Lokalsport

Ein harter Hund

Rückblick über unfreiwillige Vorbilder 2020. Von Bernd Köble

Stehauf- und Strahlemann in Personalunion: Mani Fumic.Foto: pr
Stehauf- und Strahlemann in Personalunion: Mani Fumic.Foto: pr

Draußen ist‘s kalt und dunkel. Corona und Winter im Duett können quälend sein. Es ist wie mit dem Loch in der Socke. Man weiß, dass es irgendwann kommt und ist doch immer wieder überrascht, wenn es da ist. Ein paar helle Gedanken wirken da lindernd. An epische Radausfahrten bei herrlichstem Wetter in den Pfingsferien beispielsweise. Als der Sommer greifbar war, die Pandemie noch beherrschbar schien und Lungen dazu da waren, Muskeln mit Treibstoff zu versorgen. Dass auch diese Erinnerung schmerzt, liegt in meinem Fall daran, dass die Ausfahrt abrupt auf dem Asphalt endete und neben Prellungen auch eine gebrochene Rippe nach sich zog. Die Folge: Nächte im Sitzen und ein Schädel, um den aus den Drogenküchen der Pharmaindustrie heraufgezogene Nebelschwaden waberten.

Schlimm genug, doch längst nicht alles. Was muss man anderntags lesen? Kirchheims Radel-Gott Manuel Fumic hat sich zeitgleich und unverlangt erst hin- und schließlich mit ins Bett gelegt. Nicht einfach so. Wie es sich für einen Profi gehört, nebst Röntgendiagnose, die meinen Wehwehchen Amateurstatus bescheinigt: Schulter gebrochen, Sehnen gerissen, mehrere Rippen ab, Einblutungen in der Lunge. Sauber. Ein Fall für die Intensivstation - ganz ohne Corona.

Und was macht der Bursche? Er grinst via Instagram heldenhaft aus den Klinikfedern und sitzt nach einer schlappen Woche schon wieder locker kurbelnd auf dem Rad. Dass sich unsereins dabei fühlen muss wie ein windelweicher Jammerlappen, dass Genesungswünsche der Arbeitskollegen fortan nur noch mit Grinse-Emoji und neuesten Fumic-Updates durchs Netz rauschen - dem Bike-Rambo ist das scheint‘s so was von schnurz. Meine ernsthafte Beschwerde quittiert er am Telefon mit kernigem Gelächter. So schallend, dass das Wundwasser über meinem Zwerchfell Wellen schlägt.

Ich hüstel gequält, geb‘s auf und leide still. Einziger Trost, der bleibt: der leise Hinweis auf zwei Jahrzehnte Altersunterschied und die Gewissheit, dass Radfahren eben doch der härteste Sport der Welt ist. Und Fumic ein hammerharter Hund.

Die Highlights der Sportredaktion

Rückschau halten ist im Corona-Jahr aus sportlicher Sicht alles andere als einfach - trotz Absagen, Ausfällen und Abbrüchen gab es für die Lokalsportredakteure des Teckboten und die freien Mitarbeiter 2020 auf lokaler und überregionaler Bühne genügend Highlights, an die wir bis Ende des Jahres jeden Tag erinnern.

Anzeige