Lokalsport

Hartes Stück Arbeit mit zwei strittigen Szenen

Boller beklagen Elfmeter und Platzverweis

Weilheimer Jubelchöre im Boller Erlengarten. Nach dem 3:0 bildeten Spieler und Betreuer einen Kreis und sangen aus voller Kehle „Derbysieger, Derbysieger“.

Bad Boll. Ein schallender Seufzer der Erleichterung. Endlich der erste Sieg im dritten Spiel. Endlich der ersehnte Befreiungsschlag nach dem Fehlstart mit nur einem Punkt aus zwei Spielen, die man eigentlich gewinnen wollte. „Ganz, ganz wichtig. Und vollkommen verdient“, folgerte Trainer Chris Eisenhardt.

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Das 3:0 lässt einen glatten, ungefährdeten Sieg vermuten. Aber es war ein hartes Stück Arbeit, bis er in der Endphase gegen zehn Boller endlich unter Dach und Fach gebracht war. „Bei unseren vielen Chancen hätten wir den Sack viel früher zumachen müssen“, bemängelte Günther Friess, der Sportliche Leiter. Ähnlich war es schon nach überlegen geführten ersten Halbzeiten gegen Bettringen und Echterdingen.

Bis zur Vorentscheidung führte der TSVW nur durch einen frühen Strafstoß, dessen Berechtigung heftig umstritten war. Robin Jaksche hatte den Ball an den nicht angelegten linken Arm bekommen und dafür auch noch Gelb kassiert. „Das war kein Elfmeter“, ereiferte sich Bolls Trainer Benjamin Geiger, „und deshalb keine Gelbe Karte. Ohne sie hätte es dann auch keinen Platzverweis gegeben.“ Ganz anders Eisenhardt: „Ein klarer Elfer. Und Hand im Strafraum ist nun mal Gelb.“ Die Entscheidung der resoluten Schiedsrichterin Silke Adelsberger (Abtsgmünd) ließ keinen Zweifel daran, wer bei dieser Diskussion das Recht auf seiner Seite hatte.

Hitzig ging‘s weiter. Die Weilheimer auf der Ersatzbank schützten sich mit nassen Handtüchern über dem Kopf gegen die pralle Sonne. Optisch wie Beduinen verfolgten sie den offenen Schlagabtausch unter Saunabedingungen. Sie sahen hüben wie drüben Torchancen am laufenden Band. Die Boller trafen einmal den Pfosten. Viermal scheiterten sie frei stehend am überragenden TSV-Torwart Ben Brenken, der seinen Fehler vom letzten Spiel mehrfach gut machte – beim 1:2 in Echterdingen hatte der neue Schlussmann aus Böblingen einen harmlosen Ball durch die Finger gleiten lassen, was Weilheim einen Punkt kostete. Auf der anderen Seite stand Marc Scherrenbacher seinen Kollegen in nichts nach. Zwei Torhüter, die zu den besten der Liga zu zählen sind.

Neben Brenken taten sich auf Weilheimer Seite zwei Spieler besonders hervor: der 35-jährige „Allüberall“ Ferdi Er und der fast halb so alte Abwehrspieler Can Kanarya (19). „Ihn hatten die Boller vorher als Schwachpunkt ausgemacht“, schmunzelte Eisenhardt. Der erblondete Rechtsverteidiger krönte seine starke Leistung mit der Vorarbeit zum dritten Tor. Ganz wichtig, denn gute Abwehrspieler sind gefragt in diesen Tagen. Zumal Innenverteidiger Martin Kirschmann wegen eines verschleppten grippalen Infekts auf unbestimmte Zeit ausfällt.

Der nächste Gegner kann aus dem Vollen schöpfen. Beim 5:1 gegen Weilheim-Bezwinger TV Echterdingen spielte der FC Heiningen mit acht Neuen in der Anfangself. Mann des Spiels war Benjamin Kern. Als Dreh- und Angelpunkt erzielte der ehemalige Duisburger Profi ein Tor und bereitete zwei Treffer vor. Auf ihn wird der TSVW übermorgen ein besonderes Augenmerk richten müssen.

Für die Überraschung des dritten Spieltags sorgte der FV 09 Nürtingen mit seinem Unentschieden in Ebersbach. Für die Hausherren, bei denen bereits nach einer halben Stunde beide Stürmer Caglar Celikitas und Jannik Froschauer verletzt ausschieden, war das 2:2 noch glücklich. Der frühere Kirchheimer Marcel Helber, der vom TV Echterdingen kam, brachte die 09er in der 79. Minute in Führung. Als Ebersbachs Serdar Kurt kurz danach mit Gelb-Rot vom Platz musste, schien die Partie gelaufen. Doch zwei Minuten vor Schluss rettete Florian Ujapaj mit seinem Ausgleichstor wenigstens einen Punkt. Mit einer großen Energieleistung verwandelte der TSV Köngen nach der Pause einen 0:2-Rückstand gegen Hofherrnweiler durch Tore von Sven Römer, Manuel Eitel und Niko Waxmann in einen Sieg, wie Weilheim den ersten in der neuen Saison.