Lokalsport

Frau Holle und die Heinzelmänner

Wintersport Mit der Schneedecke ­wachsen bei Ski-Veranstaltern Nervosität und ­Vorfreude. Böhringen macht den Anfang, ­Neidlingen ist gewappnet. Von Bernd Köble

Was man unterm Reußenstein von Business-Coaching hält? Vermutlich nicht allzu viel. Maximale Flexibilität, Teamfähigkeit, die muss man in Neidlingen nicht erst erlernen. Die hat man. Schon immer. Seit die Winter wärmer werden, immer mehr. Die Skiabteilung im TVN würde sich als Unternehmensmodell wohl auf jedem Markt behaupten. Eingespielt, zielstrebig, effektiv. Die schnelle Eingreiftruppe aus dem Kernobstgürtel im Lindachtal steht in Alarmbereitschaft, sobald es zum ersten Mal flöckelt. Kurt Ambacher, der alpine Obmann des TVN, hat jahrzehntelang Erfahrung, innerhalb weniger Tage wenn nicht gar Stunden eine Großveranstaltung wie den Reußensteincup aus dem gefrorenen Erdreich zu stampfen.

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2016 gingen die Neidlinger leer aus. Diesmal könnte vieles passen. Der 15. Januar als Termin fürs Rennen stand schon im alten Jahr fest. Der Wintereinbruch in diesen Tagen könnte zum Glücksfall werden. Unsicherheit bleibt. Wie viel und wie lange es schneit, weiß keiner. „Wenn der Frost über Tag anhält,“ sagt Ambacher, „dann lässt sich mit Wasser viel machen.“ Etwa 50 Mann werden am Wochenende im Einsatz sein, um die Strecke fürs Erste so gut es geht zu präparieren. Gut 30 Helfer sind allzeit verfügbar. So wie andernorts die Freiwillige Feuerwehr. Viele davon sind Rentner, für andere bleibt nur Urlaub auf Abruf. Funktioniert hat es bisher immer. Immer dann, wenn es nötig war.

Der Drang, die meist kurzen Schneeperioden optimal zu nutzen, bringt die Neidlinger aber auch in Terminnot. Am kommenden Samstag steht der Nachtslalom an der Pfulb in Schopfloch im Kalender. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem TV Unterlenningen. Die Zeit dafür ist knapp, der Termin womöglich zu früh für die momentane Schneelage. Endgültig darüber entschieden werden soll erst heute, doch Kurt Ambacher fürchtet: „Beides werden wir auf die Schnelle wohl nicht schaffen.“

Das meint auch Walter Allgaier, Skiliftbetreiber an der Pfulb, der morgen die Saison eröffnen will, so das Wetter mitspielt. Kommt heute Nacht genügend Neuschnee hinzu, rechnet er am Wochenende mit den ersten Vereins-Skikursen. „Für ein Rennen dürfte es aber noch zu früh sein“, glaubt auch er.

Entschlossenes Handeln, Improvisationskunst, kurze Informationswege, all das zählt in diesen Tagen. Die Vereinstelefone laufen heiß, in sozialen Netzwerken rauscht der Verkehr. Schließlich wollen auch Rennläufer wissen, wo am Wochenende der Startschuss fällt. Das Winter-Opening könnte mit etwas Glück am Wochenende in Böhringen stattfinden. Die Skizunft Römerstein ist am Sonntag Ausrichter der Nordic Leki Race-Challenge, der nordischen Schwester der gleichnamigen alpinen Rennserie, die im Januar und März im Bregenzerwald und im Allgäu stattfindet. Die Gipfel, nach denen es sich auf der Alb zu strecken gilt, sind die Maulwurfshügel entlang der Langlauf-Strecke am Schachen. „Für die sollte die Schneehöhe zumindest reichen“, meint Frieder Gerber, Chef de Mission im Skibezirk. Eine weitere Unbekannte: Der Wetterdienst sagt heftige Windböen mit Schneeverwehungen voraus. Deshalb gilt auch in Böhringen: Entschieden wird ganz kurzfristig.