Lokalsport

Eine leise Antwort

Der Zittersieg der Knights in Paderborn als Mutmacher vor dem Saisonfinale

Dass Kirchheims Zweitliga-Basketballer am 8. April mit einem Heimspiel in die Play-offs starten, wird immer wahrscheinlicher. Um sicher zu sein, fehlt noch ein Sieg. Um ein gefürchteter Gegner zu sein, fehlt derzeit die Sicherheit.

Ist der Knoten endlich geplatzt? Dennis Tinnon (hinten) war nach langer Durststrecke am Samstag in Paderborn bester Kirchheimer.
Ist der Knoten endlich geplatzt? Dennis Tinnon (hinten) war nach langer Durststrecke am Samstag in Paderborn bester Kirchheimer.Foto: Marc Köppelmann

Kirchheim. Sie haben sich wieder zu Wort gemeldet, auch wenn die Antwort nur leise rüberkam. Statt nach der verheerenden Niederlage gegen Jena vollends in die Krise zu schlittern, haben sich die Knights am Samstag in Paderborn den ersten von zwei benötigten Siegen für den Heimstart in die Play-offs gesichert. Überzeugend war der Auftritt gegen einen mittelmäßigen Gegner über weite Strecken auch diesmal nicht, doch ist der Wurm erst mal drin, hilft nur eines weiter: positive Ansätze hervorheben und damit arbeiten. Schließlich sind es noch vier Wochen bis zum vermeintlichen Saisonhöhepunkt, dem Beginn der Finalrunde. Ein Bonbon für die Fans soll sie sein, Werbung für den Basketballsport in Kirchheim und natürlich Lohn für eine herausragende Saison.

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Hohe Erwartungen, die zur momentanen Formdelle der Mannschaft so gar nicht passen wollen. Deshalb also: Das Positive hervorheben. Punkt eins auf der Liste: Die Knights können auch ohne ihren Kapitän und Topscorer Richie Williams gewinnen. Punkt zwei: Dennis Tinnon hat das Spiel nicht völlig verlernt. Der US-Forward, der nach einer Serie unglücklicher Auftritte zuletzt nur noch von der Bank kam, meldete sich am Samstag mit 18 Punkten und 14 Rebounds als bester Kirchheimer zurück. Dass sich Tinnon auch dabei eine Reihe von Unkonzentriertheiten und vermeidbaren Offensivfouls leistete, zeigt allenfalls, welches Potenzial im überragenden Mann der vorvergangenen Pro-A-Saison steckt. „Ich bin mir sicher, dass wir seine ganzen Qualitäten in dieser Saison noch sehen werden“, glaubt sein Trainer Michael Mai, der in den vergangenen Wochen zahllose Einzelgespräche mit dem 27-Jährigen geführt hat, um ihm verloren gegangene Sicherheit zurückzugeben. Steht Tinnon symbolhaft für den fehlenden Rhythmus in der Mannschaft, könnte der Sieg in Paderborn das Signal zum Aufbruch gewesen sein. Der Trainer bewahrt Ruhe: „Wir erleben zurzeit ein leichtes Tief. So etwas ist ganz normal in einer Saison.“

In welche Richtung das Barometer ausschlägt, wird sich am Wochenende zeigen. Am Freitag um 20 Uhr geht es in der Sporthalle Stadtmitte gegen den Tabellenführer aus Vechta. Dann wieder mit Kapitän Richie Williams, der nach seiner zwangsverordneten Schonpause auf einen Einsatz gegen seinen früheren Arbeitgeber brennt. Am Sonntag geht die Fahrt nach Heidelberg. Vechta ist der Glanzpunkt und die Chance auf zwei Big Points. Das wichtigere von beiden Spielen findet vermutlich in Heidelberg statt. Dort erscheint die Gelegenheit, die Hauptrunde vorzeitig abhaken zu können, realistischer. Auch wenn das Team von Frenkie Ignjatovic mit zwei Punkten Rückstand auf Platz acht derzeit verzweifelt um die Play-offs kämpft. Die Endrunde zu verpassen, wäre eine erneute Niederlage im Bemühen, am Neckar für Aufbruchstimmung zu sorgen. Der Bau einer neuen Halle ist beschlossene Sache, der Aufstieg mittelfristig das erklärte Ziel.

Das Ob hat man in Kirchheim längst aus dem Vokabular gestrichen. Die Frage ist, auf wen die Knights in der Runde der letzten acht treffen werden. Hamburg oder doch Trier? Der kürzere Reiseweg oder die Mannschaft, mit der man die besseren Erfahrungen in der Hauptrunde verknüpft? „Trier ist momentan wohl einen Tick stärker einzuschätzen“, meint Michael Mai, wohl wissend, dass der Hamburg-Trip einen Posten mit sich brächte, der im Finanzplan der Knights bisher nicht vorgesehen ist: eine weitere Hotelübernachtung.