Lokalsport

„Es wird eine extrem lange Sommerpause“

Volleyball Das abrupte Rundenende stellt die Frauen von Regionalligist TTV Dettingen vor eine Zerreißprobe.

Gejubelt wird bei den Dettingern Volleyballerinnen erst wieder kommende Saison. Foto: Markus Brändli
Gejubelt wird bei den Dettingern Volleyballerinnen erst wieder kommende Saison. Foto: Markus Brändli

Dettingen. Rein formell liest sich die Sache wie eine aus dem Bilderbuch: Vierter Tabellenplatz in der Abschlusstabelle, beste Platzierung seit dem Aufstieg, das Saisonziel („besser als Platz sechs“) erreicht - Sektflaschen werden bei den Regionalliga-Volleyballerinnen des TTV Dettingen allerdings aktuell keine geköpft, allenfalls wird die Stirn gerunzelt.

Das abrupte Saisonende Mitte März - zwei Spieltage vor dem geplanten Punktrundenende - hat unter der Teck nicht nur jeglichen Spiel- und Übungsbetrieb lahmgelegt, sondern vorerst auch weitgehend die Kommunikation. „Alles in der Schwebe“, sagt TTV-Abteilungsleiterin Clarissa Preuß hinsichtlich der Planung für die kommende Saison. Kein Mensch wisse aktuell, wie und wann es überhaupt weitergehe. „Es wird eine extrem lange Sommerpause, so wie ich es auch noch nie erlebt habe“, unterstreicht Dettingens Trainer Roland Hunger.

Die TTV-Spielerinnen? Angesichts der Krise mit anderen Themen beschäftigt - wie Anna-Lena Dosenbach. Die Zuspielerin muss noch die Abiturprüfung ablegen, ohne konkret zu wissen, wann. Der von ihr anschließend geplante Auslandsaufenthalt scheint zudem illusorisch in Hinblick auf immer mehr abgeschottete Länder.

Bleibt sie, geht sie? Nicht nur bei Anna-Lena Dosenbach eine ungeklärte Frage. Dieses Beispiel zeigt, dass aktuell für die TTV-Verantwortlichen das einzig Gewisse das Ungewisse ist. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich absolut keine Saisonplanung machen“, sagt Clarissa Preuß. Der Shutdown in den deutschen Volleyball-Ligen hat die Dettingerinnen kalt erwischt. Statt eines gemütlichen Ausklangs der Runde mit Abschlussfest inklusive Ausloten von Zusagen für die neue Saison, herrscht nun Funkstille. „Wir sehen uns einfach nicht, die Coronakrise bringt ein abruptes Ende vieler sozialer Kontakte“, klagt Clarissa Preuß.

Macht Hunger weiter?

Für den TTV könnten diese vielen ungeklärten Fragen allerdings zur Zerreißprobe werden. Gemunkelt wird, dass einige Spielerinnen, unabhängig der Coronakrise, ein Karriereende in Betracht ziehen, andere kürzertreten wollen. TTV-Trainer Roland Hunger setzt dabei auf den Faktor Zeit. „Nach Ostern werden wir mehr wissen“, lautet die Einschätzung des Chefcoachs. Dann wollen und sollen Spielerinnen, Betreuer und Funktionsträger den Kontakt intensivieren - wegen des Versammlungsverbots vermutlich nur auf digitalem Wege. Hunger hält sich nach Klubangaben ein weiteres Engagement unter der Teck noch offen, allerdings mit der Tendenz, eine weitere Saison dranzuhängen.

Clarissa Preuß muss unterdessen in den kommenden Wochen viele weitere Fragen klären. Der traditionell von etlichen Kleinsponsoren unterstützte TTV bangt um diese dringend notwendigen Mittel. Wie und ob die Förderer trotz virusbedingtem Ausnahmezustand im bisherigen Umfang weitermachen oder nicht - ein weiterer Unsicherheitsfaktor bei den Planungen.

Zumal die Coronakrise die Dettinger Volleyballer auch an der Basis im Kinder- und Jugendbereich zu erwischen droht. „Findet über einen langen Zeitraum kein Training statt, sind viele Kids weg“, befürchtet Abteilungsleiterin Clarissa Preuß - und damit auch ein Bestandteil der kommenden Volleyball-Generation. Reimund Elbe

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