Lokalsport

Forzano wird neuer Trainer beim VfL

Fußball Der bisherige Coach des AC Catania Kirchheim übernimmt beim Stadtrivalen aus der Bezirksliga im Sommer die Nachfolge von Markus Schweizer. Von Klaus Schlütter

Gibt künftig beim VfL die Richtung vor: Michel Forzano. Foto: Genio Silviani
Gibt künftig beim VfL die Richtung vor: Michel Forzano. Foto: Genio Silviani

Bildlich betrachtet bedurfte es für den VfL Kirchheim nur einen Sprung über die Lindach, um einen neuen Trainer zu verpflichten. Der Rasenplatz des AC Catania Kirchheim liegt keine hundert Meter von der eigenen Spielfläche entfernt. Von dort holten die „Blauen“ Michel Forzano (29) als Nachfolger von Markus Schweizer, der, wie berichtet, zu Saisonende sein Amt aus beruflichen Gründen zur Verfügung stellt.

Gestern Abend gegen 21 Uhr wurden beide Mannschaften fast zeitgleich über den Trainerwechsel informiert. „Wir hatten mehr als zehn Bewerber“, versichert VfL-Abteilungsleiter Oliver Klingler, „aber wir haben uns nur mit drei Kandidaten unterhalten.“ Forzano war einer davon, der mit Klingler und dessen Abteilungs-Mitverantwortlichen Carl Magg und Claus Maier am Verhandlungstisch saß. Seine endgültige Zusage gab er nach zwei Tagen Bedenkzeit. Er startet mit Beginn der nächsten Saison, wie beim VfL üblich, mit einem Einjahresvertrag.

„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, betont Forzano, Catanese von ganzem Herzen. Aufgewachsen in diesem Verein, der von italienischen Gastarbeitern 1976 unter der VfL-Flagge gegründet und 1993 eigenständig wurde. „Damals stand ich noch als kleiner Bub hinterm Tor und habe die Bälle aufgelesen“, erinnert sich der 29-Jährige. Später kickte er zweimal für den VfL, 2019/10 in der Oberliga, 2012/13 in der Verbandsliga. Dazwischen lagen zwei Jahre bei „seinen“ Catanesi. Es folgten zwei Spielzeiten beim TSV Bad Boll, bevor er 2015 zu seinen Italienern zurückkehrte. Im ersten Jahr unter Forzanos Regie wurde Catania auf Anhieb Meister der Kreisliga B, scheiterte jedoch in der Relegation im Elfmeterschießen an Bempflingen. Ein Jahr später klappte der Aufstieg auf direktem Weg.

Dass er nun zum dritten Mal die VfL-Farben vertritt, ist ein Akt der Vernunft. Bei seinem kleinen Verein mit nur 30 Mitgliedern war er zuletzt Mädchen für alles. „Ich hatte keinen Co-Trainer, keinen Betreuer. Nur Maurizio Latte hat mir geholfen. Irgendwann ist das nicht mehr zu verkraften, wenn man einen Beruf hat.“ Forzano arbeitet momentan als Buchhalter in Schlierbach, will sich ab Herbst weiterbilden. Latte über seinen Kumpel: „Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen.“

Spielerpass bleibt in Hinterhand

Beim Tabellendritten AC Catania gibt Michel Forzano bis zum letzten Spieltag am 9. Juni noch als Spielertrainer den Ton an. Beim VfL wird er ausschließlich Trainer sein. Auf der einen Seite, um sich ganz auf die Mannschaft konzentrieren zu können. Andererseits, weil das Knie wegen eines alten Knorpelschadens die höhere (Trainings-)Belastung in der Bezirksliga nicht verkraften würde. Für den Notfall behält er den Spielerpass jedoch in der Hinterhand.

Doch so ein Notfall soll in der nächsten Saison möglichst vermieden werden. Darum bemühen sich Klingler & Co: „Wir werden uns gezielt verstärken und das Gesicht der Mannschaft verändern. Das Gros der Spieler bleibt. Ihre Zusagen haben wir schon seit vier Wochen“, sagt der Abteilungsleiter.

Die Möglichkeit, mit einem Aufstieg in die Landesliga noch in der laufenden Saison Spieler-Werbung in eigener Sache zu machen, wurde zuletzt binnen weniger Tage verspielt. Gegen Berkheim und Neidlingen ließ der VfL fünf Punkte liegen. Dazu der wohl unvermeidbare „Dreier“ im Grünen Tisch wegen eines Online nicht gemeldeten Spielers gegen Faurndau. Das Urteil der Spruchkammer ist laut Auskunft des WFV nicht vor kommender Woche zu erwarten.

Drei Fragen an Michel Forzano

1. Wie schwierig ist der Spagat zwischen Ligaalltag mit dem AC Catania und Saisonvorbereitung beim VfL?

Mir ist klar, dass ich in den nächsten Wochen vor einer großen Doppelbelastung stehe. Mit Catania ist die Chance noch da, wieder nach vorne zu kommen, wenn wir die direkten Duelle gegen die beiden Konkurrenten gewinnen. Beim VfL muss ich mich in die Kaderplanung einbringen. Dazu werde ich mir auch verstärkt Spiele anschauen.

2. Kennen Sie noch Spieler aus der Zeit, als Sie für den VfL aktiv waren?

Da sind nicht viel übrig geblieben. Mit Andreas Elsässer und Marcel Helber habe ich beim VfL in Oberliga- beziehungsweise Verbandsligazeiten zusammengespielt. Mehr fallen mir nicht ein.“

3. Wenn der VfL in der Bezirksliga verbleibt, kann das Ziel nur der Aufstieg sein. Aber die Konkurrenz wird stärker. Macht Ihnen das Sorgen?

Im Gegenteil. Gegen Mannschaften wie Köngen oder Nürtingen zu spielen, motiviert mich erst recht. Gerade die Derbys machen immer Spaß. Wir werden hoffentlich so stark sein, auch gegen solche Gegner zu bestehen.“ks

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