Lokalsport

„Dutt hat alles falsch gemacht“

Ex-Profi und VfB-Insider Buffy Ettmayer fordert den großen Kehraus beim Bundesliga-Absteiger

Johann „Buffy“ Ettmayer wohnt in Notzingen und ist 1975 mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen. Er macht sich seine eigenen Gedanken über das Desaster am Wasen.

Immer ein Ohr an „seinem“ VfB: Buffy Ettmayer ist bekannt für klare Kante.Foto: Carsten Riedl
Immer ein Ohr an „seinem“ VfB: Buffy Ettmayer ist bekannt für klare Kante.Foto: Carsten Riedl

Der Stuttgarter Fußball ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Dreifach-Abstieg von VfB und Kickers. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Ettmayer: Noch nie. Das ist brutal. Tödlich fürs schwäbische Fußballherz.

Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange, die ersten Köpfe gerollt, Präsident Bernd Wahler zurückgetreten, Trainer Jürgen Kramny von der Bundes- in die Regionalliga zurückversetzt. Die richtigen Maßnahmen?

Ettmayer: Wenn Wahler nicht zurückgetreten wäre, hätten sie ihn zurückgetreten. So hat er wenigstens Charakter gezeigt. Kramny hat noch nie eine große Mannschaft trainiert. Er war überfordert.

Auch Robin Dutt ist seinen Job seit gestern los. Viele geben dem Sportdirektor die Hauptschuld. Lothar Matthäus sagte im Interview, eigentlich hätte schon an dem Tag, an dem sie Zorniger hinauswarfen, auch Dutt gehen müssen. Hat er recht?

Ettmayer: Dutt hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Er hat Zorniger installiert, der mit seinem alternativlosen System gescheitert ist. Beim Trainer hätte Dutt schneller die Reißleine ziehen müssen. Der von ihm zusammengestellte Kader war nicht bundesligareif. Besonders die Abwehr, die bei 75 Gegentoren diesen Namen nicht verdiente.

Dutt kämpfte bis zuletzt um seinen Job. In der Trainerfrage übernahm er zwar die Verantwortung. Aber die falsche Kaderplanung sei Sache des Scoutings gewesen, verteidigte er sich. Er sagte auch, der Abstieg ist das Produkt der Abwärtsentwicklung in den letzten vier, fünf Jahren. Kann man das so sehen?

Ettmayer: Es stimmt, dass es nach dem Titel 2007 unter wechselnder Führung stetig abwärts ging. Aber als letzter Verantwortlicher hat auch Dutt versagt. Im Zusammenhang mit seiner Person fällt mir wirklich nichts Positives ein.

Der Sportdirektor hat einen Vertrag bis 2018. Der Rauswurf wird den VfB wohl teuer zu stehen kommen.

Ettmayer: In der Tat. Ich habe gehört, er soll zwischen 800 000 Euro und einer Million verdient haben. Trotzdem: Lieber in diesen sauren Apfel beißen, als ein weiteres Absacken zu riskieren.

Glauben Sie an einen sofortigen Wiederaufstieg?

Ettmayer: Das wird ein ganz schwieriges Unterfangen. Zumal der Abstieg eine Einbuße von rund 40 Millionen Euro bedeutet. Die zweite Liga ist bärenstark, die Konkurrenz riesengroß. Elf Vereine waren schon mal in der Bundesliga. Alle wollen wieder dorthin.

Wem würden Sie denn zutrauen, den VfB sofort wieder nach oben zu führen? Jos Luhukay soll es wohl richten.

Ettmayer: Ich hätte André Breitenreiter als Trainer und Horst Heldt als Manager geholt. Breitenreiter kennt die zweite Liga, ist im vergangenen Jahr mit Paderborn aufgestiegen. Heldt war schon mal in Stuttgart, ist mit den Verhältnissen vertraut. Beide haben in Schalke dazugelernt.

Fällt die Mannschaft auseinander?

Ettmayer: Das ist zu befürchten. Didavi ist schon weg. Kostic, Harnik, Werner und weitere werden gehen. Ich glaube auch Ginczek, obwohl er sein Bleiben zugesagt hat. Das war nämlich vor einigen Wochen, als noch Aussicht auf Rettung bestand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich wirklich die zweite Liga antut.

Ist genug sportliche Kompetenz in den Vereinsgremien?

Ettmayer: Definitiv nicht. Wenn einer wie Guido Buchwald als Weltmeister, Ehrenspielführer und Mitglied des Ehrenrats sagt, er werde von den Entscheidungen nur informiert, dann ist das doch kaum zu glauben.

Sie waren bei jedem Heimspiel Stammgast im Stadion. Auch in der zweiten Liga?

Ettmayer: Das weiß ich noch nicht. Vielleicht kümmere ich mich um meine zwei Enkel und gucke Sky. Ich sehe Bayern lieber als Heidenheim.

Johann „Buffy“ Ettmayer (69) spielte von 1971 bis zum Abstieg 1975 im Trikot des VfB Stuttgart. Er erzielte in 97 Bundesligaspielen 34 Tore für die Stuttgarter. Der gebürtige Wiener begann seine Karriere 1963 bei Austria Wien. Für Österreich bestritt er zwischen 1968 und 1975 insgesamt 30 A-Länderspiele. Seine Laufbahn als Spieler beendete er 1983 beim SV Göppingen. Ettmayer wohnt in Notzingen.

Anzeige