Lokalsport

Fumic stürzt, Schwarzbauer fährt unter die Top Ten

Mountainbike Nach einem Sturz in Runde eins beendet Manuel Fumic die WM in Lenzerheide nur auf Rang 52. Luca Schwarzbauer landet in der U 23 auf Platz zehn. Von Erhard Goller

Luca Schwarzbauer erreicht bei der WM im U23-Rennen mit Platz zehn sein bestes Saisonergebnis. Foto: Armin Küstenbrück
Luca Schwarzbauer erreicht bei der WM im U23-Rennen mit Platz zehn sein bestes Saisonergebnis. Foto: Armin Küstenbrück

Es war eine kaum jemals zuvor erlebte Kulisse von 25 000 Zuschauern, die den Cross-Country-Spezialisten am Samstag in Lenzerheide einen ohrenbetäubenden Klangteppich ausbreiteten. Die Schweizer feierten ihre Biker und deren Konkurrenz mit einem unglaublichen Enthusiasmus.

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Manuel Fumic konnte diese einzigartige Atmosphäre nicht genießen. Höchsten im ersten Anstieg nach dem Start, der ihm aus der vierten Startreihe gut gelang. Er lag ungefähr an 15. Position, als es in den ersten Downhill ging.

Dort gab es eine Passage, die zwei mögliche Linien eröffnete. Ein Fahrer neben Fumic wählte die Alternativlinie, um sich dann aber plötzlich umzuentscheiden. Er fuhr dem Kirchheimer Cannondale-Biker quer ins Rad, Fumic flog über den Lenker und prallte hart auf. „Der hat mich richtig nach rechts weggeschlagen“, sollte er später im Ziel mit schmerzverzerrtem Gesicht erzählen. Vollgepumpt mit Adrenalin setzte er die Fahrt zwar gleich fort, verlor jedoch Platz um Platz. Die Schmerzen im Ellbogen waren so stark, dass er in der Verpflegungszone anhielt und sich kurz helfen lassen musste. „Ich bin dann einfach noch zu Ende gefahren. Das war’s. Mehr gibt es nicht zu sagen“, meinte er kurz und knapp, wie ein Häufchen Elend an der Bande auf dem Boden sitzend. Rang 52 (+ 8:47) war eigentlich nichts, was in diesen Momenten irgendeine Rolle spielte. Die WM, die mit Staffel-Silber am Mittwoch so gut begonnen hatte, endete für ihn wie fast die gesamte Saison: unglücklich.

Und das inmitten einer Atmos­phäre, die dem Mountainbike-Sport einen Stempel aufdrückte. Am Mittwoch hatte Fumic bei der Pressekonferenz nach der Staffel noch davon gesprochen, dass diese WM den Sport eine Stufe höher heben werde. Das lässt sich am Ende auch unterstreichen. Ihn selbst aber drückte sie eher eine Stufe tiefer. Nino Schurter siegte vor seinem heimischen Publikum mit elf Sekunden Vorsprung auf den Italiener Gerhard Kerschbaumer und 1:14 Minuten vor Mathieu van der Poel aus den Niederlanden. Bester Deutscher: Ben Zwiehoff (Essen) auf Rang 30 (+ 5:33).

Beste Saisonleistung

Am Freitagabend schon stand ein Biker vom MTB Teck im Ziel des U23-Rennens und sprudelte vor Begeisterung. „Ich bin überglücklich über mein Rennen, mein Ergebnis und am meisten über meine Entwicklung.“ sagte Luca Schwarzbauer. Wenn er von Entwicklung sprach, dann meinte er die ganze vierjährige U23-Zeit, die er jetzt praktisch mit dem WM-Rennen in Lenzerheide abgeschlossen hatte. Das langwierige Zusammenpuzzeln seiner Leistung und die Probleme mit Übertraining und anderen Faktoren. Damit sieht er sich noch nicht am Ende, doch für diese Saison war dieser zehnte Rang ein „Traumziel“, wie er es nannte.

Sein Ziel hatte er mit 2:36 Minuten Rückstand auf den neuen U23-Weltmeister Alan Hatherly aus Südafrika (1:21:22) erreicht, doch es war trotzdem nicht alles glatt gelaufen und Luca Schwarzbauer gab das gewohnt selbstkritisch preis. „Ein, zwei Fehler habe ich gemacht und zumindest für einen habe ich bitter bezahlt“, meinte der Nürtinger.

„Ich bin auf den Sattel geknallt“, so Schwarzbauer. Dieses Malheur kostete ihn gleich mal fünf Positionen. Zu diesem Zeitpunkt war er an sechster Stelle, vorne waren Alan Hatherly und der US-Amerikaner Christopher Blevins bereits entwischt. Doch auf Rang drei hatte er nur rund 20 Sekunden Differenz. Eine Medaille wäre vielleicht zu hoch gegriffen gewesen, doch es hätte am Ende sicherlich noch ein, zwei Positionen besser werden können.

„Das hat mich ganz schön den Rhythmus gekostet“, gestand Schwarzbauer. Danach agierte er bis zur letzten Runde an zwölfter Position, Krämpfe hatten sich bereits vorher eingestellt, wurden aber zum Glück nicht viel schlimmer. Welch’ großes Kämpferherz er besitzt, zeigte Luca Schwarzbauer auf diesen letzten 4,2 Kilometern. Er war Zwölfter, doch Rang zehn war noch in Sichtweite. Zehn Sekunden fehlten auf den Mexikaner Jose Ulloa, der beim Weltcup in Mount Saint Anne immerhin Dritter gewesen war. Der Reuderner biss auf die Zähne und knackte tatsächlich sowohl den Ungarn Marton Dina als auch Ulloa und holte sich, was er sich so gewünscht hatte - Platz zehn.

Das war gleichzeitig sein bestes Resultat in allen vier U23-Jahren. „Ich muss den deutschen Junioren um (Vize-Weltmeister) Leon Kaiser danken, die haben mich am Anstieg hochgeschrien. Das war mega-wichtig. Ich bin 50 Watt mehr gefahren, als ich eigentlich kann“, so Schwarzbauer mit einem Lachen. Und es wich ihm so schnell nicht aus dem Gesicht.