Lokalsport

Ein Boom auf dünnem Eis

Matthias Schmied ist seit seinem 15. Lebensjahr Trainer beim VfB Neuffen. Seit rund einem Jahrzehnt coacht der 32-Jährige zudem weibliche Fußballmannschaften.

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Herr Schmied, wie macht sich die Krise im Frauenfußball für Sie konkret bemerkbar?

Matthias Schmied: Ganz konkret heißt dies, dass wir in der kommenden Saison in der Bezirksliga nur noch in einer Neunerstaffel spielen, in der vergangenen Runde waren es noch 14 Teams. Wir werden deutlich weniger Punktspiele haben, der Outdoor-Spielbetrieb ruht von Ende November bis Ende März. In diesem Zeitraum steht die Hallenrunde an. Das ist der Sache nicht dienlich und ein Stück weit frustrierend.

Wie erleben Sie die Probleme in Ihrem Verein?

Beim VfB Neuffen haben wir aktuell immer noch ein ausreichendes Potenzial an Fußballerinnen im Aktivenbereich. Der Spielbetrieb ist auch über die kommende Saison hinaus gesichert. Was Sorgen macht, ist der Unterbau. Wir können in der kommenden Spielzeit keine Juniorinnenmannschaft zum Spielbetrieb anmelden. Bei uns gibt es, wie in vielen anderen Vereinen auch, kaum noch Mädchen, die neu hinzukommen. Wir haben vor einigen Wochen eine Art Hilferuf an andere Vereine der Region gestartet, um wenigstens ein Mädchenteam zusammenzubekommen. Von den anderen Klubs gab es mangels Spielerinnen allerdings nur Absagen. Offen ausgesprochen heißt das: Der Boom im Frauenfußball flaut ab - die Geschwindigkeit hierbei nimmt zu.

Wie steuern Sie im Verein gegen?

Gegensteuern ist schwierig. Wir merken, dass die Begeisterung und der Schwung bei Mädchen und Frauen, selbst Fußball zu spielen, offenbar abnimmt. Werbeaktionen im Verein, Flyer oder Infos in Schulen bleiben ohne Wirkung. Wir hatten zur Männer-WM 2006 in Deutschland einen extremen Hype, der auch viele Mädchen und Frauen veranlasste, mit dem Fußballspielen anzufangen. Die Frauen-WM 2011 brachte nochmals neue Impulse. Doch jetzt merken wir, auf welch dünnes Eis dieser Boom gebaut war.

Woran liegt es also?

Schwer zu sagen. Die Interessen der jungen Frauen und Mädchen haben sich offenbar gewandelt. Die Beispiele aus Faurndau mit dem Rückzug des Oberligateams vor einem Jahr sowie die Problem beim Aushängeschild Sindelfingen zeigen allerdings auch deutlich, dass der Frauenfußball auf vielen Ebenen in einer Krise steckt.

Was wird in zehn Jahren sein?

Der Abwärtstrend muss gestoppt werden, sonst sehe ich schwarz. Eine Prognose möchte ich nicht abgeben. Die Hoffnung bleibt aber, dass wir uns zumindest auf einem schwächeren Niveau stabilisieren. Reimund Elbe