Lokalsport

Freizeitsport als Knochenjob

Motocross Marcel Faustmann ist auf der Suche nach Konstanz und dem perfekten Gespann-Partner. In Aichwald wird der deutsche Vizemeister nur Zwölfter. Von Kerstin Dannath

Nichts für schwache Nerven: Marcel Faustmann (rechtes Foto, rechts) und sein Partner Ronny Benning bildeten bei der DM in Aichwa
Nichts für schwache Nerven: Marcel Faustmann (rechtes Foto, rechts) und sein Partner Ronny Benning bildeten bei der DM in Aichwald ein Team.Fotos: Robin Rudel

Marcel Faustmann hadert ein bisschen. Mit sich selbst und mit der Welt. Im Vorjahr fuhr der Weilheimer Seitenwagen-Pilot mit Beifahrer Max Frech beim Motocross in Aichwald aufs Podium und wurde deutscher Vizemeister - in diesem Jahr fährt der Weilheimer der Konkurrenz hinterher. „Ist schon bitter, wenn die Jungs, die man bislang locker hinter sich gelassen hat, plötzlich an einem vorbeibrausen“, sagt der 31-Jährige. Nach der Qualifikation als 15. gestartet, landete Faustmann im drittletzten Rennen zur deutschen Seitenwagenmeisterschaft am Wochenende in Aichwald nur auf Platz zwölf.

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Es war allerdings auch die erste Bewährungsprobe nach längerer Zeit mit Beifahrer Ronny Benning, denn mit seinen Kopiloten hatte Faustmann zuletzt mächtig Pech. Max Frech musste nach einer schweren Schulterverletzung den Helm an den Nagel hängen, sein Nachfolger verletzte sich ebenfalls. Die Suche nach Ersatz gestaltet sich schwierig. Mit dem Brandenburger Benning ist der Weilheimer immerhin schon mal zwei Jahre lang gefahren. Man kennt sich. „Er ist kurzfristig eingesprungen“, sagt Faustmann.

Der Sport geht auf die Knochen, vor allem beim Beifahrer. Wenn der Fahrer den nächsten Hügel anvisiert und das Motorrad samt Seitenwagen abhebt, beginnt sein Job. Er muss für den nötigen Halt sorgen, das Gefährt im Lot halten, Kurven ermöglichen. Waghalsigkeit im Dauermodus. „Gute Beifahrer sind Mangelware“, meint Faustmann. Und der Schuster bleibt auch meist bei seinen Leisten. So will Beifahrer Benning ebenso wenig ans Steuer, wie sich Pilot Faustmann in den Seitenwagen stellt.

Zu dem Sport gehört aber noch mehr. Unzählige Trainingsrunden auf Strecken in ganz Deutschland, Kraft- und Konditionstraining. Und auch der Arbeitgeber muss mitspielen - mit Seitenwagenrennen verdient sich keiner eine goldene Nase. Zwischen 50 000 bis 60 000 Euro werden pro Saison verpulvert. „Wenn es gut läuft, ist die Hälfte des Etats durch Sponsorengelder abgedeckt“, sagt Faustmann. Er hat den Vorteil, dass ihm das komplette Equipment, ein fahrbarer Untersatz mit integrierter Werkstatt und Schlafmöglichkeiten sowie das Gespann - eine Spezialanfertigung aus den Niederlanden - selbst gehört. Als Kfz-Meister kann er viel technische Arbeit selbst erledigen.

Letztlich muss auch die Familie mit an einem Strang ziehen. So gehört seine Ehefrau neben Beifahrer, Mechaniker und Manager fest zum Team Faustmann. Sie plant das Catering für die gesamte Mannschaft und kümmert sich um die Unterkünfte an den Rennwochenenden. Seit eineinhalb Jahren gehört auch ein Babyfon zur Standardausstattung - Töchterchen Mila ist fast immer mit dabei, wenn der Papa fährt.