Lokalsport

„Eine kleine Europameisterschaft“

Hahnweide-Wettbewerbsleiter Reinhard Diez über Segelflug, Sicherheit und Perspektiven

Beim morgen startenden 50.  Hahnweide-Segelflugwettbewerb fungiert der Waldenbucher Reinhard Diez (60) erneut als Wettbewerbsleiter. Im Interview spricht das Wolf-Hirth-Mitglied auch über die Risiken im Sport.

Ab morgen wird‘s auf der Hahnweide wieder international: Der internationale Kirchheimer Segelflug-Wettbewerb startet mit dem Erö

Ab morgen wird‘s auf der Hahnweide wieder international: Der internationale Kirchheimer Segelflug-Wettbewerb startet mit dem Eröffnungsbriefing. Etwa 150 Piloten aus zehn Nationen gehen ab Samstag in fünf Klassen an den Start. Foto: Markus Brändli


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Herr Diez, wie wird das Wetter ab Samstag?

Reinhard Diez: Damit habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt. Wetterprognosen über mehr als drei Tage sind unrealistisch.

Sie sind Hahnweide-Wettbewerbsleiter seit 2010. Wie stark schätzen Sie das Teilnehmerfeld in diesem Jahr ein?

Diez: Quantitativ haben wir mit etwa 150 Piloten und 120 Flugzeugen wieder unsere Obergrenze erreicht – mehr geht aus Sicherheitsgründen nicht. Qualitativ sind die fünf Wett­bewerbsklassen wie immer hochkarätig bestückt. Der Hahnweide-Wettbewerb ist eine kleine Europameisterschaft.

Als ehemaliger Wettbewerbspilot fliegen Sie mit 60 noch leidenschaftlich gerne. Nervt es da nicht, dass man als Wettbewerbsleiter ständig am Boden bleiben muss?

Diez: Natürlich stelle ich mir immer wieder die Frage, warum man sich diesen Job antut. Er erfordert eine Menge Zeitaufwand. Darüber hinaus ist man gegenüber den Behörden auch der Hauptverantwortliche für den Ablauf der Veranstaltung. Trotz allem überwiegt bei mir aber der Reiz, solch eine Veranstaltung mitzugestalten und zu organisieren. Die Kontakte mit altbekannten Segelflugpiloten zu pflegen macht außerdem sehr viel Spaß.

Wurden Sie als langjähriger Wettbewerbschef schon einmal mit einem besonders kitzligen Problem konfrontiert?

Diez: Nein.

Die Sicherheit ist im Segelflugsport das wichtigste Thema überhaupt. Wie würden Sie die Sicherheitsstandards auf der Hahnweide beschreiben?

Diez: Wir haben hier anspruchsvolle Sicherheitsstandards, ohne die dieser Wettbewerb von den Behörden erst gar nicht genehmigt worden wäre. Die Nähe zum Stuttgarter Flughafen erfordert es, dass unsere Leute höllisch aufpassen müssen, ob alle Segelflieger die vorgeschriebenen Lufträume einhalten. Zum Glück gibt es heutzutage GPS. Die Piloten sind gläsern geworden, und deshalb gibt es auch kaum mehr Verstöße. Zudem würde ein Verstoß die Disqualifikation des Teilnehmers zur Folge haben.

Im Jahr 2011 gab es bei einer Außenlandung am Hornberg einen Absturz mit Todesfolge – es war der bisher einzige in der 50-jährigen Wettbewerbsgeschichte. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich solch ein tragisches Unglück irgendwann wiederholt?

Diez: Jeder tödliche Segelflugunfall ist immer einer zu viel. Unfallursache am Hornberg war im Übrigen eindeutig ein Pilotenfehler. Solche können niemals ganz ausgeschlossen werden. Segelfliegen ist und bleibt kein ganz ungefährlicher Sport.

Themenwechsel. Der Hahnweide-Wettbewerb feiert seinen 50. Geburtstag. Bietet Veranstalter Wolf Hirth zum Jubiläum etwas Besonderes?

Diez: Spezielle Aktivitäten haben wir keine geplant. Es ist so, dass viele Vereinsmitglieder in der Wettbewerbswoche ja schon in den verschiedensten Bereichen mitarbeiten und das ehrenamtlich und trotz Berufstätigkeit. Ihr Engagement ist schon groß genug. Zudem sind sehr viele Vereinsmitglieder bereits voll mit der Organisation des Oldtimer-Treffens vom 9. bis 11. September beschäftigt.

Andere Vereine hätten das Jubiläum womöglich zum Anlass genommen, der Bevölkerung eine Art Tag der offenen Tür anzubieten . . . Auch der Randsportart Segelfliegen hätte so etwas sicherlich zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen können.

Diez: Fehlende Publicity ist durchaus nicht unser Problem. Aber, wie gesagt, das fehlende Jubiläums-Programm scheitert in erster Linie am Zeitmangel der Vereinsmitglieder. Ein Tag der offenen Tür während des laufenden Wettbewerbs ist aus Sicherheitsgründen ohnehin ausgeschlossen.

Sieger Maier, Ihr Vor-Vorgänger als Wettbewerbsleiter, formulierte schon in den 1990er-Jahren Ideen, wie man die Sportart kommerzieller und populärer machen könne. Er wollte zum Beispiel, dass sich die Piloten besser vermarkten. Gibt es in Fliegerkreisen aktuell Bestrebungen, die Sportart mehr ins Rampenlicht zu rücken?

Diez: Der Versuch, das Segelfliegen für eine interessierte Öffentlichkeit attraktiver zu gestalten, erfolgt auf anderer Ebene – beim internationalen Segelflug-Grandprix. Dort gibt es einen Massenstart, dort sind die Flugzeuge auf engstem Raum unterwegs, dort gibt es erbitterte Positionskämpfe, und nach jedem Durchgang gibt es für die Erstplatzierten feste Punktzahlen wie in der Formel 1. Dieser Modus ist durchaus attraktiv. Allerdings ist diese Wettbewerbsform nur sinnvoll bei maximal 20 Flugzeugen. Deshalb ist sie kein Thema für die Hahnweide.

Die Stadt Kirchheim wirbt seit vielen Jahren mit dem Untertitel „Fliegerstadt“. Ist so etwas hilfreich?

Diez: Auf alle Fälle. Der Slogan hat doppelten Werbeeffekt, weil er sowohl für uns Segelflieger als auch die Stadt Image fördernd ist.

Ab Samstag wird auf der Hahnweide geflogen. Was muss passieren, damit die Wettbewerbswoche für Sie zum Erfolg wird?

Diez: Ich wünsche mir vier schöne Flugtage wenigstens, gutes Wetter, keine Unfälle und zufriedene Piloten.