Lokalsport

Ein Kirchheimer Netzwerker inmitten der WM-Metropole

David Breimer ist für die Organisation Kickfair beim „Football for Hope-Festival“, das parallel zur Fußballweltmeisterschaft in Rio stattfindet, verantwortlich

Die Koffer sind gepackt, die Flugtickets liegen bereit, die Vorfreude steigt: Wenn David Breimer heute nach Brasilien aufbricht, wird der 34-jährige Kirchheimer nicht einfach nur WM-Tourist sein. Der Dip­lom-Sportwissenschaftler ist Delegationsleiter der deutschen Straßenfußballnationalmannschaft, die für die Organisation Kickfair aus Ostfildern vom 3.  bis 10. Juli beim „Football for Hope Festival“ in Rio antritt.

David Breimer bei der Arbeit: Der Diplom-Sportwissenschaftler aus Kirchheim vermittelt Jugendlichen weltweit die Grundlagen des
David Breimer bei der Arbeit: Der Diplom-Sportwissenschaftler aus Kirchheim vermittelt Jugendlichen weltweit die Grundlagen des Straßenfußballs, dessen weltbestes Team parallel zur WM in Brasilien ermittelt wird. Foto: Kickfair

Kirchheim. Hinschauen lohnt: Wer sich seit WM-Beginn die Trikots der Spieler genauer angesehen hat, dem ist das grüne Logo auf den linken Ärmeln bestimmt schon aufgefallen. Allerdings dürften die Wenigsten wissen, was es damit auf sich hat. David Breimer schon, ist er doch einer der Protagonisten beim „Football for Hope Festival“, dessen Emblem den Dress aller 736 bei der WM teilnehmenden Kicker ziert.

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Das Festival ist offizieller Bestandteil der Weltmeisterschaft und vereint gemeinnützige Organisationen aus der ganzen Welt, die alle eines gemeinsam haben: Sie nutzen Fußball und entwickeln Programme für Lernen, Bildung und Entwicklung auf und vor allem neben dem Platz. Eine dieser Organisationen ist Kickfair aus Ostfildern, für die David Breimer seit sieben Jahren tätig ist. Der Diplom-Sportwissenschaftler aus Kirchheim war bereits vor vier Jahren im Rahmen der WM in Südafrika beim FFH-Festival dabei, damals allerdings „nur“ neben drei anderen Organisationen für die Mediatorenausbildung zuständig.

Dieses Mal ist Kickfair alleiniger Repräsentant Deutschlands und nur eine von vier Organisationen aus Europa. Die Fifa hatte aus rund 100 Bewerbungen die ihrer Meinung nach besten 32 Organisationen weltweit ausgewählt, damit diese mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften in Brasilien analog zur richtigen WM um den Titel des Straßenfußballweltmeisters spielen.

Die Zusage aus der Fifa-Zentrale in Zürich kam Ende vergangenen Jahres per E-Mail, die Freude in Ostfildern war entsprechend groß und ist es immer noch. „Das ist zweifellos das bisherige Highlight“, sagt David Breimer, der bereits über massig Auslandserfahrung in Sachen Straßenfußball verfügt. Für Kickfair hat er in Ruanda, Paraguay und Brasilien schon unzählige Turniere, Workshops und Kongresse organisiert und begleitet.

Die Grundidee ist dabei immer die gleiche: Mittels Straßenfußball sollen Jugendliche auf sozialer und interkultureller Ebene mit- und voneinander lernen und so neue Perspektiven erhalten. Auf dem Platz sieht das so aus: Gemischte Teams spielen nach gemeinsam besprochenen Fairplay-Regeln, auf deren Einhaltung der sogenannte Teamer achtet. Dieser Schiedsrichterersatz diskutiert und analysiert hinterher mit den Spielern, ob und wie die Regeln eingehalten wurden und verteilt entsprechende Punkte. So kann es vorkommen, dass eine Mannschaft aufgrund der Fairplaypunkte gewinnt, obwohl sie nach Toren verloren hätte.

David Breimers Aufgabe im Vorfeld bestand darin, das sechsköpfige deutsche Team, in dem zwei Mädchen stehen müssen, zusammenzustellen. Keine leichte Aufgabe, kamen für den begehrten Trip nach Brasilien doch Hunderte Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren infrage, die sich in den beiden Kickfairprojekten „Fußball lernen global“ und „Kickformore“ engagieren. Hauptauswahlkriterium war dabei auch, wie lange die Kids schon dabei und wie engagiert sie sind und natürlich, ob Eltern und Schule sie überhaupt über den großen Teich ziehen lassen würden. „Da mussten viele Gespräche geführt werden“, erinnert sich David Breimer, der sich mit dem endgültigen Sechserkader vor zwei Wochen zur abschließenden Vorbereitung in Stuttgart traf. Dort wurde auch an der Präsentation gebastelt, die die deutsche Delegation im Rahmen der Festival-Eröffnung in Rio zeigen wird.

Untergebracht sind alle 32 Delegationen auf dem Festivalgelände im Stadtteil Caju, wo die Fifa eigens ein Stadion für rund 1 500 Zuschauer bauen ließ. Dort geht‘s eine Woche lang um den Strafenfußball-Titel, der für die Deutschen aber kein Thema sein dürfte. „Den Pott holen wir nicht“, glaubt David Breimer, „Favorit ist Brasilien, die haben Teams von acht Organisationen am Start.“

Ohnehin stünde für das deutsche Sextett das Sportliche im Hintergrund. „Die jungen Leute sollen sich kennenlernen, austauschen und Freundschaften schließen“, umreißt Breimer das Hauptziel der Reise, auf der auch er als Netzwerker gefordert sein wird: Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und im besten Fall neue Ideen in die tägliche Arbeit einfließen lassen – das sind die Aufgaben, die auf den Kirchheimer warten. Darüber hinaus ist Kickfaier beauftragt, gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen aus Ruanda, Brasilien und Israel sogenannte Youth Leader aus allen 32 Delegationen zu Straßenfußball-Mediatoren auszubilden und das Turnier als Experten zu begleiten.

Heimlicher Höhepunkt des Brasilien-Trips ist jedoch der Besuch des Viertelfinales, das am 4. Juli in Rio stattfindet: Die Fifa hat allen Delegationen Karten für ein WM-Spiel geschenkt. Die Deutschen hoffen natürlich, dass die DFB-Elf im Maracana-Stadion antreten wird – der brasilianische Fußballtempel liegt nur knapp acht Kilometer vom Festivalgelände entfernt. „Wir freuen uns schon riesig“, lacht David Breimer.

www.kickfair.org