Lokalsport

Felix Pohl ist auf dem Sprung

Turnen Nach dem unverhofften Aus des MTV Stuttgart ist der Kirchheimer auf der Suche nach einem neuen Team und hofft noch aufs WM-Ticket. Von Klaus Schlütter

Landeort ungewiss: Felix Pohl. Foto: Qingwei Chen
Landeort ungewiss: Felix Pohl. Foto: Qingwei Chen

Wohin führt der Weg von Felix Pohl? Die sportliche Zukunft des Kirchheimer Bundesligaturners für den MTV Stuttgart ist ungewiss, sowohl die kurz- als auch die langfristige. Kann der 22-jährige deutsche Meister von 2017 am Reck das Ticket für die WM Ende Oktober in Doha noch lösen? Und für welchen Klub turnt er künftig, nachdem sein bisheriger Verein beschlossen hat, das Männerteam zum Saisonende aus der Bundesliga zurückzuziehen?

Bei der Beantwortung der ersten Frage ist Skepsis angebracht. Am vergangenen Wochenende belegte Pohl, wie berichtet, bei der WM-Qualifikation in der Stuttgarter Scharrena im Sechskampf den siebten Platz. Die Chancen, es bei der zweiten Ausscheidung im Rahmen der DM am übernächsten Wochenende in Leipzig nach Katar zu schaffen, sind minimal.

Wesentlich offener ist die Entscheidung, für wen er ab der kommenden Saison um Bundesligapunkte kämpfen wird. „Ich nehme mir Zeit mit der Suche. Ich habe erst einen Tag, bevor es öffentlich wurde, erfahren, dass der Verein aussteigen wird. Ich war ebenso überrascht wie alle anderen in der Mannschaft“, sagt er.

Verständlich das Erstaunen, zählte der MTV Stuttgart doch in der Vergangenheit zu den Topteams in der Bundesliga. War 2014 deutscher Mannschaftsmeister und erreichte in jedem Jahr, in dem Felix Pohl dabei war, das große oder kleine Finale.

In dieser Saison nun der Absturz. Sportlich kann der MTV zwar nicht mehr absteigen, aber das Aus für die Turner nach den beiden noch ausstehenden Bundesliga-Wettkämpfen steht unverrückbar fest. Der Verein ist finanziell nicht mehr in der Lage, eine schlagkräftige Riege auf die Beine zu stellen und damit nicht mehr konkurrenzfähig. Im Gegensatz zu Klubs im ländlichen Raum, die für regionale Geldgeber interessanter sind, fehlt es in der Metropole an ausreichend Sponsoren und Jobangeboten für Sportler, die im Schatten des allmächtigen VfB stehen. Spitzenturner wanderten ab, wie zum Beispiel Marcel Nguyen. Beim KTV Straubenhardt gibt es für ihn mehr Geld und eine berufliche Perspektive. Dabei bietet die sogenannte Turnhauptstadt ideale Voraussetzungen für diese Sportart. Es gibt den Olympiastützpunkt und das renommierte Kunstturnforum im Neckarpark. In der Porsche-Arena findet jährlich der internationale DTB-Pokal statt. Und im nächsten Jahr steigt in der Schleyer-Halle sogar die WM.

Im Gegensatz zu den Männern sind die erfolgreicheren MTV-Frauen von der Streichung nicht betroffen. Sie waren in den vergangenen sechs Jahren sechsmal deutscher Meister und bleiben das Zugpferd des Vereins.

Der bald Bundesliga-lose Felix Pohl hat nun - wie seine beiden verbliebenen Kollegen Sebastian Krimmer und Alexander Maier - die Qual der Wahl. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten für einen Wechsel“, sagt er. „Darunter Heilbronn oder Schwäbisch Gmünd. Oder einer der drei Aufsteiger.“ Der KTV Obere Lahn scheidet aus - auch dieses Team zieht sich aus dem Oberhaus zurück. Die Eliteriege von Straubenhardt ist komplett, hat keinen Platz mehr zu vergeben.

Kommt Zeit, kommt Rat. Pohl, der auch das Startrecht für den VfL Kirchheim besitzt, konzentriert sich jetzt verstärkt auf das kürzlich begonnene Fernstudium in Logistik-Management - ein mögliches Berufsziel, wenn er seinen Dienst bei der Sportfördergruppe Todtnau quittiert und die Karriere im Kunstturnen beendet hat.

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