Lokalsport

Eckfahnen-Fete mit Folgen​

Spielabbruch in Notzingen: Warum der Schiedsrichter zur Pfeife griff, ist unklar

Das Notzinger „Abbruchspiel“ letzten Sonntag wird in der Kreisliga B-Staffel 6 zum Sportpolitikum. Noch fehlt das klare Schiedsrichter-Motiv.

Soeben ist das 3:1 gefallen: Die TG-Fans setzen zum Jubeln an.Foto:Christian Schlienz
Soeben ist das 3:1 gefallen: Die TG-Fans setzen zum Jubeln an.Foto:Christian Schlienz

Notzingen/Kirchheim. Am Tag danach rätselte Sabrina Wohlleben noch immer. Die Betreuerin der TG Kirchheim konnte sich keinen Reim darauf machen, weshalb Schiedsrichter Tobias Schäfer das Kreisliga B-Spitzenspiel beim TSV Notzingen kurz nach dem 3:1-Führungstreffer der TG (75. Minute) abgebrochen hatte. Zuvor hatten die TG-Spieler über den Freistoßtreffer lauthals gejubelt, waren zur Eckfahne gelaufen, hatten die im Eifer des Gefechts geknickt – und gut drei Dutzend Fans hatten den winkenden Auswärtssieg überschwänglich mitgefeiert. Die Szene war hochemotional und unübersichtlich. „Aber für den Schiedsrichter gab es keinen einzigen Grund, sich bedroht zu fühlen“, wiederholte Wohlleben ihre Sicht der Dinge. Bereits am Spieltag hatte sie Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Unparteiischen-Entscheidung geäußert.

Was den Schiedsrichter auf dem Kunstrasen im Eichert en detail dazu genötigt hatte, die Torjubel-Orgie der Kirchheimer Gambier-Truppe zu unterbinden, ist offen. Sowohl TSV Notzingen als auch TG Kirchheim grübelten am Montag weiter über die Motivlage. Fühlte sich der Schiedsrichter angegangen, bedroht oder beleidigt – so so wie sein Kollege Ismail Yayvan eine Woche zuvor beim Bezirksliga-Spiel zwischen dem TV Nellingen und dem FV Neuhausen? Damals hatten einzelne Zuschauer während des Spiels öfters in Richtung Referee gepöbelt – und der die Partie danach abgebrochen. Doch nennenswerte Anfeindungen von außen gab es in Notzingen laut Augenzeugen nicht. Und das, obwohl die Partie ziemlich hart war und Unmengen strittiger Entscheidungen nach sich zog. Wobei Spielleiter Schäfer nicht den souveränsten Eindruck machte.

Siehe die Spielszene, die zum 3:1 für die Turngemeinde führte: Da nahm der Unparteiische einen nach Strafstoß-Tackling zugesprochenen Elfmeter für die TG Kirchheim nach Diskussionen mit TSVN-Spielern wieder zurück und entschied stattdessen auf Freistoß. Als der zum Tor führte und die schwarzhäutige Gäste-Truppe samt ebensolcher Kollegenschar den vermeintlichen Siegtreffer nicht ohne Häme gemeinsam an der Eckfahne zelebrieren wollten, begann ein Fußballeklat im Eichert, wie „ich es noch nie erlebt habe“, wie TSVN-Spielertrainer Michael Panknin sagte.

Augenzeuge Christian Schlienz stand auf dem Spielfeld, als die Dinge ihren Lauf nahmen. „Erst haben sich die Spieler beider Mannschaften angeschrien, dann sind die TG-Akteure Richtung Eckfahne gerannt und haben dort gejubelt. Ihre Fans sind ebenfalls aufs Spielfeld gelaufen und haben mitgefeiert“, berichtet der freie Sportfotograf. Er sah, wie die Disziplinierungsversuche der TG-Betreuerin verpufften: Die Schwarzafrikaner feierten, als ob sie gerade Meister geworden wären.

Doch sie und Fans feierten entgegen dem gültigen Regelwerk. Der Grund für den Spielabbruch? Der Spielbericht mit Sondereintrag von Schiedsrichter Schäfer, bisher noch unter Verschluss und bestenfalls dem Esslinger Schiedsrichter-Obmann Hardy Wolf vorliegend, wird es endgültig weisen. Noch ist der Schiri-Bericht ein Geheimnis, demnächst ist er die Urteils-Grundlage für den Sportgerichtsvorsitzenden Siegfried Bippus.

Dessen Bewertung wird spannend.

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