Lokalsport

Großer Wettbewerb für kleine Flieger

Hahnweidepokal Bei der 35. Auflage des Modellflieger-Wettbewerbs der Fliegergruppe Wolf Hirth haben 60 Teilnehmer aus nah und fern ihre Kräfte gemessen. Von Lars Reinhold

Hochbetrieb auf der Hahnweide: Der Pokalwettbewerb für Modellflieger hat 60 Teilnehmer angelockt. Fotos: Lars Reinhold
Hochbetrieb auf der Hahnweide: Der Pokalwettbewerb für Modellflieger hat 60 Teilnehmer angelockt. Fotos: Lars Reinhold

Matthias Neumann legt den Kopf in den Nacken. Dank Sonnenbrille und Schirmmütze kann er selbst im gleißenden Licht des perfekten Spätsommerwetters sein Modellflugzeug genau im Auge behalten. Was am Boden groß wirkt - bis zu vier Meter Spannweite haben die schnittigen Flugzeuge - ist rund 200 Meter über dem Boden nicht viel mehr als ein Strich. Sein Teamkollege Michael Müsel führt ihn am Ärmel ziehend von der Startstelle zum Landefeld. „So kann der Pilot die ganze Zeit das Modell beobachten und muss nicht auf den Weg gucken“, kommentiert er. Außerdem sagt er in regelmäßigen Abständen die Zeit an.

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Insgesamt acht Minuten dauert ein Durchgang, eröffnet durch einen Fanfarenton. In dieser Zeit müssen die Piloten möglichst exakt sechs Minuten fliegen, mehr oder weniger kostet Punkte. Dann heißt es, auf den Punkt zu landen. Wobei es eher um eine Landung auf dem Strich geht. Sechs Meter ist der lang. Perfekt ist es, wenn der Rumpf des Modellseglers exakt auf der Linie liegen bleibt und zwar in Flugrichtung. Landet er daneben, gibt es Punktabzug - je weiter weg, umso mehr. Dreht sich das Flugzeug beim Landen um mehr als 90 Grad, gibt es ebenfalls Punktabzüge. Eine Drehung um mehr als 180 Grad ist fatal - dann gibt es für die Landung gar keine Punkte. „Noch zehn, neun, acht, sieben“ Michael Müsel zählt den Countdown bis zu Landung, Matthias Neumann trifft die sechs Minuten fast genau. Aber die Landung ist nicht optimal. Der Schiedsrichter kommt mit dem Maßband, misst genau nach, welcher Teil am weitesten von der Linie entfernt liegt. So richtig unzufrieden sieht der Modellflieger aus Haßloch aber nicht aus. „Es klappt halt nicht immer“, kommentiert er lakonisch.

Insgesamt 60 Modellflieger aus einem Umkreis von 300 Kilometern waren am Sonntag bei der 35. Auflage des Hahnweidepokals für Modellflieger dabei. Viele nicht zum ersten Mal. Fragt man, warum es sie immer wieder auf die Hahnweide zieht, lautet die Antwort stets gleich: einerseits sei das sportliche Niveau, das die Abteilung Modellflug der Fliegergruppe Wolf Hirth anlege, hoch. Andererseits werde hier nicht so verbissen geflogen wie andernorts, wo mitunter sogar Modelle abgedeckt würden, damit die Konkurrenten nicht zu viele Details erspähen können.

Dennoch: Gewinnen wollen alle. Und so ist bereits beim Start der ein oder andere Fluch zu hören, wenn es nicht perfekt läuft. Auf rund 200 Metern Höhe katapultieren die elektrischen Winden die knapp zwei Kilo schweren Modelle. Dann heißt es Thermik finden und sich halten, bis die Flugzeit abgelaufen ist und im richtigen Moment zur Landung kommen.

Das klappt auch bei Anna Schütz nicht immer perfekt. Die Elfjährige hält die Fahne der Modellfliegerinnen hoch - als einzige unter den 60 Teilnehmern. Sie führt ihre Funkfernsteuerung ebenso souverän wie die Erwachsenen und legt eine unglaubliche Coolness an den Tag, die sie selbst in dem Moment nicht ablegt, als das Flugzeug ein ganzes Stück neben der Linie landet. „Passiert“, sagt sie schulterzuckend.

Fünf Durchgänge werden geflogen, der beste Pilot erhält 1 000 Punkte. Seine Leistung gilt als Referenz für alle anderen, die für ihre Fehler entsprechend Punktabzug kassieren. Bis zum Schluss bleibt es spannend. Claus Scholz hat die ersten vier Durchgänge perfekt geflogen - 4 000 Punkte stehen auf der Liste, ehe die letzte Landung daneben geht. Dieser Patzer kostet den Sieg, es reicht nicht einmal mehr fürs Treppchen. Bei den Erwachsenen hat am Ende Claus Schnarrenberger die Nase vorn und darf den großen Wanderpokal in Empfang nehmen. Auf Rang zwei landet Julian Benz vor Vincent Paternotte. Bei den Junioren siegt Michael Kreß vor Jannik Frank und Johannes Krischke.

Als die Preise vergeben sind, kann Timo Schiettinger, Leiter der Wolf-Hirth-Modellflieger, zufrieden durchatmen. „Wir haben den Wettbewerb gut über die Bühne gebracht. Die Sonne hat für genügend Thermik und Flugzeit gesorgt und bis auf zwei Modelle, von denen das eine im Baum und das andere ziemlich hart auf der Wiese gelandet ist, gab es keine Schäden.“ Dass Letzteres für die Stimmung durchaus relevant ist, wird spätestens dann klar, wenn man nach dem Preis eines solchen Sportgeräts fragt. „Je nach Ausstattung zwischen 1 800 und 2 200 Euro“, weiß Timo Schiettinger.

Hochbetrieb auf der Hahnweide: Der Pokalwettbewerb für Modellflieger hat 60 Teilnehmer angelockt. Fotos: Lars Reinhold
Hochbetrieb auf der Hahnweide: Der Pokalwettbewerb für Modellflieger hat 60 Teilnehmer angelockt. Fotos: Lars Reinhold