auch den gesellschaftlichen Einstieg geschafft hätten, und gab offen zu: „Jede Abschiebung tut weh.“

Die abschließend verlesene Geschichte eines jungen Gambiers, über seine Inhaftierung und Folterung im Heimatland, seine Flucht über den Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger, Libyen und Italien bis nach Kirchheim war alles andere als leichter Stoff und wollte in seiner Dramatik und Tragik nicht so recht in den heiteren Rahmen eines Neujahrsempfangs passen.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bot der TG-Vorsitzenden spontan weitere Hilfe seitens der Verwaltung und des Gemeinderats an: „Und wenn es auch nur ein Schraubenschlüssel ist.“ Kirchheimer Sportthemen wandte sich das Stadtoberhaupt zum Leidwesen so manches lokalsportlich interessierten Zuhörers nur kurz zu. Zum einen der Neustrukturierung der Sportförderung, die künftig zwar von 75 000 Euro auf jährlich 119 000 Euro aufgestockt wird, jedoch nur noch Kinder- und Jugendarbeit sowie kreative Projekte fördern und den Zuschuss für Geschäftsstellen neu strukturieren soll.

Zum anderen schnitt Matt-Heidecker die Nebenkostenbeteiligung der Vereine für die Nutzung von Sporthallen an, die 2013 auf 30 000 Euro festgeschrieben worden war. Nachdem nun alle Betriebskosten der 13 Sporthallen (monatlich 109 000 Euro) und der Sportplätze (33 000 Euro) für die nichtschulische Nutzung bekannt seien und sich die Gesamtsumme auf jährlich 1,7 Millionen Euro belaufe, werden die Vereine künftig mit 1,13 Prozent an den Betriebskosten beteiligt. Matt-Heidecker: „Wir haben damit eine zum jetzigen Zeitpunkt angemessene Lösung für den Sport in unserer Stadt gefunden.“

Dritter Punkt der Oberbürgermeisterin war die Ankündigung, dass nach nun erfolgter Verlängerung der Hallenbadkoopera­tion mit Dettingen im Anschluss an die kommende Sommersaison das Freibad saniert werden solle. Hierzu gehöre die Sanierung des Technikgebäudes sowie der Neubau der Umkleideeinrichtungen, des Personalbereichs, der Sanitärräume, des Kiosks sowie eines Lagers für die Vereine. Die Planung, so Matt-Heidecker abschließend, werde im März dem Gemeinderat vorgelegt.

Hermann Schnizler, Vorsitzender des Kirchheimer Stadtverbandes für Leibesübungen (SfL), bedauerte, dass die Stadtverwaltung aus dem SfL-Antrag auf Erhöhung der Sportförderung eine Neuordnung dieser Förderung gemacht habe und die Nebenkostenbeteiligung auch für Freisportflächen die Vereine weiter belaste. „Mit der beschlossenen Neuordnung ist eine freie Nutzung der Sportflächen endgültig Geschichte“, klagte Schnizler.Helge Waider

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