Lokalsport

Feuer frei Richtung Bundesliga

Sportschießen Ötlinger Luftpistolenschützen haben am Wochenende in Pforzheim den Wiederaufstieg in die höchste deutsche Wettkampfklasse im Visier. Von Klaus Schlütter

Auf ihm ruhen die Ötlinger Hoffnungen am Wochenende in Pforzheim: Yusuf Dikec (Zweiter von rechts). Foto: Poppek

Jemand, der es gut meinte mit den Ötlinger Pistolenschützen, schenkte ihnen ein Hufeisen. Doch das Ding taugte nicht als Glücksbringer. Die beiden folgenden Wettkämpfe gingen verloren. Seitdem verzichten sie auf jegliche Art von Maskottchen und vertrauen allein ihrem Können - auch am kommenden Sonntag in Pforzheim bei der Aufstiegs-Relegation zur Luftpistolen-Bundesliga Süd.

Der TSV Ötlingen ist eine von vier Mannschaften, die sich auf der Anlage im Landesleistungszentrum um zwei freie Plätze im Oberhaus bewerben. Klarer Favorit ist die HSG München mit Olena Kostevych an Nummer eins. Die Weltklasseschützin aus der Ukraine glänzte am letzten Vorrundentag vor drei Wochen mit zweimal 392 von 400 möglichen Ringen. Dass die HSG wieder dabei ist, kam für viele überraschend. Am Ende der Saison 2016/17, als Ötlingen nach 20 erstklassigen Jahren erstmals abgestiegen war, hatten sich die Münchner plötzlich aus der Bundesliga abgemeldet - aus Verärgerung, dass sie nicht auf ihrer eigenen Anlage schießen durften, die nicht den DSB-Vorschriften entspricht. Doch wenig später die Reue, der Rückzieher, und sie waren wieder dabei.

Die anderen drei Aufstiegsanwärter sind neben Ötlingen der SV Sandhausen aus der Gruppe Südwest und die FSG Hilpoltstein aus dem Süden, allerdings als Vorrundendritte. Der Grund: Gruppenzweiter SV Kelheim-Gmünd II kann nicht aufsteigen, weil die „Erste“ der Kelheimer bereits der Bundesliga angehört. „Diese drei Mannschaften auf Augenhöhe werden um den zweiten Aufstiegsplatz kämpfen“, ist Ötlingens Schützenchef Joachim Poppek überzeugt.

Sein Trumpf in der Hinterhand heißt Yusuf Dikec, türkischer Nationalschütze, 44 Jahre alt und schon häufig eine willkommene Verstärkung für das TSV-Team. Wenn alles klappt wie vorgesehen, wird ihn Poppek heute vom Münchner Flughafen abholen und bis Samstag bei einem internationalen Wettkampf mit Topschützen auf der Olympiaanlage von 1972 betreuen. Kommuniziert wird auf Englisch. Danach fahren sie gemeinsam nach Kirchheim und am Sonntagmorgen weiter nach Pforzheim, wo um 11.45 Uhr die ersten Schüsse fallen. „Yusuf bekommt die Reise- und Übernachtungskosten erstattet, sonst nichts“, so Poppek über einen der selten gewordenen wahren Amateure im Spitzensport.

Zu dieser Spezies dürfen auch die anderen Schützen im TSV-Team gezählt werden. Fabian Dröge zum Beispiel. Der studiert Chemie in Jena, wird nach dem Wettkampf mit Torben Engel im Auto nach Frankfurt fahren, in einen Zug umsteigen, um am Montagmorgen pünktlich an Ort und Stelle zu sein. Den sofortigen Wiederaufstieg perfekt machen sollen ferner Jörg Kobarg, Stefan Scharpf und Achim Rieger. Markus Geipel, der zuletzt gegen Ebersbach den entscheidenden dritten Punkt zum 3:2-Sieg holte, gibt diesmal den Coach. Bis auf Dikec werden alle zusammen bereits am Samstag zu einem „Schnuppertraining“ nach Pforzheim fahren, aber am Abend noch einmal zurückkehren, um vor der erneuten Hinfahrt im eigenen Bett zu schlafen.

Geschossen wird in zwei Durchgängen, um 11.45 und 15.15 Uhr, nach einem anderen Modus als in der laufenden Runde. Diesmal gibt es keine Duelle Mann gegen Mann. Jeder gibt zweimal 40 Schuss ab, kann sich ganz auf sich konzentrieren. Am Ende werden alle Ergebnisse zusammengezählt. Die zwei Mannschaften, die nach insgesamt 400 Schüssen die höchsten Resultate erzielt haben, ersetzen die Absteiger Edelweiß Scheuring und SV Willmandingen in der Bundesliga Süd.

Übrigens: Für die Ötlinger Schützen ist Pforzheim ein gutes Pflaster. Im Januar 2006 mussten sie dort schon einmal in die Relegation. Und schon damals war Yusuf Dikec dabei. Im ersten Durchgang trug er eine neue Schießbrille, hatte aber trotzdem nicht den richtigen Durchblick. Die 377 Ringe waren für ihn enttäuschend. In der zweiten Runde verzichtete der Türke auf seine Sehhilfe - und sicherte dem TSV Ötlingen mit überragenden 392 Ringen den Klassenerhalt. Wenn das kein gutes Omen ist.

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