Lokalsport

Ein Kirchheimer als Deutschlands Nummer eins

Nordische Kombination Auf Jan Andersen wartet nach einem Kreuzbandriss eine längere Pause.

Verletzt im Skiinternat Furtwangen: Der Kirchheimer Jan Andersen, eines der größten Nachwuchstalente Deutschlands in der Nordisc
Verletzt im Skiinternat Furtwangen: Der Kirchheimer Jan Andersen, eines der größten Nachwuchstalente Deutschlands in der Nordischen Kombination, fällt mit Kreuzbandriss monatelang aus. Foto: privat

Furtwangen. Es passierte beim DSV-Schülercup in Klingenthal. Dem hörbaren Knacken im rechten Knie bei der Landung nach einem 60-Meter-Flug folgte der Sturz und das Aus - innerhalb einer Sekunde war der Gesamtsieg futsch. Schlimmer als die sportliche Hiobsbotschaft traf Jan Andersen (14) die ärztliche Diagnose Tage später in einem Freiburger Krankenhaus. Nach einer Kernspintomografie stand fest, dass ein Kreuzband gerissen ist - die Höchststrafe für jeden Sportler. Dazu die neunmonatige Zwangspause. „Im ersten Moment war ich richtig geschockt“, bekannte der Kirchheimer.

Der Sturz passierte Mitte Januar. Knapp vier Wochen später hat sich der junge Mann mit der langen Wettkampfpause abgefunden und macht aus der Not schon wieder eine Tugend: „Besser einen Kreuzbandriss mit 14 bekommen als kurz vor Beginn der Aktivenzeit“, sagt er. Thomas Krause, baden-württembergischer Landestrainer der Kombinierer, sieht in der Verletzung ebenfalls eine Chance. „Ich hoffe, dass Jan wie viele Kollegen nach der monatelangen Rekonvaleszenz mental gestärkt zurückkehren und entsprechende Erfolge einfahren wird.“

Krause, der auch die Weltcup-Starter Fabian Rießle und Manuel Faißt trainiert, macht keinen Hehl daraus, welch‘ große Stücke er auf das Kirchheimer Talent hält. „In seiner Altersklasse ist Jan derzeit sicherlich Deutschlands bester Nordischer Kombinierer. In ein paar Jahren traue ich ihm durchaus den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu. Hinzu kommt, dass auch seine schulischen Leistungen stimmen. Am hiesigen Otto-Hahn-Gymnasium gilt er als Musterschüler.“

Erst im Sommer 2016 war Jan Andersen auf das Skiinternat Furtwangen und das dort angeschlossene Gymnasium gewechselt. Ganz ohne Eingewöhnungsschwierigkeiten übrigens. An sein spartanisch eingerichtetes Zwölf-Quadratmeter-Zimmer hat sich der 14-Jährige inzwischen gewöhnt. Auch, dass die Internetverbindung im Haus manchmal schwindsüchtig ist, Fernsehgucken nur möglich per Nachrüst-TV oder im Gemeinschaftszimmer und der Gang zur Toilette stets einen kurzen Spaziergang zum Etagenklo erfordert.

Am kommenden Mittwoch um 7 Uhr wird Jan Andersen von Kniespezialist Dr. Michael Ulmer im Esslinger Klinikum operiert. Gut möglich, dass er in der anschließenden drei- bis vierwöchigen Rehabilitation auf einen Weltmeister treffen wird: Severin Freund, Sieger bei der WM 2015 auf der Großschanze im schwedischen Falun, hat seine Kreuzband-OP schon hinter sich und absolviert derzeit seine Reha. „Die Chance, dass ich in dieselbe Rehaklinik am Tegernsee wie er komme, ist groß“, weiß Andersen.

Hoffnungsfroh blickt er voraus, und seine Mutter Torill Andersen ist glücklich, dass der Sohn nach dem schlimmen Sturz herausragenden Nehmerqualitäten gezeigt hat. „Er hat die Verletzung wirklich gut weggesteckt“, sagt die gebürtige Norwegerin. Spätestens am 13. März, wenn sie - oder ihr Mann Oliver - mit Sohn nach Trondheim zum Schlussdurchgang des FIS-Youth-Cups mit Siegerehrung fliegt, dürfte sich Jan Andersens Miene aufhellen. Platz zwei in dem wichtigsten europäischen Wettbewerb hat der Kirchheimer bereits sicher. Falls sein finnischer Rivale Waltteri Karhumaa in einem der beiden Wettbewerbe nicht Erster wird, wäre Jan kampflos neuer FIS-Cup-Champion - es wäre sein bisher größter Erfolg in der jungen Karriere. Thomas Pfeiffer

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