Lokalsport

Gipfeltreffen im Pestjahr 2016

Handball-Bezirksklasse: Dem TSV Owen bleibt im Topduell gegen den TSV Denkendorf nur ein Rumpfkader

Die stärkste Abwehr und der treffsicherste Angriff gegen den noch ungeschlagenen Tabellenführer. Das Topduell der Handball-Bezirksklasse zwischen Spitzenreiter TSV Denkendorf und Verfolger TSV Owen (Sonntag, 17 Uhr, Teckhalle) ist bereits die Vorentscheidung im Rennen um den sicheren Aufstiegsplatz.

Zwei mit hohen Ansprüchen: Owens Trainer Steffen Klett (links) und Denkendorfs Ralf Wagner wollen hoch in die Bezirksliga.Fotos:
Zwei mit hohen Ansprüchen: Owens Trainer Steffen Klett (links) und Denkendorfs Ralf Wagner wollen hoch in die Bezirksliga.Fotos: Bächle/Calagan

Owen. Keiner hat mehr Tore erzielt und keiner hat weniger kassiert. Gleich dreimal hat der TSV Owen in dieser Saison seine Gegner in der Bezirksklasse mit mehr als 40 Kisten abgewatscht. Am vergangenen Wochenende war der Tabellenvierte aus Unterensingen 20 Minuten lang auf Höhe des Geschehens, ehe in der zweiten Hälfte alle Dämme brachen. 25:41, so das vernichtende Urteil am Ende einer ungleichen Partie gegen die Gäste aus Owen.

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Das alleine würde reichen, um mit Blick aufs morgige Topduell mit dem Tabellenführer aus Denkendorf von einem ausgeglichenen Kampf zu reden. Doch das ist er nicht. Owens ausschließlich zum coachen verdammte Spielertrainer Steffen Klett hat inzwischen so ziemlich alles eingebüßt, was seine Mannschaft vor Saisonbeginn noch zum Titelfavoriten stempelte. Mit Rafael Schmid (Kreuzbandriss), Bastian Klett (Bänderriss) und Leo Real (Schlüsselbeinbruch zum Jahresbeginn) fehlen die drei wichtigsten Torschützen.

Trainer-Bruder Bastian ist nach drei Wochen sachte auf dem Weg zurück in die Mannschaft, Schmid und Real könnten, wenn‘s schlecht läuft, für den Rest der Saison ausfallen. Ganz zu schweigen vom Trainer selbst, der mit kaputtem Knie seine Jungs an der Seitenlinie dirigiert, statt im Spiel selbst Regie zu führen. Die Mission Aufstieg – nach der zweiten Niederlage gegen Plochingen Mitte Dezember ernsthaft in Gefahr. Platz zwei ist für den TSV auch unter den gegebenen Voraussetzungen ein realistisches Ziel. Entscheidend wird folglich sein, ob es in der Bezirksklasse im Frühjahr nur einen oder möglicherweise zwei Direktaufsteiger geben wird.

Es sei denn, der einstige Württembergligist fährt morgen in eigener Halle zwei Punkte ein. Dann wären die Owener bis auf einen Zähler an der Spitze dran und das Rennen wieder offen. Bei fünf Punkten Rückstand im Falle einer Niederlage würden wohl auch unverbesserliche Optimisten den Glauben an den Titel verlieren.

Steffen Klett hat rein sportlich schon Schlimmeres erlebt. Das hört man aus seinen Sätzen heraus. Von Erfolgsdruck im morgigen Topduell will er nichts wissen. Und überhaupt: Den sofortigen Wiederaufstieg hätten vielleicht andere als Pflichtaufgabe ausgegeben, nicht er. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm solche Aussagen nicht unbedingt leicht fallen. Klett ist ein sachlicher Analytiker aber – mehr noch – ein ehrgeiziger Sportsmann. Nichts würde ihm den Sonntag mehr versüßen, als ein Heimerfolg gegen den vermeintlichen Favoriten. „Für uns ist das ein Bonusspiel“, versucht Klett der Partie die Brisanz zu nehmen. Viel wichtiger sei für ihn das Auftreten seiner Mannschaft am vergangenen Sonntag in Unterensingen gewesen. Dort haben die Gelben 60 Minuten lang an der Temposchraube gedreht. So will es der Trainer auch morgen sehen, obwohl mit Moritz Raichle und Matthias Büchele, die beide unter der Woche nicht trainieren konnten, zwei zusätzliche Ausfälle drohen.

Beide Gegner praktizieren ein schnelles Umschaltspiel. Deshalb erwartet auch Gästecoach Ralf Wagner eine tempo- und torreiche Begegnung. Druck auf die Schnittstellen, geradliniges Spiel, den Gegner ins Positionsspiel sechs gegen sechs zwingen, so lautet Wagners Devise gegen die defensive 3-2-1-Deckung der Gastgeber. Im Hinspiel, das seine Mannschaft mit 31:28 knapp für sich entschied, hat das geklappt. Doch auch Wagner weiß: „Morgen wird entscheidend sein, wer in der vollen Halle besser mit dem Druck zurechtkommt.“

Anders als sein Gegenüber kann Ralf Wagner auf seine stärkste Formation vertrauen. Das Team um den erfahrenen Tobias Gieß im linken Rückraum und Spielgestalter Lukas Taxis ist komplett. Von einer Vorentscheidung im Titelrennen will auch Wagner nichts wissen: „Wir spielen gegen die ersten Sechs in der Rückrunde noch auswärts“, wendet er ein. „Da kann noch viel passieren.“ Dass er die Owener kommende Saison gerne als Gegner in der Bezirksliga wiedersehen würde, gibt er gerne zu. „Beide Mannschaften haben Entwicklungspotenzial“, meint der Trainer, der zuvor in Grabenstetten und beim VfL Kirchheim auf der Bank saß und in Denkendorf inzwischen verlängert hat.

Auch bei den Owenern würde sich im Falle des Aufstiegs wenig ändern. Die komplette Mannschaft steht beim Trainer im Wort, die kommende Saison gemeinsam in Angriff zu nehmen, egal wie es ausgeht. „Es wäre schön, wenn es mit dem Aufstieg klappen würde“, sagt Steffen Klett. Falls nicht, sei das kein Beinbruch. „Wir wollten nach drei Abstiegen den Turnaround schaffen“, sagt er. „Das ist uns gelungen.“

Zwei mit hohen Ansprüchen: Owens Trainer Steffen Klett (links) und Denkendorfs Ralf Wagner wollen hoch in die Bezirksliga.Fotos:
Zwei mit hohen Ansprüchen: Owens Trainer Steffen Klett (links) und Denkendorfs Ralf Wagner wollen hoch in die Bezirksliga.Fotos: Bächle/Calagan