Lokalsport

Ein Schritt vorwärts in die Vergangenheit

Basketball Dresden als richtiger Gegner zur rechten Zeit. Die Knights finden zaghaft zu alter Sicherheit zurück. Hinrichs vor Rückkehr in die Mannschaft. Von Bernd Köble

Gegen Dresden wichtigster Mann auf dem Feld: Knights-Regisseur Carrington Love lässt sich von den Teamkollegen zu 14 Punkten und
Gegen Dresden wichtigster Mann auf dem Feld: Knights-Regisseur Carrington Love lässt sich von den Teamkollegen zu 14 Punkten und zehn Assists gratulieren.Foto: Markus Brändli

Seit Samstag, so könnten böse Zungen feststellen, steht es im teaminternen Wettstreit zwischen Tim Koch und Seth Hinrichs 4:0 für den Deutschen. Ohne den verletzten Koch haben die Knights vier Mal in Folge verloren. Hinrichs Verletzung blieb in drei Spielen ohne den Amerikaner bisher ohne Folgen. Daraus einen Leistungswert abzuleiten, hieße Hinrichs grob Unrecht zu tun. Der US-Forward ist für das Spiel der Knights von nicht geringerer Bedeutung als der Scharfschütze Koch.

Fakt bleibt, dass die Kirchheimer Hinrichs Fehlen bisher gut kompensieren konnten. Für Geschäftsführer Christoph Schmidt einer der positivsten Aspekte seit Jahresbeginn. „Nach dem schwachen Dezember“, sagt Schmidt, „konnte das niemand erwarten.“ 2017 sind die Knights weiter ungeschlagen, und alleine Hinrichs wäre es zu gönnen, dass dies - sollte er am Samstag gegen Gotha möglicherweise aufs Parkett zurückkehren - auch so bliebe. Am Mittwoch werden die Ärzte über seinen Einsatz entscheiden.

Gegen Dresden haben die Kirchheimer am Samstag ein Spiel sogar wieder kontrolliert. Gegen einen Gegner, der sich momentan mehr mit sich selbst zu beschäftigen hat, als im lieb ist. Aber immerhin. Dass es nach einem wilden dritten Viertel noch einmal unnötig spannend wurde, zeigt, dass noch nicht alle bösen Geister der vergangenen Wochen verscheucht sind. Bei einem Vorsprung von 23 Punkten zur Halbzeit war die Frage nicht ob, sondern nur wann die Hausherren die Zügel würden schleifen lassen.

Mehr Sorge bereiteten Knights-coach Michael Mai jedoch die Anfangsminuten des Spiels, als die Sachsen in der Zone nach Belieben walteten. „Da haben wir den Großen viel zu viel Raum gelassen“, bemängelt Mai. Umso unverständlicher, als der Gegner aus der Distanz ungefähr so viel Gefahr ausstrahlte wie ein schielender Löwe. 19 Dreier-Versuche fanden sich nach Spielschluss im Protokoll - bei einem einzigen Treffer.

Dass die Knights zu Beginn das Inside-Spiel vernachlässigten und sich der vermeintlichen Gefahr von jenseits der Dreier-Linie stellten - ein Irrtum, den der Trainer während einer ersten Auszeit beim 36:31 nach vier Minuten im zweiten Viertel zu korrigieren versuchte. Ohne ihren dominierenden Spielmacher Randal Holt, dem die Dresdner nach der verheerenden Niederlage gegen Nürnberg unter der Woche überraschend den Stuhl vor die Tür gesetzt hatten, drohte aus der Distanz keinerlei Gefahr. Auch nicht von Neuzugang Jeremy Dunbar. In der BBL als Schütze gefürchtet, in Dresden bisher in vier Spielen mit einem Treffer bei 14 Versuchen. Der Aufsteiger spielt nach 19 Spielen wie ein Absteiger, auch wenn Center Max von der Wippel am Samstag den bemerkenswerten Satz fallen ließ: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Mannschaft noch lebt.“

Die Knights treffen am Samstag nun zum zweiten Mal in Folge auf einen Gegner, der wochentags ran muss. Gotha ist heute Abend in Crailsheim zu Gast. Zwei Auswärtstrips binnen fünf Tagen. Sicher kein Vorteil.

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