Lokalsport

Grünes Licht für einen finanziellen Kraftakt

Handball Zweitligist TG Nürtingen wird für die kommende Spielzeit eine Lizenz beantragen.

Nürtingen. Die wichtigste Frage ist vorerst geklärt. Bei der TG Nürtingen wird es auch in der Saison 2017/18 Zweitliga-Frauenhandball geben – vorausgesetzt, die Turngemeinde macht sportlich weiterhin ihre Hausaufgaben. So wie bisher. Nach zwölf Spielen steht Trainer Stefan Eidt mit seiner Truppe als Tabellensechster blendend da.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Getreu diesem Motto gehen die Nürtinger Zweitliga-Handballerinnen in die noch ausstehenden 18 Partien. 13:11 Punkte nach etwas über einem Drittel der Saison sind zwar eine beachtliche Ausbeute, doch sich nun auf dem Erreichten auszuruhen, könnte fatale Folgen haben. „Stillstand ist Rückschritt“, fällt Eidt in diesem Zusammenhang ein. „Wir müssen uns ständig verbessern“, weiß der Trainer. Das gelte auch für seinen Part.

Die TGlerinnen ziehen: Es wäre fast schon eine Schande gewesen, nicht die dritte Zweitliga-Saison anzustreben. Die Zuschauerzahlen in der Theodor-Eisenlohr-Halle sind in die Höhe geschnellt. Fast 540 Besucher kamen in den bisherigen vier Heimspielen im Schnitt. „Damit sind wir wirklich zufrieden. Es sind immer wieder neue Gesichter dabei“, freut sich Abteilungssprecherin Bettina Schreitmüller über den Zuspruch und verbindet damit auch die Hallenneugestaltung mit dem jetzt weitaus freundlicheren Bewirtungsbereich. „Der Weckle-Umsatz ist deutlich angestiegen“, so Schreitmüller. Wenn dann auch noch ähnlich spannende Spiele wie beim 27:25-Heimsieg über DJK/MJC Trier geboten werden, bleiben für Frauenhandball-Fans kaum Wünsche offen.

Das alles war gewiss auch den TG-Verantwortlichen bewusst, als sie sich kurz vor Weihnachten zusammengesetzt haben, um über die Zukunft zu bestimmen. Auch diesmal war es kein leichter Entschluss, für einen Saisonetat, der zuletzt angeblich bei etwas über 100 000 Euro lag, grünes Licht zu geben.

„Für uns ist das ein finanzieller Kraftakt“, beschreibt Schreitmüller, „aber wenn wir sportlich so erfolgreich sind, müssen wir das machen.“ Die Weichen sind damit gestellt, nun ist die Sportliche Leitung gefragt, in Bälde ein schlagkräftiges Team aufzustellen.

Die große Unbekannte ist auch heuer wieder, wie es mit der Nürtinger Ausnahmespielerin Verena Breidert weitergeht und, sollte diese die Handballschuhe im Mai an den Nagel hängen, wie man das kompensieren kann. „Es ist unmöglich, sie zu ersetzen“, sagt ihr Trainer. Handballerisch

Bangen um TG-Routinier Breidert

unterstreicht dies Woche für Woche der Blick auf ihre erzielten Treffer. Doch für die 37-Jährige spricht viel mehr als die nackten Zahlen. Die Spielführerin ist bei der Turngemeinde auch in dieser Spielzeit wieder Herz und Seele. „Wir sind total froh, dass sie noch mal eine Saison für uns spielt“, so Eidt. „Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem wir überlegen müssen, wie wir ihren Weggang auffangen.“ Er befürchtet, dass sich Breidert diesmal gegen ein Weitermachen entscheiden wird.

Eines steht durch den Entschluss der TG für die zweite Liga fest: Die Verantwortlichen haben zwei Monate mehr Zeit als in der Vergangenheit, die Kaderplanungen anzugehen. Für die laufende Spielzeit wurde die Entscheidung erst am 29. Februar gefällt – ein Zeitpunkt, zu dem bei vielen Konkurrenten der kommende Kader bereits feststand. Die Voraussetzungen könnten im Nürtinger Handball-Umfeld demnach kaum besser sein. Das sind sie auch in sportlicher Hinsicht.

Die TG Nürtingen hat sich in Deutschlands zweithöchster Spielklasse fest etabliert. Nach Minuspunkten steht sie nur zwei Zähler hinter dem HC Rödertal, der den Erstliga-Aufstieg anstrebt. „Es sieht gut aus“, sagt Eidt, den der eine oder andere Punktverlust ziemlich wurmt.Jens S. Vöhringer

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