Lokalsport

Dunkle Wolken über dem Sportkreis

Mitgliederrückgang und wenig Fördergelder

Vieles läuft vorbildlich im Sportkreis Esslingen, doch Handlungsbedarf gibt es auch: Quintessenz des Kreistages in Nürtingen. Der Zuspruch der Vereine hielt sich stark in Grenzen. Moniert wurde die dürftige finanzielle Unterstützung durch den Landkreis. Grund zur Sorge gibt auch die rückläufige Mitgliederentwicklung.

Nürtingen. Wer Bilanz zieht, muss ab und an deutliche Worte gebrauchen. Nicht anders war es im Vereinsheim der TG Nürtingen, diesmal Gastgeber beim im Zweijahrestakt stattfindenden Treffen der führenden Vereinsfunktionäre. Zwar wusste der Sportkreisvorsitzende Kurt Ostwald allerhand Positives zu vermelden, doch die rosa Wölkchen verfärbten sich schnell ins Dunkle. Denn: Nicht einmal 30 Vereinsvertreter folgten dem Ruf des Vorsitzenden. Der nahm die schwache Resonanz mit Galgenhumor. „An den Tischen ist durchaus noch Platz frei“, meinte Ostwald knitz, „aber wenn es um Zuschüsse geht, stehen immer alle Türen sofort offen.“

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Wenn’s ums Geld geht, hört bekanntlich der Spaß auf. Und zu den Spaßbremsen aus Sicht des Sportkreises gehört der Landkreis. Seit 2004 ist der Geldfluss versiegt, bis auf absolut zweckgebundene Zuschüsse für den Jugendbereich. „In diesen rund zwölf Jahren haben wir jedoch viele neue Aufgaben übernommen“, monierte Sportkreis-Vorstandsmitglied Margot Kemmler.

Nicht wesentlich rosiger sind die Perspektiven, was die Mitgliederentwicklung angeht. Ein Minus von rund 2 000 Personen, gerechnet von 1. Januar 2014 bis zum 18. Februar 2016, weist die Statistik für den Sportkreis aus. Mit rund 152 000 Mitgliedern ist er allerdings immerhin die Nummer drei in der Mitgliederstatistik des Württembergischen Landessportbundes (WLSB).

Mitgliederstärkster Verein bleibt unangefochten der VfL Kirchheim (3 670 Mitglieder) vor dem TV Nellingen (2 960) und der TG Nürtingen (2 800), Zweifel bleiben, ob auch beim kommenden Sportkreistag in zwei Jahren solch beeindruckende Zahlen kursieren werden. Warner bezüglich der weiteren Entwicklung fanden sich in der Neckarau genug. So merkte Vizepräsident Felchle an, dass man aufpassen müsse, „dass der Vereinssport vor lauter anderen gesellschaftlichen Herausforderungen irgendwann nicht mehr da ist“. Man müsse noch entschlossener „die Faszination an der Bewegung, am Wettbewerb, vermitteln“.

Der Tübinger Professor Dr. Ansgar Thiel konnte in seinem lebendigen Gastreferat zum Thema alternde Gesellschaft diesbezüglich keine Entwarnung geben. Zwar würden die Deutschen immer älter, hätten auch Lust auf Sport, doch gerade die Altersgruppe der über 50-Jährigen tendiere zu einem individuellen Training außerhalb von Vereinen. Zu den großen Aufgaben zähle es deshalb, diese Altersgruppe mit flexiblen Angeboten wieder stärker an Vereine zu binden.

Eine Fülle von Aufgaben wartet angesichts eines solchen Wandels somit auch auf das Führungsteam des Sportkreises Esslingen. An der Spitze bleibt Kurt Ostwald – ebenso wie alle anderen zur Wahl stehenden Vorstandsmitglieder wurde er einstimmig bestätigt.

Mit dem Einbinden des ehemaligen Handball-Profis Daniel Brack hat der Sportkreisvorstand einen Coup gelandet und nicht nur einen Verjüngungsprozess eingeleitet, sondern auch Fachkompetenz hinzugeholt. Brack, Sportler und Lehrer, folgt auf die Pädagogin Regina Hopp, die 19 Jahre Bindeglied zwischen Schulen und Vereinen war und für ihr Wirken per Applaus und Blumenstrauß verabschiedet wurde.