Lokalsport

Für Frickenhausens Talent wird ein Traum wahr

Tischtennis Der 22-jährige Dang Qiu steht ab Sonntag im deutschen Aufgebot für die WM in Budapest.

Dang Qiu (links) im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen Timo Boll. Bei der WM sind die beiden Teamkollegen.Foto: Stei
Dang Qiu (links) im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen Timo Boll. Bei der WM sind die beiden Teamkollegen.Foto: Steinbrenner

Nürtingen. Dang Qiu kann sich noch genau an die Weltmeisterschaften vor knapp zwei Jahren in Düsseldorf erinnern. Der Tischtennis-Profi aus Linsenhofen hatte bei einem zuvor ausgetragenen, internen Ausscheidungsturnier um die letzten zwei WM-Plätze im deutschen Aufgebot nur den sechsten und letzten Platz belegt. „Damals war ich noch sehr jung“, nennt der heute 22-Jährige den Grund, weshalb er sich deshalb noch mit der Zuschauerrolle begnügen musste.

Wenn von Sonntag an bis zum 28. April die nächsten Titelkämpfe, diesmal in Budapest, ausgetragen werden, wird das anders sein. Diesmal darf Qiu für Deutschland in die Box gehen. Bereits vor der fünften und letzten Runde, der von Bundestrainer Jörg Roßkopf erneut angesetzten Qualifikationsveranstaltung, ist dem Bundesligaspieler des ASV Grünwettersbach das Ticket für die Reise an die Donau nicht mehr zu nehmen. „Ich bin überglücklich und freue mich natürlich sehr, erstmals überhaupt an einer WM teilnehmen zu dürfen“, sagt das Eigengewächs des TTC Frickenhausen.

Durch die 3:2-Erfolge gegen Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell) und Ricardo Walther (ASV Grünwettersbach), den verletzungsbedingt kampflosen 3:0-Sieg gegen Kilian Ort (TSV Bad Königshofen) sowie den Vier-Satz-Triumph gegen den früheren Frickenhäuser Bastian Steger (mittlerweile SV Werder Bremen) hat sich Dang Qiu als vierter deutscher Spieler qualifiziert.

Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg) und Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT) haben aufgrund ihrer Weltranglistenposition bereits einen Platz des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sicher. Das interne Kräftemessen wurde unter Wettkampfbedingungen ausgetragen. In der Trainingshalle des deutschen Tischtennis-Zentrums in Düsseldorf fanden jeweils drei Begegnungen in Center-Court-Atmosphäre und mit Schiedsrichtern parallel statt. Jeder Spieler durfte sich einen Betreuer aussuchen.

Dang Qiu entschied sich für Dirk Lion, ehemaliger Co-Trainer in Grünwettersbach. Zuschauer waren nicht zugelassen. Lediglich die Mitglieder der Trainingsgruppe sowie das Trainerteam durften die Spiele beobachten. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich schon so früh die Qualifikation geschafft habe“, sagt Qiu, der in dieser Saison bereits durch herausragende Ergebnisse bei den Spanish Open (zweiter Platz), den Belgien Open und den deutschen Meisterschaften (jeweils Rang drei) zu überzeugen wusste. Und das nicht ohne Hintergrund, denn in der letzten Partie am nächsten Montag kommt es noch zum Duell mit Benedikt Duda.

Beide sind eng befreundet und leben seit Dezember 2017 zusammen in einer Düsseldorfer Wohngemeinschaft, zu der auch U23-Nationalspieler Nils Hohmeier (TuS 92 Celle) gehört. „Zum Glück geht es für mich im Spiel gegen Benedikt um nichts mehr. Wir verstehen uns einfach super. Das wäre keine einfache Situation geworden.“

Duda kann mit einem Sieg noch auf den WM-Zug aufspringen, doch dafür muss Steger gegen den noch sieglosen Filus verlieren. Am Karfreitag geht es für Dang Qiu in die ungarische Hauptstadt. Bis dahin wird noch fleißig trainiert. Die Vorfreude ist allerdings jetzt schon spürbar. „Die WM-Qualifikation ist für mich auf jeden Fall schon mal ein sehr großer Erfolg.“ Auch ein Ziel hat sich der Penholderspieler bereits gesetzt. „Ich möchte das Hauptfeld der besten 128 erreichen.“ 64 Spieler sind gesetzt, weitere 64 müssen durch die Qualifikation. Dazu gehört auch Qiu, der bereits seit vier Jahren in Grünwettersbach unter Vertrag steht.Marco Steinbrenner

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