Lokalsport

Geteiltes Echo auf DLV-Reform

Leichtathletik: Ab 2012 soll Seniorensport erst ab der Altersklasse 40 beginnen

Auch in Württemberg wird Seniorensport ab 2012 mit der Altersklasse 40 beginnen - am vergangenen Dienstag entschied der WLV, die Ende Februar vom DLV beschlossene Reform umzusetzen. Das Aus der Altersklassen 30 und 35 sorgt bundesweit für Protest.

Abendsportfest Köngen, WeitsprungAbendsportfest in KöngenWeitsprungSpringer in der (Fuchs)Grube
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Kirchheim. „Das ist ja ein Witz“, ärgert sich Sabine Henzler, „wie soll ich in Zukunft mit den Jüngeren mithalten?“ Mit ihren 38 Jahren ist die passionierte Läuferin aus Notzingen eine von unzähligen Athleten, die von der Reform des DLV betroffen ist. Diese sieht vor, die Altersklassen 30 und 35 ab 2012 zu streichen und den Seniorensport somit erst ab 40 beginnen zu lassen. Sportler wie Sabine Henzler, die bereits bei unzähligen Volksläufen W 35-Siegerin geworden ist, müssen sich ab kommendem Jahr demnach der wesentlich jüngeren und meist auch stärkeren Konkurrenz stellen, die als „Aktive“ an den Start geht.

Beschlossen wurde die Reform Ende Februar während einer Verbandsratssitzung in Leipzig, obwohl das DLV-Präsidum dagegen war. Schlimmer noch: Der Bundesausschuss Senioren hatte dem Verbandsrat einstimmig empfohlen, wenigs­tens analog zur internationalen Regelung zu verfahren, die Welt- und Europameisterschaften ab der Altersklasse 35 vorsieht - vergeblich: Der Verbandsrat folgte stattdessen der Argumentation einiger Landesverbände wie dem aus Nordrhein-Westfalen, die eine Durchführung von Wettkämpfen in den Klassen 30/35 wegen zu geringer Startfelder nicht mehr gerechtfertigt sahen und die Organisatoren mit der Neuregelung entlasten wollen.

Obwohl der WLV nicht zu den Wortführern dieses Anliegens gehörte und laut Verbandssportwart Hans Krieg aus Beuren sogar dagegen war, wird die Regelung ab 2012 auch auf württembergischer Ebene Einzug halten. Am vergangenen Dienstag beschlossen die WLV-Oberen, den DLV-Beschluss umzusetzen.

Dabei hatte WLV-Seniorenwettkampfwart Bernhard Grißmer (Schönaich) den Betroffenenen vergangene Woche noch Mut gemacht, als er sagte: „Je nachdem, wie die Leipziger Beschlüsse formuliert sind, muss sich der WLV dem nicht zwangsläufig anschließen.“ Soll heißen: Die Landesverbände entscheiden nach eigenem Gusto, ob sie die Altersklassen 30 und 35 abschaffen, die DLV-Reform würde in dem Fall nur bei deutschen Meisterschaften gelten.

Entgegen Grißmers Hoffnung lässt der DLV-Beschluss aber offenbar keinen Spielraum für Sonderwege - auch in Württemberg werden ab 2012 vom kleinsten Volkslauf über Sportfeste bis hin zu Meisterschaften alle Wettkämpfe im Seniorenbereich ab der Altersklasse 40 beginnen.

Dass man damit die bisherigen „U 40-Athleten“ ihrer Siegchancen beraubt, kann Joachim Beckmann, Vorsitzender des Leichtathletikkreises Esslingen, nur bedingt gelten lassen. „Viele Athleten in dem Alter mischen immer noch in den Aktivenklassen vorne mit.“ Bestes Beispiel sei sein Sohn Martin, der mit 32 Jahren einer der besten Marathon- und Halbmarathonläufer Deutschlands ist. Beckmann sieht das Problem eher in der Motivlage von Alterklassensportlern. „Bei vielen geht es in erster Linie nur um Selbstbestätigung“, glaubt er, „und für die meisten ist das nur mit Siegen möglich.“

Dabei sein ist alles - findet das olympische Motto mit zunehmendem Alter etwa immer weniger Zuspruch? Eine von aufgebrachten Seniorensportlern im Internet initiierte Unterschriftenaktion, die eine Rücknahme der Leipziger Beschlüsse fordert, lässt auf den ersten Blick jedenfalls keinen anderen Schluss zu. Der Schuh drückt aber auch an anderer Stelle: Viele Leichtathletikvereine empfinden die DLV-Reform als Rückschlag für ihre Bemühungen, gerade in den Altersklassen jenseits der 30 Zuwachs zu bekommen.

Wohl auch aus diesem Grund lässt der WLV bei der Umsetzung der Reform ein Hintertürchen offen. „Wir werden das verbandsintern im Sommer noch einmal prüfen“, sagt Sportwart Hans Krieg - das letzte Wort, ob Sabine Henzler ab dem kommenden Jahr nun gegen Gleichaltrige oder gegen 20-Jährige antreten muss, ist also noch nicht gesprochen.

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