Lokalsport

Drei Mal um die Erde

Hahnweide-Organisatoren ziehen eine zufriedenstellende Bilanz – Zwei Klassensiege für die Fliegergruppe Wolf Hirth

Ein rundum positives Ergebnis des 49. Hahnweide-Wettbewerbs konnte Wettbewerbsleiter Reinhard Diez bei der Siegerehrung am Samstagabend ziehen: Insgesamt legten die Piloten bei 499 Wertungsflügen nahezu 132 000 Kilometer über Süddeutschland zurück – damit hätten sie die Erde mehr als drei Mal umrunden können.

Der Schlusstag geriet nochmals zum echten Flugtag auf der Hahnweide: Die Segelflieger aller fünf Wertungsklassen hoben ab.Foto:
Der Schlusstag geriet nochmals zum echten Flugtag auf der Hahnweide: Die Segelflieger aller fünf Wertungsklassen hoben ab.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Der letzte Wertungstag am Samstag brachte nochmals richtig Spannung für die Segelflieger. Und viel Bemerkenswertes: Bei schwierigen Wetterbedingungen konnte die in der Rennklasse in Führung liegende Stefanie Mühl (Regensburg) Platz eins ins Ziel fliegen, während Mario Kiessling von der Fliegergruppe Wolf Hirth mit einer starken Aufholjagd den Gesamtsieg in der 18-Meter-Klasse feierte.

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Für den letzten Wertungstag hatte Meteorologe Josef Dahlem durchaus gute Bedingungen vorhergesagt. Dass es am Ende nochmals richtig spannend wurde, dafür sorgten in der Höhe einziehende Wolken, die die Sonne abschirmten und den Thermikmotor vorzeitig abstellten. Viele Piloten reagierten richtig und legten ihren Flugweg an die Nordkante der Schwäbischen Alb und flogen im Hangwind von Aalen kommend zur Hahnweide zurück. Nachdem Dutzende von Schaulustigen an der Ziellinie auf dem Dettinger Buckel nicht mehr mit einem Rückkehrer rechneten, meldeten sich die ersten Heimkehrer im Funk an und tauchten nach und nach aus dem grauen Dunstschleier auf. Unter dem Jubel der Zuschauer überflogen die ersten Piloten die Ziellinie. Unter ihnen war Mario Kiessling als Erster seiner Klasse.

Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Kiessling ein echtes Meisterstück gelungen war. Auf der 430 Kilometer langen Strecke zwischen Donaueschingen und dem bayrischen Eichstätt nahm er dem Zweitplatzierten Jochen Ziegler (Nürtingen) 23 Minuten ab und war damit mehr als zehn km/h schneller als der erste Verfolger. Der bis dahin führende Engländer Russell Cheetham schaffte den Sprung an die Albkante nicht mehr und landete auf einem Feld. Damit zog Kiessling noch am britischen Ex-Weltmeister vorbei.

Mit einer gänzlich anderen Taktik musste Stefanie Mühl, Gesamtführende in der Rennklasse, in den Tag gehen. Auf Platz eins liegend hieß es schnell genug vorzufliegen, ohne ein zu hohes Risiko einer vorzeitigen Außenlandung einzugehen. „Auf dem ersten Streckenabschnitt war ich schon sehr nervös – aber nach und nach habe ich dann meinen Rhythmus gefunden“ meinte die quirlige Regensburgerin nach dem Flug. Zwar war sie um 4 km/h langsamer unterwegs als ihr direkter Verfolger Phil Jones aus England. In der Endabrechnung konnte sie dann dennoch einen knappen Punktvorsprung ins Ziel retten. Mit Tagesplatz drei schob sich Bernd Weber (FG Köngen) noch auf Platz drei in der Endabrechnung vor.

Etwas anders war die Situation in der Standardklasse. Hier flogen die Brüder Enrique und Felipe Levin (LSC Bad Homburg) einen sicheren Doppelsieg nach Hause. Sie hatten die Führung am vierten Wertungsflug übernommen und nicht mehr abgegeben. Auf Platz fünf in dieser Klasse landete der Japaner Makoto Ichikawa.

Das Podium in der offenen Klasse war sehr international besetzt. Jim Acketoft aus Schweden hatte hier die Nase knapp vor dem französischen Piloten Kilian Walbrou. Beide Youngster hatten sich einen engen Fight um Platz eins geliefert. Markus Frank (Aalen) machte das Podium der Klasse komplett. Während der Schwede Acketoft die Führung nicht mehr abgab, wechselte diese in der Doppelsitzerklasse mit dem letzten Wertungsflug.

Nur zwei Teams schafften im grauen Wetterallerlei den schwierigen Weg nach Hause: Team Gall/Fröschle und Lutz/Janowitsch. Letztere zogen damit dann noch am Team Koster/Theisinger vorbei auf Platz eins. Holger Karow/Hartmud Lodes/Uli Schwenk (Fliegergruppe Wolf Hirth), vorher als einer der Topfavoriten gehandelt, finishten auf Platz 13. Mit Andreas Lutz und Mario Kiessling stellt die Fliegergruppe Wolf Hirth zwei der fünf Sieger in diesem Jahr.