Lokalsport

Es geht auch dreckig

Kirchheims Basketballer spielen erfolgreich, ohne im Rhythmus zu sein

Schlecht spielen und trotzdem gewinnen, darin zeigt sich nicht selten der wahre Meister. Insofern war der Sieg mit der Brechstange am Samstag in Chemnitz für die Knights ein Qualitätsbeweis.

Seit Wochen in Topform: Auf Besnik Bekteshi ist in der Verteidigung wie in der Offensive derzeit Verlass.Foto: Zschage
Seit Wochen in Topform: Auf Besnik Bekteshi ist in der Verteidigung wie in der Offensive derzeit Verlass.Foto: Zschage

Kirchheim. Die neue Woche begann, wie die alte geendet hatte. Mit viel Chaos auf dem Spielfeld, lautem Geschrei und zahllosen Nickligkeiten. Vielleicht war es für Kirchheims Chefcoach Michael Mai am Montagmorgen der passende Rahmen, um im Modus zu bleiben. Umgeben von 40 kreischenden Kindern beim Basketball in der Schul-AG. Mais Art, sich zu erholen nach einem nervenaufreibenden Spiel wie am Samstag. Der 14. Saisonerfolg der Knights in der Pro A war weder schön anzusehen noch das Resultat spielerischer Überlegenheit. Ein „dreckiger“ Sieg mit viel Kampf und Krampf und einer schwachen Wurfquote, die zum Glück für die Kirchheimer vom Gegner noch unterboten wurde.

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Solche Siege sind wichtig. Gerade jetzt. Dass die Ritter ihren Rhythmus verloren haben, wurde schon die Woche zuvor gegen Essen offenbar. Defensiv noch immer kaum zu knacken, sind in der gegnerischen Hälfte derzeit zu viele auf der Suche nach dem eigenen Ich. Wochenlang hat sich die Mannschaft Bestnoten in Krisenmanagement verdient. Als es nur noch darum ging, überhaupt fünf gesunde Spieler aufs Feld schicken zu können, sind die übrig gebliebenen über sich hinausgewachsen. Jetzt ist die Mannschaft komplett, und es zeigt sich, dass das die Sache nicht wesentlich einfacher macht. Spieler wie Tim Koch oder Johannes Joos leiden nach längerer Verletzungspause sichtbar unter ihrem eigenen Anspruch. Die größere Rotation fügt sich noch nicht zum Ganzen. „Das ist wieder eine neue Situation“, sagt Michael Mai. „Auch für mich.“

In einem Spiel mit Haken und Ösen waren die Knights in Chemnitz nach der Pause das abgezocktere Team, ohne wirklich zu überzeugen. Zu denen, die den Sieg erzwingen wollten, zählte an diesem Abend auch der Kapitän. Richie Williams war zwar erneut der überragende Vorbereiter, leistete sich in heiklen Phasen aber zu viele Fehlversuche bei eigenen Würfen. Eine Quote von 27 Prozent aus dem Feld erlebt man beim Amerikaner selten. Ist ein Ausnahmekönner wie er mit der Doppelrolle als Alleinunterhalter im Spielaufbau und als Scorer überfordert? „Richie hat das Schicksal am Samstag etwas zu oft herausgefordert“, sagt der Trainer über seinen Musterschüler. „Da muss er mehr Kontrolle haben.“ Bei erneut 13 Assists fällt es freilich schwer, Kritik zu üben. Als Meister des finalen Passes ist der 28-Jährige in der Liga inzwischen eine Klasse für sich. Die Verantwortung beim Wurf selbst in die Hand zu nehmen, will der Trainer seinem a+Spielgestalter nicht abgewöhnen. Aus gutem Grund. „Wenn Richie nicht unter den drei besten Scorern in der Mannschaft ist, das hat die Vergangenheit gezeigt, dann haben wir ein Problem.“

Am Samstag ging es gut. 15 Siege, so die verbreitete Rechnung, genügen, um sicher in den Play-offs zu stehen. Ein Ziel, das in den beiden kommenden Begegnungen gegen Hanau und Leverkusen – beides Teams aus dem unteren Tabellendrittel – machbar sein müsste. Er würde gerne daran glauben, dass dies einfache Spiele seien, meint Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt. „Aber dann fällt mir wieder ein, in welcher Liga wir spielen.“ Um den Rechenschieber auszupacken, ist es noch zu früh. In wenigen Wochen könnte es aber bereits darum gehen, sich in der Tabelle in Position zu bringen. Um den schwersten Gegnern aus dem Weg zu gehen und sich zum Auftakt der Play-offs das Heimrecht zu sichern. Fans jedenfalls sollten sich den April schon mal vormerken.