Lokalsport

Ein Holzmadener startet durch

Deutschlands schnellster Seitenwagen-Motocrosser kommt aus Holzmaden. Marcel Faustmann war bei der WM und der internationalen DM bester Deutscher.

Holzmaden. Seitenwagen-Motocross ist ein harter Sport. Wer hier um Siege und Titel mitfahren will, braucht neben körperlicher Fitness und Zähigkeit eine perfekte Motorradbeherrschung, eine gehörige Portion Mut und einen Mitstreiter, der mit entsprechend engagiertem Einsatz im Beiboot das Gespann auf Kurs zu halten hilft. In der Weltmeisterschaft ist die Konkurrenz enorm stark, schließlich betreiben die führenden Teams den Sport als Profis. In der deutschen Meisterschaft hängen die Trauben kaum weniger hoch, denn auch hier können ausländische Gespanne um den Titel mitkämpfen.

Die deutschen Fahrer betreiben das Gespanncross ausschließlich als Amateure. Unter der Woche gehen sie einem Beruf zum Broterwerb und zur Finanzierung ihres auch finanziell aufwendigen Hobbys nach. Sponsoren- und Startgelder reichen kaum zur Kostendeckung aus, geschweige denn zum Leben.

Auch Marcel Faustmann fährt unter diesen ungünstigen Rahmenbedingungen Motocross. In diesem Jahr allerdings mit einer bemerkenswerten Erfolgsbilanz: Die deutsche Meisterschaft mit insgesamt sechs Veranstaltungen à zwei Wertungsläufen beendete er als bester deutscher Fahrer mit dem Vizetitel hinter dem belgisch-niederländischen Duo Andreas Clohse/Christian Verhagen. Unterstützt wurde Faustmann dabei von Andreas Haller. Unglücklicherweise brach sich sein aus Aldingen stammender Beifahrer beim Grand Prix von Estland das rechte Schlüsselbein und fiel aus. Jedoch fand Faustmann mit Stefan Nicke für das nur eine Woche später angesetzte DM-Finale guten Ersatz und konnte sich im Kampf um das Vize-Championat gegen den Belgier Kristof Santermans behaupten. Clohse hatte den Titel bereits vor dem letzten Rennen sicher.

In der elf Grands Prix umfassenden Weltmeisterschaft konnten die beiden Schwaben ebenfalls einige Erfolge einfahren. Dabei hatte die WM-Saison mit einem Rückschlag begonnen: Bei einer Kollision Mitte April zog sich „Fausti“ eine Mittelhandknochen-Fraktur zu. Trotzdem gaben die Ärzte grünes Licht für die weiteren Rennen. Meistens schafften er und Nicke die Qualifikationshürde und fuhren dann auch in die Punkteränge. Jeweils 30 Gespanne dürfen in den Hauptrennen starten, die besten 20 bekommen WM-Zähler gutgeschrieben. Nach einem Top-Ten-Platz beim finalen Lauf in Rudersberg beendete der Holzmadener die WM mit 57 Zählern als 22. und damit als bester deutscher Fahrer.

Im kommenden Jahr möchte Faust­mann an die Erfolge dieser Saison anknüpfen. Dafür ist der KFZ-Technikermeister bereits auf der Suche nach einem neuen Beifahrer und Sponsoren – schließlich ist ­Sidecarcross sehr zeit- und kostenintensiv. Um sämtliche WM- und DM-Rennen anzufahren, musste der Team-Transporter in diesem Jahr circa 2 500 Liter Diesel tanken. Dazu kommen Kosten für Ersatz- und Verschleißteile sowie sonstige Aufwendungen für die teils weiten Reisen.

Doch bevor die Vorbereitungen für 2017 beginnen, steht noch die Team-Europameisterschaft am 8. und 9. Oktober im französischen Dardon-Gueugnon an. Dort nehmen jeweils drei Gespanne pro Nation teil – dank seiner WM- und DM-Platzierungen ist Marcel Faustmann selbstredend nominiert. Dabei käme ihm nasse Witterung durchaus nicht ungelegen. „Rutschige Bedingungen liegen mir besonders“, sagt er.

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