Lokalsport

Europameister!

Riesenjubel im deutschen Mountainbike-Lager nach dem Staffelsieg – Italiener im Pech

Riesenjubel bei Manuel ­Fumic: Zum ersten Mal hat eine deutsche Mountainbike-Staffel einen Titel geholt. Der Kirchheimer führte am Donnerstagabend in Chies d’Alpago das BDR-Quartett bei der Europameisterschaft zur Goldmedaille und schaut jetzt zuversichtlich auf das Einzelrennen am ­Sonntag.

So freut sich ein Europameister: Manuel Fumic bei der Zieldurchfahrt.Foto: Armin M. Küstenbrück
So freut sich ein Europameister: Manuel Fumic bei der Zieldurchfahrt.Foto: Armin M. Küstenbrück

Chies d’Alpago. Gelegenheit zum Jubel mit Teamkollegen, das gibt es in der Individualsportart Mountainbike selten – exakt zweimal im Jahr, bei EM und WM, wenn es denn klappt mit einer Medaille. Am Donnerstagabend war es so weit: Das deutsche Quartett hüpfte im Zielraum Arm in Arm auf und ab, nachdem Manuel Fumic die Ziellinie überquert hatte.

Der Kirchheimer hatte schon vor der Ziellinie genügend Zeit um zu jubeln, denn der engste Verfolger aus der Schweiz folgte mit 50 Sekunden Verspätung. Beim Bund Deutscher Radfahrer hatte man sich im Vorfeld berechtigte Chancen auf Gold ausgerechnet. Dafür mussten allerdings erst die starken Italiener bezwungen werden. Als Fumic den imaginären Staffelstab von Helen Grobert (Freiburg) übernahm, schien das kaum mehr möglich zu sein. Der italienische U23-Fahrer Gioele Bertolini war nämlich bereits eine Minute voraus.

„Das hätte wohl im Normalfall nicht mehr gereicht“, meinte Bundestrainer Peter Schaupp hinterher. Er sprach im Konjunktiv, weil Bertolini nur wenige Hundert Meter unterwegs war, als ihm die Kette riss: Aus der Traum vom Titel vor heimischem Publikum. Fumic passierte den rennenden Bertolini und wusste: Gold lag auf dem Silbertablett.

„Ich bin den ersten Anstieg noch voll hochgefahren, um genügend Abstand zu haben. Danach bin ich nur noch auf Sicherheit gefahren“, erklärte der 33-Jährige, wie er den allerersten Titel für eine deutsche Staffel ins Ziel brachte.

Nach der ersten Runde waren die Deutschen etwas ins Zweifeln geraten, denn Junior Max Brandl aus Lohr am Main hatte auf den Essener U23-Fahrer Ben Zwiehoff an zehnter Stelle gewechselt – mit einer Minute Rückstand auf die Italiener. Allerdings gegenüber Andrea Tiberi und der war in diesem Jahr im Elite-Weltcup schon in den Top Ten zu finden. Durch die beliebige Reihenfolge, in der eine Staffel aufgestellt werden kann, lässt sich während der Konkurrenz meist schwer einschätzen, was eine Leistung wert ist. Zwiehoff machte seine Sache gut, fuhr bis auf Rang vier nach vorne und übergab an Helen Grobert. Die verbesserte sich auf Platz zwei, verlor aber gegenüber Eva Lechner aus Italien eine knappe halbe Minute.

Was ist der Titel wert? Manuel ­Fumic lachte später: „Europameister“ rief er lapidar. Das Bild war emotional: Vier Goldmedaillen hingen um vier Hälse. Das Edelmetall wird für gute Stimmung im deutschen Lager sorgen und vielleicht ein wenig Schwung für die Einzel-Wettbewerbe geben.

Fumic nahm aus dem Rennen noch eine andere Erkenntnis mit. „Ich habe mich super gefühlt. Das Rennen war für Sonntag sehr hilfreich, denn es war gut, zu sehen, wie die Strecke am Limit zu fahren ist. Das kann man im Training nicht simulieren“, meinte er.

Seine Zeit war 13 Sekunden langsamer als die von Olympiasieger Jaroslav Kulhavy, doch der Tscheche kämpfte in der Schlussrunde gegen den Schweizer Andri Frischknecht auch noch um die Silbermedaille. Kulhavy fuhr auf der 4,42 Kilometer langen Runde zwar die beste Zeit, doch am Ende fehlten ihm 15 Sekunden auf Rang zwei.

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