Lokalsport

Heiße Quellen und Ulis Segen​

Basketball Die beiden Gegner aus Kirchheim und Heidelberg bereiten sich auf ganz unterschiedliche Weise auf die morgen beginnenden Entscheidungsspiele in den Play-offs vor. Von Bernd Köble

Wer hat die besseren Tricks auf Lager? Knights-Coach Michael Mai (rechts) bei der Pressekonferenz nach dem letzten Spieltag am S
Wer hat die besseren Tricks auf Lager? Knights-Coach Michael Mai (rechts) bei der Pressekonferenz nach dem letzten Spieltag am Samstag mit seinem Heidelberger Kollegen Frenkie Ignjatovic (links) und Hallensprecher Daniel Zirn. Foto: Tanja Spindler

Fragen, auf die es keine Antworten gibt - Im wahren Leben können sie zur Belastung werden, im Sport stehen sie fast immer für Spannung. Kirchheim oder Heidelberg, wer am Freitag als Favorit in die erste Play-off-Runde geht? Keiner weiß es. Die Gastgeber, das laut Tabelle erfolgreichere Team, zudem mit dem psychologischen Vorteil zweier Saisonsiege. Die Heidelberger dagegen mit dem tieferen Kader, was bei fünf möglichen Duellen innerhalb von nur zehn Tagen die vielleicht härtere Währung sein könnte.

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Und trotzdem: Unterschiedlicher könnten die Gemüter auf beiden Seiten kaum gelagert sein. Die Knights kämpfen ums finanzielle Überleben, der Gegner schmiedet Pläne für den Aufstieg. Spätestens in drei Jahren soll es soweit sein. Dann steht die neue Halle mit Platz für 4 500 Zuschauer mitten in der Stadt.

Bis es soweit ist, wird schon mal kräftig die Trommel gerührt. Beim Gala-Abend mit Sponsoren am Montagabend am Olympiastützpunkt im Neuenheimer Feld war nur die Halle angestaubt. Der Rest war erstklassig. Edle Kost auf feinstem Porzellan, garniert mit reichlich Prominenz. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz war da, Telekom-Sportchef Michael Hagspiehl und mitten drin: Uli Hoeneß. 40 Jahre nach dem letzten von insgesamt neun deutschen Meistertiteln in der Neckarstadt kam die Botschaft des Bayern-Patrons nicht nur bei Stadtoberhaupt Eckhart Würzner, sondern auch bei Heidelbergs Trainer an: Der Traditionsstandort würde sich gut in die BBL-Landschaft fügen.

Eine Motivationsspritze passend zum Play-off-Start. Vorher muss Frenkie Ignjatovic allerdings den Nachweis führen, dass seine Mannschaft in der Lage ist, Kirchheim zu schlagen. Zweimal ist dies zuletzt misslungen. „Ich weiß, dass wir mehr können“, meint der Coach nach der missglückten Generalprobe am Samstag. Bis dahin verteilt er Komplimente: Kirchheim spiele beeindruckend abgezockt. „Trotz der kleinen Rotation bekommen sie selten Foulprobleme.“ Ignjatovic: „Am Freitag wird sich zeigen, ob und wie wir dagegen halten.“

Von einem zufriedenstellenden Spiel konnte am Samstag auch auf Kirchheimer Seite keine Rede sein. Trotz des knappen Sieges. Seine Erwartungen für Freitag bringt Knights-Coach Michael Mai bündig auf den Punkt: „Mehr Disziplin, weniger Chaos.“ 22 Turnovers unterliefen seiner Mannschaft, dem Gegner allerdings fast genauso viel. Mai verlangt mehr Kontrolle, weniger Tempo erwartet er hingegen nicht. „Das wird ein sehr intensives Spiel und mit Sicherheit nicht noch einmal ein low-scoring-game.“ Zwei defensiv-orientierte Mannschaften hatten sich am Samstag ein wahres Fehlwurf-Festival geboten. Am Ende blieben beide Teams unter der 60-Punkte-Marke.

Kraft tanken heißt am Ende einer langen Saison vor allem Kraft sparen. Wie sinnvoll das sein kann, unterstreichen Leistungsträger wie Jonathon Williams und Carrington Love. Beide stehen im Schnitt mehr als eine halbe Stunde pro Spiel und damit am längsten von allen auf dem Parkett und beide offenbarten zuletzt deutliche Konzentrationsschwächen. Williams, der überragende Mann in dieser Saison und eigentlich die Konstanz in Person, bot in den vergangenen vier Wochen drei seiner schwächsten Auftritte im Kirchheimer Trikot. Das Gleiche gilt für Love. Der 23-jährige Spielmacher leistete sich in Ehingen und am Samstag gegen Heidelberg mit insgesamt 17 Turnovers mehr Ballverluste als zusammengerechnet in den sechs Spielen zuvor.

Michael Mai strich am Montag deshalb das Training und schickte die Mannschaft am Abend statt in die Halle zur Entspannung ins Thermalbad nach Beuren. Schließlich gelten bei Wellness und Sport die gleichen Grundsätze: Ein warmes Bad ist im Zweifel stets besser als eine kalte Dusche.