Lokalsport

Durchs Gelände auf dem Weg nach oben

Die 16-jährige Johanna Zantop aus Hepsisau ist ein viel beachtetes Talent im Vielseitigkeitsreiten

Die schwierige Zeit der Pubertät sei bei ihrer Tochter so gut wie ausgefallen, sagt Cordula Zantop. Das habe vor allem mit ihrem Sport zu tun, dem sie ihre ganze Freizeit widmet. Die 16-jährige Johanna Zantop vom RFV Weilheim betreibt das Vielseitigkeitsreiten so intensiv und erfolgreich, dass sogar Doppel-Olympiasieger und Weltmeister Michael Jung ihre Karriere aufmerksam verfolgt.

Ein erfolgreiches Gespann: Johanna Zantop und Sanatana‘s Boy.Foto: Deniz Calagan
Ein erfolgreiches Gespann: Johanna Zantop und Sanatana‘s Boy.Foto: Deniz Calagan

Weilheim. Der „König der Buschreiter“ aus Altheim bei Horb traf bei internationalen Wettbewerben in Altensteig und Radolfzell, die er beide gewann, zweimal auf die junge Dame aus Hepsisau. Sein Urteil: „Sie ist talentiert und auf einem guten Weg nach oben.“ Das hat sich sogar schon bis Warendorf herumgesprochen. Bundestrainer Rüdiger Schwarz erkundigte sich kürzlich bei Michaels Vater Joachim Jung, einst selber dreifacher Landesmeister im Vielseitigkeitsreiten und heute Nachwuchstrainer, über das Talent. Jungs Auskünfte müssen sehr positiv gewesen sein, denn unmittelbar danach wurde Johanna offiziell für die deutsche Jugendmeisterschaft von 11. bis 14. Juni in Kreuth nominiert.

Klein-Johanna ritt bereits im Alter von vier Jahren selbstständig an der Seite der Mutter, einer Hobbyreiterin. „Wir waren damals die Sensation“, sagt Cordula Zantop und lacht. Reiten wurde zu Johannas großer Leidenschaft, der sie sich im Laufe der Jahre mit Hingabe und Feuereifer widmete. Weil sie am liebsten durchs Gelände prescht, hat sie sich für die Disziplin Vielseitigkeit entschieden. Ihr vierbeiniger Partner ist ein zehnjähriger Wallach aus baden-württembergischer Zucht. Gemeinsam mit einem Dressurpferd steht „Santana‘s Boy“ in einem Privatstall in Albershausen zur Miete.

Die Vielseitigkeit, früher als „Military“ bekannt, ist der Triathlon der Reiterei und deshalb sehr trainingsintensiv und zeitaufwendig. „Mein Mann und ich sind beide berufstätig. Deshalb haben wir uns bei Johanna für die Merz-Schule in Stuttgart mit Ganztagsbetreuung entschieden. Wenn sie zurückkommt, geht sie gleich in den Stall oder zum Konditionstraining. Vor halb neun oder neun ist sie meistens nicht zu Hause“, berichtet ihre Mutter. Sie ist erleichtert und froh, dass die Tochter trotz der Belastung in der Schule gute Noten schreibt.

Als Mehrkämpfer des Pferdesports muss Johanna sowohl im Dressurviereck als auch im Geländecross und im Springparcours ihr Handwerk beherrschen. Die Dressur, Auftakt einer Vielseitigkeitsprüfung, ist nicht unbedingt ihre Lieblingsdisziplin. Aber weil das bei den anderen „Buschis“ nicht anders ist und viele Wettbewerbe schon in der Dressur entschieden werden, schenkt sie gerade dieser Disziplin besondere Aufmerksamkeit. Vor der Jugendmeisterschaft hat sich Johanna zu einem intensiven Dressurtraining bei der renommierten Ausbilderin Karin Hess-Müller in Schwäbisch Gmünd – sie war übrigens die Züchterin von „Santana‘s Boy“ – angemeldet.

Im Wettkampf wird das Dressurergebnis nach Fehlerpunkten berechnet. Hinzu kommen Hindernis- und Zeitfehler aus Gelände und Springen. Es gewinnt das Paar, das nach allen drei Teildisziplinen die geringste Fehlerpunktzahl aufzuweisen hat. Als Johanna kürzlich in Radolfzell unter 76 Teilnehmern starke Siebte wurde, standen für sie zum Beispiel 43,5 Fehlerpunkte in der Dressur, null im Geländeritt und vier nach einem Abwurf im Springen insgesamt 48,5 Strafpunkte zu Buche.

Johanna Zantop ist mit viel Spaß, aber auch mit großem Ehrgeiz bei der Sache. Für die bevorstehende Jugendmeisterschaft der bis zu 18-Jährigen in Kreuth hat sie ein unbescheidenes Ziel: „Ich will deutsche Meisterin werden.“

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