Lokalsport

Ein Erfolg, der verpflichtet

VfL-Fußballer analysieren Bezirksligaaufstieg – Andreas Elsässer kommt

Auf die Meisterfeier folgt die Analyse: Nachdem die VfL-Fußballer am Sonntag bis in die Puppen den vorzeitigen Bezirksliga-Aufstieg feierten, ziehen die Verantwortlichen Bilanz.

Kirchheim. Um 23 Uhr zog Markus Schweizer die Reißleine. Während seine Mannschaft im Wachthaus noch ausgelassen die Rückkehr in die Bezirksliga feierte, machte sich der VfL-Spielertrainer vorgestern Abend lieber auf den Heimweg gen Deggingen. „Ich musste Montag arbeiten“, verriet der Polizeihauptmeister, der sich seit Sonntag Meistermacher nennen darf. Kurios: Vergangenen Mittwoch hätte er in der Sportschule Ruit seine frisch erworbene Trainer-B-Lizenz eigentlich aus den Händen des bis dato letzten VfL-Aufstiegscoachs erhalten sollen. Doch Verbandssportlehrer Michael Rentschler, unter dem die Blauen 2007 in die Oberliga aufstiegen, war verhindert. „Das wäre eine witzige Geschichte gewesen“, so Schweizer.

Grämen muss sich der 30-Jährige deswegen nicht, im Gegenteil. Nach dem bitteren Relegations-Knock-out gegen Oberesslingen vor einem Jahr hat Schweizer die Mannschaft wieder aufgerichtet und zu einer mehr oder weniger ungefährdeten Meisterschaft geführt – Kritiker monieren, dass dies angesichts des top besetzten Kaders keine Kunst gewesen sei. Fans kontern, dass man eine mit gestandenen Landesliga- und Bezirksliga-Cracks sowie eigenen Jungtalenten gespickte Truppe erst einmal in den Griff bekommen muss.

Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Unterm Strich gibt der Erfolg nicht nur Schweizer recht, sondern auch dem Mann, der ihn vor anderthalb Jahren an die Jesinger Allee lotste: Oliver Klingler hat das VfL-Flaggschiff als gewählter Abteilungsleiter gemeinsam mit seinen Mitstreitern Armin Meißner, Karl Magg und Claus Maier wieder flottgemacht und setzt bereits Segel: Spätestens übernächstes Jahr will der VfL an der Tür zur Landesliga anklopfen. Der jüngste Erfolg bei den Aktiven verpflichtet: Zu genau weiß Klingler, der bekanntlich auch die Kirchheimer A-Junioren trainiert, dass Talente Perspektive brauchen. Zum Vergleich: Kommende Saison wird der VfL Kirchheim von allen U 19-Verbandsstaffelteams die einzige Mannschaft stellen, deren Aktive nicht in der Landesliga oder höher spielen.

Wie verführerisch die Verlockungen höherer Weihen für junge Spieler sind, müssen die Kirchheimer ganz aktuell erleben: Mittelfeldrenner Marc Djorovic wechselt zum Oberliga-Anwärter SV Göppingen, Keeper Raphael Maskow schließt sich dem TSV Weilheim an. Dafür haben die Eigengewächse Dominik Cseri (Flügel), Lukas Kicherer (Stürmer), Jannik Raichle (Verteidiger) und Alex Schweiger (Torwart) ihr Bleiben zugesagt.

Dass es ohne den eigenen Nachwuchs für die Kreisligakicker schwer(er) gewesen wäre, Meister zu werden, liegt nicht nur für außenstehende Beobachter auf der Hand. „Die A-Junioren haben uns gut unterstützt und letzten Endes auch gerettet“, analysiert Routinier Kai Hörsting, der vor seiner langwierigen Fersenverletzung die Kapitänsbinde bei den Blauen trug und bereits der kommenden Bezirksligasaison entgegenfiebert. „Auch wenn es komisch klingt, werden wir uns dort leichter tun, da die Gegner mitspielen und sich nicht nur hinten reinstellen werden. Das kommt uns entgegen“, glaubt Hörsting.

Wie Markus Schweizer verabschiedete sich auch der langjährige Weilheimer Landesligakicker am Sonntag übrigens vorzeitig von der Meisterfeier im Wachthaus. Hörsting musste Montagmorgen am Rottweiler Aufzugstestturm seinen Dienst als Bauingenieur antreten – Spielertrainer und Sturmtank können ihr Partydefizit jedoch bald ausgleichen. Mittwoch kommender Woche steigt die offizielle Aufstiegsfete im Ochsengässle, tags drauf fliegt der VfL-Tross bis Montagfrüh nach Mallorca. „Die Architektur dort ist immer eine Reise wert“, witzelt Markus Schweizer, der bei aller feucht-fröhlichen Stimmung auch nachdenkliche Töne anschlägt. „Die Strukturen beim VfL müssen Stück für Stück weiterwachsen. Das gilt auch für das Team hinter dem Team.“

Dabei scheinen die Verantwortlichen mit ihren Bemühungen auf einem guten Weg: Gestern gab der VfL die Verpflichtung von Andreas Elsässer bekannt. Der 24-Jährige, nach Stationen beim TSV Weilheim und SV Ebersbach zuletzt beim TSV Jesingen aktiv, gilt als Wunschspieler von Markus Schweizer („Als Sechser kann er unser Spiel künftig steuern“), der zum Vorbereitungsstart am 9. Juli auch einen neuen Stürmer an der Jesinger Allee begrüßen darf: Benedikt Petzet wechselt vom Bezirksligisten FC Rechberghausen unter die Teck. Mit weiteren Neuzugängen werden noch diese Woche Gespräche geführt. Das gilt auch für die Spieler des bestehenden Kaders.

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