Lokalsport

Ende einer vierjährigen Durststrecke

Handball In seinem ersten Jahr als Trainer ist er mit dem VfL abgestiegen. Mit der Rückkehr in die Landesliga schließt sich für Engelbert Eisenbeil ein Kreis. Von Bernd Köble

Sekt oder Selters?  Das war die Frage am Samstag vor dem Anpfiff. Nach der Schlusssirene fand VfL-Coach Engelbert Eisenbeil die
Sekt oder Selters? Das war die Frage am Samstag vor dem Anpfiff. Nach der Schlusssirene fand VfL-Coach Engelbert Eisenbeil die Antwort. Sie lautet: Bier.Foto: Markus Brändli

Und plötzlich war da ein bisschen Bayern-Glamour, auch wenn die Bierdusche für den Trainer nach dem Abpfiff eher schwäbisch sparsam ausfiel. Vielleicht aus Rücksicht auf den Hausmeister, vielleicht aber auch einfach, weil man in Kirchheim das Bier lieber trinkt. Die Nacht nach dem Aufstieg jedenfalls endete für die VfL-Handballer so, wie sie begonnen hatte: mit der Dämmerung. Die Ältesten im Team - so hört man - seien die Letzten gewesen, die nach einem ausschweifenden Exkurs durch Kirchheims Kneipen den Weg ins Bett fanden.

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VfL-Abteilungsleiter Uwe Hamann ließ den Abend eher ruhig ausklingen. Schließlich ist er als Firmenchef daran gewöhnt, Aufgaben zu delegieren. Für ihn ließen es andere krachen: „Ich habe zwei Söhne, die das für mich machen,“ meint er grinsend. Seit Samstag muss Hamann damit leben, dass man ihn als Jupp Heynckes des Kirchheimer Handballs betitelt. Schuld daran ist das teamübergreifende „Triple,“ das er als Teil der Bank zu verantworten hat und das die Saison aus VfL-Sicht zu einer erfolgreichen macht: Die A-Jugend ist Bezirksliga-Meister und steht am kommenden Wochenende in Leinfelden in der HVW-Qualifikation, die zweite Mannschaft hat bisher ohne Punktverlust den Aufstieg in die Kreisliga A geschafft und für die „Erste“ heißt die Zukunft nun also Landesliga.

Der VfL ist zurück. Nach vier Jahren, in denen die Kirchheimer in der Bezirksliga eine tragende Rolle gespielt, den Aufstieg jedoch jeweils versemmelt haben. Für Engelbert Eisenbeil schließt sich damit ein Kreis. Vor vier Jahren stieg er gleich in seiner ersten Saison als Kirchheimer Trainer ab. Mit einer Mannschaft, die im Umbruch steckte. Mit vielen jungen Talenten, wie Martin Rudolph, Fabian Smetak oder Leo Real, von denen in der Landesliga einige noch mit Doppelspielrecht in der A-Jugend unterwegs waren. Bemerkenswert: Sieben Spieler von damals standen auch am Samstag beim Meisterstück gegen Bernhausen auf dem Spielfeld. Für Eisenbeil war es folglich eine Art späte Wiedergutmachung und der Beweis, dass der Generationenwechsel geglückt ist.

Landesliga ohne fremde Hilfe

Sonntagfrüh war der Coach angeblich unter denen, die am längsten durchgehalten haben. Aufhören, wenn es am schönsten ist? Das sollen andere machen. Eisenbeil plant mit dem VfL über die kommende Saison hinaus und Uwe Hamann freut das. Nicht nur, weil Denken und Handeln bei Kirchheims Abteilungschef noch nie dem Diktat des schnelllebigen Geschäfts unterlagen. Vielmehr, weil die Chemie zwischen beiden stimmt. Innenentwicklung lautet die Maxime, darin herrscht Einigkeit, und deshalb wird die Mannschaft auch in der Landesliga - Stand heute - kein neues Gesicht erhalten. Obwohl nicht wenige Experten der Meinung sind, ohne neue Kräfte wird das nichts. Mit Marcel Metzger und Simon Latzel werden zwei Linkshänder mit Torgarantie definitiv fehlen. Kapitän Roman Keller, der als Luft- und Raumfahrttechniker zurzeit an seiner Promotion tüftelt, mach sich eher darüber Gedanken, kürzer zu treten, als sein Trainingspensum in der Landesliga zu erhöhen.

„Wir können das aus eigener Kraft schaffen“, ist Uwe Hamann trotzdem überzeugt. Wo Kirchheim draufsteht, soll auch weiterhin Kirchheim drin sein. Bis auf Dominik Merkle, der vor der Saison aus Leonberg kam, stammen alle Spieler aus den eigenen Reihen. „Im Jugendbereich finden sich in jedem Jahrgang ein, zwei Talente, die für die nächsten Jahre Hoffnung machen“, sagt Hamann. Zwei davon sind seine beiden Söhne: Michael, der bereits in dieser Saison Ansprüche auf einen Stammplatz anmeldete und Lars, ein begabter Linksaußen, auf den der Trainer große Stücke hält und der im Sommer siebzehn wird. Zukunftsmusik - schließlich ist die alte Saison noch gar nicht beendet. Zwei Spiele stehen noch aus. Am 5. Mai will der VfL in Uhingen Bezirkspokalsieger werden. „Wir nehmen die Aufgaben, die jetzt noch kommen, sehr ernst“, sagt Engelbert Eisenbeil. „Alles andere wäre ja auch unseriös.“

Vier Bezirksliga-Meister stehen schon fest

Zwei Spieltage vor Saisonschluss ist in vier württembergischen Bezirksligen die Entscheidung um den Titel gefallen. Neben dem VfL Kirchheim liegen mit dem TV Großengstingen (Achalm-Nagold), der SG Bettringen (Stauferland) und der TSG Söflingen 2 (Bodensee-Donau) drei weitere Teams uneinholbar vorn.

Besonders spannend ist das Titelrennen im Bezirk Rems-Stuttgart. Dort liefern sich auf der Zielgeraden Tabellenführer TV Bittenfeld 3 mit einem Zähler Vorsprung und die beiden spiel- und punktgleichen Verfolger SV Remshalden 2 und HSG Oberer Neckar einen packenden Dreikampf an der Spitze.

Aus lokaler Sicht von besonderem Interesse ist ein Blick auf den Bezirk Enz-Murr, wo Spitzenreiter HSG Sulzbach-Murrhardt und den SV Kornwestheim 2 nur ein Punkt trennt. Bliebe es so, wäre Kornwestheims „Zweite“ Anfang Mai Gegner der SG Lenningen oder des TSV Owen in der ersten Relegationsrunde. bk