Lokalsport

Eine Niederlage, auf die man stolz sein kann

Turnen Nach der 26:34-Niederlage im DTL-Aufstiegsfinale gegen die KTV Ries bleibt die Männermannschaft des VfL Kirchheim in der 3. Liga. Von Heiko Paul

Eine Niederlage, auf die 
man stolz sein kann
Eine Niederlage, auf die 
man stolz sein kann

Nach der Vizemeisterschaft der Saison 2016 stand wieder das Duell an: Vize-Meister Süd gegen Meister Nord. Die Kirchheimer mussten in Singen diesmal gegen die KTV Ries ran – eine Mannschaft, die sich mit reichlich Sponsorengeldern Klasse erkauft. Der Chemnitzer Jugendnationalturner Maurice Praetorius turnt seit dieser Saison in Ries, und Ilya Kibartas als russischer Gastturner verschlingt auch reichlich Euros.

Immerhin brachte es die KTV Ries so in der laufenden Saison in ihren Wettkämpfen regelmäßig auf knapp über 300 Turnpunkte. Eine Marke, die für die Kirchheimer nur schwer zu knacken sein sollte. Coach Matthias Pohl hatte im Vorfeld darauf gesetzt, dass die Rieser unter Druck nervös würden, doch den Gefallen taten sie dem VfL zunächst nicht.

Weil drei Finals an einem Gerätesatz gleichzeitig liefen – auch um den Aufstieg in die 1. Liga wurde gekämpft – kam eine äußerst ungewöhnliche Geräteabfolge zustande. So ging es zuerst an die Ringe, wo sich Julian Hausch und Ilya Kibartas ein hochklassiges Duell lieferten. 13,70 Punkte für Hausch aber 14,90 für Kibartas – Ries hatte die ersten vier Score-Punkte gewonnen. Waldemar Guillard holte zwei für Kirchheim, Henning Weise gab vier ab, aber Marcus Bay gewann wieder drei für den VfL. Nur 5:8 für Ries am ersten Gerät, der Wettkampf startete furios. Wie knapp es weiterging, zeigte das darauffolgende Bodenturnen. Nach einem Absitzer von Manuel Hofmann waren zwar die ersten vier Punkte weg, aber Simon Paul turnte auf der fantastisch federnden Bodenfläche in Singen die wohl beste Bodenübung seiner Turnerkarriere. 13,50 Punkte gaben ihm die Kampfrichter, sein Gegner Maurice Praetorius schaffte aber 13,70 Punkte – ein Score-Punkt für Ries. Marcus Bay verlor gegen Kybartas ebenfalls nur einen Punkt und Manuel Hal­bisch nochmals zwei. So ging die Bodenwertung trotz VfL- Gala mit 8:0 nach Ries.

Am Seitpferd schlugen die VfL-Turner zurück. Julian Hausch besiegte Praetorius, Manuel Hoffmann musste sich Kibartas beugen, aber Henning Weise und Marcus Bay schrieben vier und fünf Score-Punkte dem Kirchheimer Konto gut. 11:4 ging diese Gerätewertung nach Kirchheim. Ries lag zur Halbzeit nur 20:16 vorn.

Nahezu ausgeglichen dann die Leistungen am Sprung. Manuel Hofmann, Marcus Bay, Simon Paul und Manuel Halbisch holten zwar keine Score-Punkte, Ries deren vier. Am Reck waren die Rieser deutlich überlegen. Moritz Pohl, Julian Hausch, Simon Paul und Marcus Bay ergatterten nur drei Score-Punkte, die Nördlinger aber neun.

Doch entschieden war damit der Kampf um den Aufstieg noch lange nicht. Denn der Barren war während der laufenden Saison eines der besten Kirchheimer Geräte gewesen. Ein richtig grober Fehler des Gegners und der VfL hätte wieder Anschluss gehabt. Moritz Pohl startete mit einem Score-Punkt gegen Maurice Praetorius, Julian Hausch holte vier. Simon Paul gab dann einen gegen Arian Trieb ab, Marcus Bay zwei gegen Ilya Kibartas. Der VfL hatte zwar dieses Gerät mit 5:3 gewonnen, den Rückstand aber nur noch minimal reduziert – die Turnsensation war damit ausgeblieben.

„Wir haben alles richtig gemacht. Auch das Setzen in den Duellen konnten wir gut nutzen“, meinte ein keinesfalls enttäuschter Matthias Pohl. Auch die graue Eminenz des Kirchheimer Turnens, Jürgen Heine, war begeistert, hatte sich der VfL im entscheidenden Wettkampf nochmals gesteigert und 294,45 Turnpunkte gesammelt –Bestwert in der laufenden Saison. Die KTV Ries hatte nur vier Punkte mehr.

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