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Sport-Geschwister (9): Die Bissinger Jungtalente Sophia und Ann-Cathrin Hummel träumen von einer Karriere als Tennisprofi

Sport-Geschwister (9): Die Bissinger Jungtalente Sophia und Ann-Cathrin Hummel träumen von einer Karriere als Tennisprofi

Sie sind klein, jung und voller Tatendrang: Die Bissingerinnen Sophia und Ann-Cathrin Hummel spielen Tennis aus Leidenschaft und auf einem für ihr Alter brillanten Niveau.

Hummel-geschwister (TCK-tennisplatz)
Hummel-geschwister (TCK-tennisplatz)

Kirchheim. Sophia und Ann-Cathrin Hummel machen vieles gemeinsam – Schularbeiten und Tennistraining zum Beispiel. Das Schlägerschwingen zu Übungszwecken gerät zum reinen Vergnügen für sie, denn die Leidenschaft für ihren Sport ist größer als jeder Muskelkater. „Tennisprofi möchte ich einmal werden“, sagt Sophia (9) spontan, wenn sie nach ihrem Wunschberuf befragt wird. Ihre Schwester, 11, sagt genau dasselbe, und Mutter Carmen Hummel nickt die Zukunftspläne ihrer Töchter ohne Hinweis auf etwaige schulische Erstprioritäten ab. Tatsächlich können die hochtalentierten Tennis-Schwestern aus Bissingen ihre kindlichen Karrierepläne in diesen Tagen uneingeschränkt ausleben. Das Zeug für eine Karriere hätten beide, sagt Toni Holzinger, der ihr Privattrainer ist.

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Holzinger, Zweitliga-Profi beim französischen Verein Clermont-Ferrand und Nummer eins beim Verbandsligisten TC Kirchheim, hat als Tennistrainer in der Schweiz, Spanien, Frankreich schon viel erlebt und nach eigener Aussage hochgerechnet „500 bis 800“ Nachwuchsspielerinnen unter seinen Fittichen gehabt, darunter bessere und schlechtere. Das Tennis-Zeugnis, das er seinen aktuellen Schützlingen ausstellt, ist vorzüglich: „Ich behaupte, dass Sophia und Ann-Cathrin schon jetzt spielerisch stärker sind als die Besten ihrer Altersgruppe in Frankreich.“ Holzinger, mit 14 selbst ein TCK-Shooting-Star, warnt zwar vor allzu euphorischen Erwartungen („man muss abwarten, wie ihre Entwicklung verläuft“), traut ihnen bei anhaltendem Trainingsfleiß und permanenter Technikschulung in zehn, zwölf Jahren aber durchaus den Sprung in die deutsche Top Ten der Damen zu.

Ausrufezeichen als Mannschaftsspielerin mit Doppelstartrecht bei den TCK-Juniorinnen (Nummer 1)sowie im Mädchenteam des STG Geroksruhe (Nummer 3) hat Ann-Cathrin gesetzt: Meistens holt sie Satz und Sieg, wenn sie gegen wesentlich ältere Mädchen spielt. 15 oder 16 seien die Kontrahentinnen gewesen, berichtet die Mutter stolz.

Den entscheidenden Leistungsschub erfuhren beide nicht auf einem deutschen Court, sondern auf den Tennisplätzen amerikanischer Colleges in den Jahren zwischen 2005 und 2010. Weil die Familie in diesen Jahren in den USA lebte – Vater Heiko Hummel hatte ein Jobangebot angenommen – erhielten die zwei Schwestern in den Bundesstaaten New York und Florida in dieser Zeit intensives US-Einzeltraining – für 100 Dollar die Stunde. Im Land der Williams-Sisters machten die Tennis-Schwestern aus Bissingen, beim damaligen Umzug drei und fünf Jahre alt, rasch Fortschritte – sprachlich und sportlich. Heute sprechen beide gutes Englisch und sind in ihren Jahrgängen echte Tennisgrößen. Und die jüngsten Aushängeschilder, die der TC Kirchheim derzeit hat, sind sie auch.

„Sophia beweist beim Spielen ein besonders gutes Auge und Ann-Cath­rin kann viele Schläge ziemlich gut“, sagt Holzinger über seine Eleven. Fertig für eine erfolgreiche Jugendlaufbahn kehrten beide im Vorjahr aus Übersee zurück – „mein Job ist es nun, ihr Talent weiterzuentwickeln“, sagt der Trainer.

Und der Job der Eltern ist es, ihre Vorzeige-Kids trotz der Vorschusslorbeeren auf dem Boden zu halten, sie daran zu erinnern, dass Erfolg nicht von alleine kommt. Weder auf dem Tennisplatz noch in der privaten Stuttgarter Merz-Schule, wo beide für einen vernünftigen Abschluss und vielleicht das Leben nach dem Tennis büffeln. Die Schule liegt gleich neben der Anlage des STG Geroksruhe, auf der beide regelmäßig trainieren können. Die Nähe ist ideal – auch für die Mutter, die fast Tag für Tag den Fahrdienst und die Betreuung ihrer Kinder in Stuttgart oder Kirchheim übernimmt. Damit hat Carmen Hummel ihre zwei Töchter zwar stets unter Kontrolle, lässt sie aber nach eigener Aussage an der langen Leine. Strenges Eltern-Coaching wie es einst angeblich der frühere Tennis-Manager Peter Graf mit seiner hochtalentierten Tochter Steffi praktizierte, lehnt sie ab.

Ohnehin trainieren Sophia und Ann-Cathrin auf den Courts von Kirchheim und Stuttgart fast von alleine: Tennis ist eine echte Herzensangelegenheit der beiden Mädchen. Bis zu 17 Wochenstunden trainieren sie Cross, Longline oder Lob, kämpfen an den Runden-Wochenenden um Punkte oder üben daheim in Bissingen – nur wenige ihrer Alterskameradinnen sind genau so tennisbesessen wie sie.