Lokalsport

Ein Trio spielt Reise nach Jerusalem

Handball In der Bezirksliga entwickelt sich zwischen Kirchheim, Owen und Esslingen ein Dreikampf um Platz zwei, doch der Aufstieg scheint nicht allen wichtig. Von Bernd Köble

Denkpausen schaden selten. Engelbert Eisenbeil, Handballtrainer des VfL Kirchheim, hat mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf den „Totalausfall“ seiner Mannschaft im vermeintlichen Topspiel am vergangenen Samstag in Esslingen reagiert: Statt Strafeinheiten anzuordnen, war am Dienstag überraschend trainingsfrei. „Nach diesem Spiel soll sich jeder allein seine Gedanken machen.“ Stillbeschäftigung als Hausaufgabe. Heute Abend soll die Analyse folgen. Gut Ding‘ braucht Weil‘, und die hat der VfL zum Glück nach einem Spiel, von dem Eisenbeil behauptet, so etwas habe es zuvor noch nicht gegeben und werde es in absehbarer Zeit auch nicht mehr. Bis 11. Februar hat der Tabellendritte nun Zeit, sich einzuregeln, bevor er daheim gegen Denkendorf den Kampf um den Anschluss an die Spitze wieder aufnimmt.

Der Tabellenzweite Team Esslingen dagegen hat sich mit der Lehrstunde in der Schelztorhalle am Samstag Luft verschafft. Nach Minuspunkten sind es nun drei Zähler Vorsprung auf die beiden Verfolger aus Kirchheim und Owen, während der noch immer ungeschlagene Tabellenführer TSV Köngen zusehends enteilt. Die drei im Windschatten haben alle das gleiche Ziel und doch unterschiedliche Ambitionen.

Während Volker Pikard das Esslinger Fusionsteam so schnell wie möglich zurück in die Landesliga führen will, nachdem sein Vorgänger Vasile Oprea mit der Mission Klassenerhalt vor zwei Jahren gescheitert war, zeigt sich sein Kollege Steffen Klett in Owen völlig entspannt. Der Spielertrainer der Herzogstädter lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass der Landesliga-Aufstieg in Owen zwar kein Unglück wäre. Ein Ziel, das man fest im Auge habe, sei er jedenfalls nicht.

Zumindest nicht jetzt. Klett plant eher längerfristig. Dass sein Anspruch in Sachen Handball ein anderer ist, weiß jeder, der ihn kennt. Dass Handball auf Verbandsniveau in Owen möglich ist, hat er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Bastian, der die Torschützenliste in der Bezirksliga mit himmelweiten Vorsprung anführt, bewiesen. Die beiden Brüder und TSV-Kapitän Raphael Schmid sind die letzten Überlebenden der Württembergliga-Mannschaft von einst. Deren Standorttreue soll Signalwirkung haben. Für alle, die mit dem nötigen Ernst an die Sache gehen. Den fordert Klett. Der diplomierte Sportlehrer ist ein Typ mit klarer Kante. Kein Mann für Kompromisse.

Über individuelle Klasse wie in Owen, Köngen oder auch in Esslingen verfügt VfL-Coach Engelbert Eisenbeil nicht. Sein Star ist die Mannschaft, auch wenn Spieler wie der württembergligaerfahrene Marcel Metzger oder die Nachwuchskräfte Martin Rudolph und Leonard Real an guten Tagen ein Spiel alleine entscheiden können. Dafür schickt Eisenbeil die vielleicht homogenste Mannschaft der Liga aufs Feld. Der einstige Klasse-Torhüter gilt als enorm ehrgeizig, doch das Thema Aufstieg bereitet auch ihm keine schlaflosen Nächte. Nach dem Relegations-Aus im Vorjahr sagt er: „Natürlich wollen wir auf Platz zwei und unser Bestes geben. Den Aufstieg haben wir aber nie als Ziel formuliert.“ Was nicht ist, kann werden. Eisenbeil bleibt ein Kirchheimer. Auch in der nächsten Saison.

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