Lokalsport

Handschlag für Hinrichs

Basketball: US-Forward ist Neuzugang Nummer neun für die Knights

Seth Hinrichs wird bei den Knights die Lücke auf der Forward-Position füllen. Abgeschlossen sind die Personalplanungen damit vermutlich nicht.

Muss seine Rolle noch finden: Seth Hinrichs stand am Mittwoch erstmals unter der Regie von Knights-Coach Michael Mai (links) auf
Muss seine Rolle noch finden: Seth Hinrichs stand am Mittwoch erstmals unter der Regie von Knights-Coach Michael Mai (links) auf dem Parkett.Foto: Tanja Spindler

Kirchheim. Es gehört zum Wesen des Sports, dass eine vorgezeichnete Entwicklung selten geradlinig verläuft, dass Pläne sich ändern. Auf Basketball in Kirchheim gemünzt, bedeutet das: Kaum ist ein Problem gelöst, wirft das Tagesgeschehen neue Fragen auf. Seit gestern steht fest, dass Seth Hinrichs der neue Mann für die vakante Stelle im Kirchheimer Frontcourt ist. Der 23-jährige US-Amerikaner holte im Mai mit Serienmeister FC Porto nach einem 3:1 im Play-off-Finale gegen Benfica zum zwölften Mal den Titel in Portugal und verbuchte übers Jahr in 20 Erstliga-Spielen 8,7 Punkte, 5,0 Rebounds und 1,2 Assists. Sechs Mal stand der 2,01 Meter große Forward in dieser Zeit im Eurocup auf dem Parkett. Vor Wochen noch galt Hinrichs in Ludwigsburg als Kandidat für die neue Saison in der BBL. Riesen-Coach John Patrick entschied sich nach einem zweiwöchigen Try-out jedoch anders.

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Trotz seines jungen Alters ist Hinrichs ein Mann mit Erfahrung in Europa, was in Kirchheim letztlich den Ausschlag gab. Ein klassischer Stretch-Forward, der gleich auf drei Positionen spielen kann und als ein treffsicherer Distanzschütze gilt. „Er hat uns spielerisch wie auch charakterlich überzeugt“, sagt Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt, auch wenn der Neuzugang bei seinem ersten Auftritt am Mittwoch im Testspiel gegen Elchingen weitgehend blass blieb. Coach Michael Mai ist von seinen Qualitäten überzeugt, vergleicht den neuen Mann mit einem, der in Kirchheim über Jahre viele Sympathien genoss: „Von seiner kämpferischen Einstellung und seiner Spielweise erinnert er ein bisschen an Ben Beran.“ Mai ist überzeugt: „Er wird mehr Stabilität in die Mannschaft bringen.“

Stabilität und Planbarkeit, das ist es, was die Knights zur Stunde am meisten vermissen. Größere und kleinere Verletzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vorbereitung. Lange Zeit galt Tim Koch mit einer langwierigen Sehnenreizung nach seiner Fersen-OP als größtes Sorgenkind. Kaum ist der Ex-Ludwigsburger auf dem Weg zurück in die Mannschaft, gibt es mit Brian Wenzel (Bänderriss im Sprunggelenk) und Spielmacher Carrington Love (Leistenprobleme) neue Ausfälle. Die Verletzung von Love bereitet den Team-Verantwortlichen am meisten Kopfzerbrechen. Weniger der Grad der Verletzung als vielmehr das Restrisiko, das bleibt. Schließlich ist der bisher so überzeugende 22-Jährige der Einzige, der die Rolle im Aufbauspiel ausfüllen kann. Auch wenn Preston Medlin im Testspiel am Mittwoch zumindest offensiv einen solide Auftritt auf der Eins bot.

Als größter Lichtblick erweist sich zurzeit Jonathon Williams, der gegen Elchingen auffälligster Spieler war und der nahtlos an eine bärenstarke Vorsaison anzuknüpfen scheint. Der ehemalige Hamburger trug am Mittwochabend immerhin schon ein Trikot mit seinem Namen auf dem Rücken. Eine endgültige Entscheidung soll aber erst in der kommenden Woche fallen. „Wir prüfen im Moment verschiedene Optionen“, sagt Michael Mai.

Noch viel Sand im Getriebe gegen Elchingen

Defensive schwach Eine starke Phase zu Beginn des dritten Viertels, das war es dann auch. Beim 84:76 im Testspiel gegen den Pro-B-Ligisten aus Elchingen taten sich die Knights am Mittwoch in der Sporthalle Stadtmitte erneut schwer, einen Klassenunterschied erkennen zu lassen. Zwar behaupteten die Ritter bis auf die Anfangsphase eine konstante Führung, zeigten aber vor allem in der Defensive und im Umschaltspiel immer wieder Schwächen. Lichtblick Williams Nachlässigkeiten im Reboundverhalten und wiederholt leichte Ballverluste sorgten dafür, dass es einige Male sehr laut wurde auf der Kirchheimer Bank. Entsprechend lange scharte Knights-Coach Michael Mai nach Spielende sein Team um sich. Ernste Mienen und eindrückliche Gespräche am Mittelkreis, noch lange, nachdem der Gegner längst in der Kabine verschwunden war. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, kommentierte Mai elf Tage vor Saisonstart die Partie gegen das Farmteam aus Ulm. Für die größten Lichtblicke im Spiel sorgte Try-Out-Spieler Jonathan Williams, der dem Spiel der Kirchheimer deutlich mehr an Athletik und Tempo verlieh. Maier fit Entwarnung indes nach einer Schrecksekunde in der zweiten Hälfte: Center Jonathan Maier fasste sich nach einer unglücklichen Aktion mit schmerzverzerrter Miene ans Knie und musste da­raufhin das Spielfeld verlassen. Nach einer kurzen Behandlungspause kehrte er zwar zurück, lief jedoch deutlich unrund. Maier selbst gab gestern Entwarnung. Er kann demnach trainieren und wird auch am kommenden Samstag beim Test gegen Nördlingen (19 Uhr, Sporthalle Stadtmitte) auflaufen können. Koch zurück Sein Comeback nach mehrwöchiger Pause wegen einer Fersenverletzung gab am Mittwoch Tim Koch. Mehr als ein paar wenige Minuten Spielzeit waren allerdings nicht drin. „Er muss die Belastung langsam steigern“, sagt Knights-Geschäftsführer Schmidt. „Das braucht alles noch Zeit.“ Kochs Miene verriet, dass ihn die Verletzung weiter behindert. Wieder Ehingen Den vorerst letzten Test in der Saisonvorbereitung wird es bereits einen Tag nach dem Heimspiel gegen Nördlingen geben. Nach der deutlichen Niederlage gegen Pro-A-Aufsteiger Ehingen kommt es am Sonntag an der Donau zu einem erneuten Vergleich mit dem Ligakonkurrenten.bk