Lokalsport

Ein großer Auftritt für einen kleinen Weilheimer

November 2010, Hexenkessel Schleyer-Halle: Auf der Tribüne sitzt ein Vierjähriger, schaut zusammen mit seinem Vater mit Tausenden beim spektakulären ADAC Supercross zu. Nach einer Weile weiß der Kleine, was Sache ist. „Papa, hier werde ich auch mal fahren“, verkündet der kaum einen Meter große Jungspund seinem schmunzelnden Vater.

Der Sohn hält Wort. Am heutigen Samstag wird der Weilheimer Luca Röhner mit rund einem Dutzend Altersgenossen an der Startmaschine in einer proppenvollen Schleyer-Halle stehen – nicht zufällig. „Die Teilnehmer in der Rennklasse SX4 haben sich durch gute Leistungen in der baden-württembergischen Motocross-Meisterschaft einen Platz gesichert“, erläutert Ilona Übelhör, Organisationsleiterin des Events.

Am Weilheimer Nachwuchs-Crosser führte dabei kein Weg vorbei, denn über 50 Pokale stapeln sich schon in seinem Zimmer. Der Realschüler wird 2017 bereits in seine siebte Motocross-Saison gehen. „Talent und Ehrgeiz hat Luca schon immer gehabt“, erinnert sich seine Mutter, Alexandra Röhner. Im Alter von knapp zwei Jahren sei der kleine Bub mit lautem „Brumm, Brumm“ durch Weilheimer Gässchen geflitzt, habe jeden Bordstein zum Schanzen genutzt. Zum fünften Geburtstag stand sein erstes eigenes Motorrad, eine Honda QR50, vor der Tür. Wenige Wochen später fuhr das damalige Kindergartenkind sein erstes Rennen.

2012 der nächste Schritt: Luca wechselte zum renommierten 1. RMC Reutlingen, einem Verein mit großer Affinität zum Motocross-Sport und einer sogar für Weltmeisterschaften tauglichen Rennstrecke. Unterstützt vom vielseitigen Vater, der als Trainer, Mechaniker und Mentor fungiert, folgte der Sprung in die ADAC BW-Cup-Serie. Seit über drei Jahren wird Luca zudem vom im Lenninger Tal ansässigen „marXparts MX+SX Racing Team“ unterstützt und gesponsert. Als Vizemeister in der 50-ccm-Klasse wurde der Schüler vor zwei Jahren ins ADAC MX-Team Württemberg berufen. Beim Bundesfinale ließ er mit Platz sechs aufhorchen.

Dies war noch gar nichts zum Triumph ein Jahr später: Zunächst wurde er baden-württembergischer Meister, beim Bundesendlauf in Berlin folgte die deutsche Vizemeisterschaft. In diesem Jahr lief es für Luca Röhner im 65-ccm-Premierenjahr nach diversen Anlaufschwierigkeiten beeindruckend: Die letzten vier Rennen seiner Rookie-Saison gewann der Weilheimer allesamt, finishte im regionalen BW-Cup auf dem fünften Platz. Die erneute Teilnahme am ADAC-Bundesendlauf war perfekt. In Grevenbroich fuhr er auf einer technisch anspruchsvollen Sandstrecke auf Platz acht, war damit bester Württemberger.

Die letzten Tage vor dem großen Auftritt des kleinen Weilheimers sind nicht wie alle anderen. So hat sich SWR-Radioredakteur Thomas Schilling zum Interview angesagt, die Aufregung wächst. Vater Martin Röhner genießt den Augenblick. „Luca fährt immer mit Bedacht, voll konzentriert, mit Spaß und Liebe zum Motocross“.

Der gute Rat des Vaters („Kopf einschalten und die richtige Technik anwenden“) vor dem Rennen am Samstagabend um 20.15 Uhr vor über 7 000 Zuschauern und zig Fernsehkameras ist erteilt. Luca, der unter anderem auch gerne per Mountainbike und Ski sportlich unterwegs ist, zählt bereits die Stunden bis zum wilden Ritt im Hexenkessel. „Ich freue mich wahnsinnig darauf“, sagt er – und seine Augen lassen dabei keinen Zweifel aufkommen: Sie glänzen vor Freude.Reimund Elbe

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