Lokalsport

Fuerteventura statt Fußball

Früher Saisonstart stößt in der lokalen Fußballszene wegen urlaubsbedingter Ausfälle auf geteiltes Echo

Kalendarisch früh wie nie zuvor müssen die Fußball-Kreisligisten ran. Der Saisonstart am 14. August löst bei den Beteiligten geteiltes Echo aus.

Der Kalender lügt nicht: Morgen beginnt auf den lokalen Fußballplätzen die neue Saison - begeistert sind davon längst nicht alle
Der Kalender lügt nicht: Morgen beginnt auf den lokalen Fußballplätzen die neue Saison - begeistert sind davon längst nicht alle Vereine. Fotomontage: Carsten Riedl

Kirchheim. Der Rahmenterminkalender für die Kickerzunft bietet den Fußballplanern auf lokaler Ebene grundsätzlich einigen Spielraum. So hat der Württembergische Fußball-Verband (WFV) in diesem Jahr den 7. August als frühesten Startermin festgelegt. Die Bezirke können freilich den tatsächlichen Auftakt an die Bedürfnisse und jeweiligen Situationen anpassen.

Im Bezirk Neckar/Fils rollt das Leder auf Kreisligaebene in diesem Jahr trotzdem rund einen halben Monat eher als gewohnt. Vier Wochen lang – anstatt wie häufig zuvor nur zwei – kicken die Fußballer der Region während der Sommerferien damit in der Haupturlaubszeit. Fuerteventura statt Fußball.

Stefan Cserny, seit Jahrzehnten Staffelleiter diverser Ligen im lokalen Fußball, stellt klar, dass der Bezirk mit dieser früheren Start-Terminierung vor allen Dingen den Wünschen mancher Vereine in einem Punkt entgegenkommt. „Wir können durch diesen zeitigen Rundenbeginn auf einige Spieltage unter der Woche verzichten“, erläutert er. In Schicht arbeitende Kicker, wegen ihres Studiums abwesende Fußballer oder auch fehlende Flutlichtanlagen auf manchen Plätzen sorgen bei vielen Klubs traditionell für begrenzte Begeisterung bezüglich der an solchen Tagen angesetzten Partien.

„Wir werden summa summarum in der ganzen Runde nur einen Spieltag haben, der nicht auf ein Wochenende fällt“, betont Cserny stolz. Zudem sei für ihn wichtig, dass sowohl A- wie B-Ligen zum selben Termin starten. Dies brächte in der Planung der einzelnen Staffeln erhebliche Synergieeffekte mit sich. Der Staffelleiter („bei der Koordinierung einer Runde ist zudem nicht unerheblich, auf welchen Wochentag jeweils die Feiertage in einem Jahr fallen“) kann mit dem frühen Start gut leben.

In den Vereinen kommt der ungewöhnlich Punktspielbeginn unterschiedlich an. Mit Sorgenmiene betrachtet beispielsweise Michael Dangel das Geschehen. „Uns werden zum Auftakt urlaubsbedingt rund zehn Stammspieler fehlen, das ist heftig“, erläuterte der Abteilungsleiter des SV Nabern, der auch in der neuen Runde mit zwei Teams antreten wird. Erst Anfang September sei personell Besserung in Sicht. „Vielleicht fehlen ja bei unseren ersten Gegnern auch zehn Spieler, dann gleicht sich das wieder aus“, fügt Dangel an. Letztendlich spiele man jedoch „lieber an einem womöglich sonnigen und warmen Tag im August, als irgendwann im Dezember oder an einem Abend unter der Woche“.

Timo Stümpflen, Trainer und Spieler in Person beim B-Ligisten TV Unterlenningen, ist hin- und hergerissen. Der Kreisliga-A-Absteiger TVU hatte wegen der Relegationspartie gegen den TSV Weilheim II bereits eine um zwei Wochen verkürzte Sommerpause. „Einerseits werden wir unter diesem frühen Rundenstart wegen der Urlauber personell leiden. Wir werden den Kader dann auf jeden Fall mit A-Junioren bestücken müssen“, betontStümpflen. Andererseits könne er der neuen Situation auch Positives abgewinnen, weil die ungeliebten Spiele unter der Woche wegfielen.

Auch Marius Remmler, Abteilungsleiter des TSV Holzmaden, kann an den ersten Spieltagen nur eine begrenzte Anzahl an Kickern zu den Partien der neuen Spielgemeinschaft Ohmden/Holzmaden schicken. „Erst Mitte September werden wir alle Spieler an Bord haben“, beschreibt der TSVH-Funktionär die Aussichten im Brühl, aber relativiert zugleich die vermeintlich problematische Lage. „In den Kreisligen sind wir Hobbysportler und deshalb können wir unseren Akteuren auch nicht vorschreiben, wann sie Urlaub zu nehmen haben“, sagt Remmler, zumal der meist auch von betrieblichen Sachzwängen abhängig sei. „Letztendlich trifft der frühe Rundenbeginn somit alle“, sagt Remmler.

Ganz locker bleibt Costa Giacobbe bei dem Thema. Ein beträchtlicher Teil des Kaders der TG Kirchheim rekrutiert sich nämlich aus Fußballern des nahen Flüchtlingsheims. „Hier haben wir ein großes Reservoir an Spielern, die aufgrund ihrer Lage in einer anderen Situation als viele Kreisliga-Kicker sind“, erklärt der TG-Trainer. Somit könne man den frühen Saisonstart personell gut kompensieren. Giacobbe: „Wir schaffen das.“

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