Lokalsport

Ein Fisch auf dem TrockenenEin Fisch auf dem Trockenen

Manuel Halbisch vom VfL Kirchheim zählt im Wasserspringen und im Turnen zu den BestenManuel Halbisch vom VfL Kirchheim zählt im Wasserspringen und im Turnen zu den Besten

Acht deutsche Titel hat er schon. Bei den nationalen Jugendmeisterschaften der Turner in Wernau gilt Manuel Halbisch trotzdem nicht als Favorit.

Sorgfältiges Aufwärmen vor dem Training in der Kirchheimer Raunersporthalle. Zu welchen Zeiten er trainiert, bestimmt Manuel Hal
Sorgfältiges Aufwärmen vor dem Training in der Kirchheimer Raunersporthalle. Zu welchen Zeiten er trainiert, bestimmt Manuel Halbisch selbst. Für ihn heißt es, zwei zeitintensive Sportarten unter einen Hut zu bringen.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Er kann es nicht lassen. Weder das eine, noch das andere. Sieben Tage hat seine Trainingswoche, Wettkämpfe noch gar nicht mitgerechnet. Wer so viel investiert, muss keine Konkurrenz fürchten, sollte man meinen. Falsch: Die nationale Spitze ist für Manuel Hal­bisch mehr als eine Armlänge entfernt. Die deutschen Jugendmeisterschaften im Turnen am Wochenende in Wernau sind seine zweiten und gleichzeitig letzten, bevor er altershalber in die Männerklasse wechselt. Nach Mehrkampf-Platz 15 im Vorjahr hofft der amtierende Landesmeister der Junioren diesmal auf seine Chance im Kampf um den Einzug ins Sprungfinale. Sollte es klappen, will er unter die besten fünf.

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Das Turnen ist für den 18-Jährigen im Dress des VfL Kirchheim seine zweite große Liebe. Den größeren Erfolg hat er bisher im Wasserspringen gefeiert – als achtfacher deutscher Jugendmeister des VfL Waiblingen. Wasser hat zwar keine Balken, aber auch diese Disziplin Grenzen für den Allrounder aus Baltmannsweiler. Um vom deutschen Meistertitel träumen zu dürfen oder einem Ticket für Olympia, müsste er besser sein als die beiden besten Deutschen, an denen in diesem Sport zurzeit kein Weg vorbeiführt. Wenn Sascha Klein und Pat­rick Hausding eines Tages etwas fürchten sollten, dann werden es vermutlich Spezialisten sein und keine Multitalente, so wie er. Sich auf eine Disziplin zu konzentrieren, kam für Manuel Halbisch trotzdem nicht infrage. „Ich würde nie das eine für das andere aufgeben“, sagt er. Deshalb hat er sich fürs Bleiben entschieden, als es vor drei Jahren darum ging, ans Leistungszentrum der Wasserspringer nach Dresden zu wechseln.

Ein Leben mit dem Sport und für den Sport, die Freude an vielfältiger Bewegung zählen für ihn mehr als allein der Erfolg. Er ist ein ebenso begeisterter wie talentierter Skifahrer, und wenn er einkaufen geht, schlängelt er sich tütenbepackt auf seinem Longboard durch die Gassen. Mit dem Sport ist er aufgewachsen, seit er als Siebenjähriger seinen ersten Wettkampf bestritt. In einer Großfamilie, in der drei Generationen unter einem Dach leben und der Bewegungsdrang genetisch angelegt ist. Drei der vier Geschwister turnen, der ältere Bruder spielt American Football bei den Crusaders in Albershausen. Seit 2009 turnt Manuel Halbisch für den VfL Kirchheim. Mit der zweiten Mannschaft hat er den Aufstieg in die Oberliga gefeiert und vor zwei Jahren sein Debüt in der dritten Liga gegeben. Dort kommt er bisher fast ausschließlich am Sprungtisch zum Einsatz. Seiner Paradedisziplin, wen wundert‘s. Als Wasserspringer sind Salti und Schrauben sein Metier. Orientierungsvermögen, das Gespür für das richtige Timing, darin investiert er mehr Arbeit als die meisten anderen. Turnerisches Neuland erkunden wie beim viereinhalbfachen Salto. In der Halle wird dies trotz „Schnitzelgrube“ zur Mutprobe. Gegen die Schranke im Kopf hilft bei ihm der Blick aufs Wasser. „An die Grenze zu gehen, fällt hier leichter“, sagt Manuel Halbisch.

Freiheit ist ihm wichtig, und beim VfL gewährt man sie ihm. Seine Trainingszeiten plant er selbstständig. Seit der bestandenen Abiturprüfung im Frühjahr bleibt etwas mehr Zeit für andere Dinge. Während für viele Gleichaltrige nach dem Abi der Party-Marathon beginnt, hat er das nächste Ziel im Visier: Im Maggiatal im schweizerischen Tessin treffen sich einmal im Jahr die besten Klippenspringer Europas, um sich von einem Felsvorsprung aus schwindelnder Höhe möglichst kunstvoll in ein Flussbecken zu stürzen. Mit einem Trainingspartner hat er sich per Video für die EM Ende Juli beworben und kam an. Für ihn eine weitere Premiere. Bloß keine Schubladen – das Motto eines 18-Jährigen, den keiner so recht zu fassen kriegt.