Lokalsport

Göppinger Freudentaumel

Relegations-Showdown lässt Ex-VfL-Trainer Baumann und Rueff jubeln

Zuschauerboom, Dramatik, feiernde Verlierer: Der Relegations-Showdown im lokalen Fußball hat für viele Geschichten gesorgt.

Kollektiver Jubel beim SV Göppingen: Die Stauferstädter kehren nach 31 Jahren in die Oberliga zurück. Foto: Giacinto Carlucci
Kollektiver Jubel beim SV Göppingen: Die Stauferstädter kehren nach 31 Jahren in die Oberliga zurück. Foto: Giacinto Carlucci

Göppingen. Der Bezirks Neckar/Fils hat wieder einen Oberligisten. Über 2 000 Zuschauer bildeten am Sonntagnachmittag bei der Rückkehr des SV Göppingen nach 31 Jahren Abstinenz den prächtigen Rahmen. Ausgerechnet Vereinsboss Wolfgang Brunner verpasste dabei den großen Augenblick. Beruflich in Südfrankreich weilend, ließ sich der seit 26  Jahren als Vorsitzender amtierende Funktionär notgedrungen per Telefon auf dem Laufenden halten.

Besonders die Kunde um 16.42 Uhr sorgte für Wohlgefallen im sonnigen Süden. Sekunden zuvor war unter dem Hohenstaufen aus kollektivem Zittern überschäumender Jubel geworden: Beim entscheidenden Tor zum 1:0 gegen die TSG Weinheim war Weinheims Neuzugang Domenic Brück nicht ganz unbeteiligt, hatte doch der Allrounder den Weinheimer Akteur Philipp Pfeifer nach einem Querpass so unter Druck gesetzt, dass jener den Ball aus sechs Metern Entfernung in höchster Not kurz vor dem Schlusspfiff ins eigene Tor schoss.

Arbeit wartet auf die Göppinger Vereinsführung in der Oberliga genug. So soll ein neues Tribünendach her (Gespräche mit der Stadt werden intensiviert), der Kader um den einen oder anderen Akteur verstärkt und der Etat Oberliga-Bedingungen angepasst werden.

Die Göppinger hatten vor dem „Endspiel“ mit einem im Internet tausendfach geklickten Motivationsvideo für die emotionale Einstimmung gesorgt. Unter anderem hatten sich in dem Film Ex-Box-Weltmeister Firat Arslan, Göppingens Oberbürgermeister Guido Till, Ex-Trainer Hansi Kleitsch (Saison 1988/89) und Sport-1-Moderator Jochen Stutzky (machte am Göppinger Hohenstaufen-Gymnasium das Abitur) als SVG-Daumendrücker geoutet.

Nicht nur in Göppingen sorgte das 1:0 des SVG am Sonntag für Gänsehautatmosphäre, sondern auch rund 90 Kilometer südöstlich. In Biberach duellierten sich nämlich zeitgleich Verbandsligist Olympia Laupheim und Landesligist SV Zimmern. Dann verbreitete sich die Kunde vom Göppinger 1:0 unter den über 1 100 Zuschauern wie ein Lauffeuer – und damit war auch klar, dass noch ein zusätzliches Plätzchen in der Verbandsliga frei geworden war. Folge: Olympia Laupheim bleibt drin, Zimmern steigt trotz 0:1-Niederlage auf.

Feiernde Sieger und Verlierer nach dem Abpfiff – ein ebenso kurioses wie seltenes Bild. Olympia-Trainer Rolf Baumann, vor wenigen Tagen 53 Jahre geworden, huschte nach dem Abpfiff ein Lächeln über das Gesicht. Auftrag erfüllt. Der einstige Spieler und Trainer des VfL Kirchheim würde gerne in Laupheim weiterarbeiten. „Ich habe von Vereinsseite bisher nicht Gegenteiliges gehört“, betont er in seiner typischen, knitzen Art. An gleicher Stätte hatte Laupheim (damals noch ohne Baumann als Trainer) übrigens ein Jahr zuvor per 2:1 über den TSV Crailsheim ebenfalls den Ligaverbleib gesichert.

Und noch ein anderer Ex-Coach des VfL war bester Laune. Ralf Rueff, scheidender Trainer des Landesligisten TSV Köngen, hat seinen Wunsch („ich möchte nicht als Absteiger gehen“) in die Realität umgesetzt. „Es war eng gegen Senden“, bilanzierte er nach dem 2:1 vor rund 1 000 Zuschauern in Nellingen, „aber wir haben nach dem 0:1 die Ruhe bewahrt.“

Nellingen? Da war doch was. Genau vier Jahre zuvor hatte Rueff exakt an gleicher Stelle und am selben Tag (19. Juni) mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen TSV RSK Esslingen mit dem TSV Köngen den Landesliga-Aufstieg geschafft. „Ich mache jetzt erst einmal eine Pause als Trainer“, kündigte Rueff mitten im Freudentaumel, der später im Sportheim in der Fuchsgrube in einer zünftigen Nichtabstiegsparty mündete, an.

Und nur ein paar Kilometer von Köngen entfernt, trafen sich am Sonntagabend weitere Feierbiester. Dem FV Plochingen glückte mit einem 2:1 über den bisherigen Bezirksligisten FC Rechberghausen der Aufstieg. 17 Jahre Bezirksliga-Abstinenz sind vorbei. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand Plochingens Doppeltorschütze Markus Penzkofer. Und nicht nur die Fußballer feierten: Beim alles entscheidenden Match auf neutralem Boden in Dürnau erfuhren die Kicker auch lautstarke Unterstützung durch die Handballer des TV Plochingen. „Einfach klasse“, lautete der Schlusskommentar von FVP-Aufstiegstrainer Christian Mirbauer, der zur neuen Saison zu Bezirksliga-Absteiger TSV Berkheim wechselt.

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